Koordinaten: 44°50′19″N 0°″N50′19 / 44.83861°N 0.57833°W / 44.83861; -0.57833

Die Aquitaine (Okzitanien: Aquitània; Baskisch: Akitania; Spanisch: Aquitania) war früher eine Verwaltungsregion Frankreichs. Heute ist sie Teil der Verwaltungsregion Nouvelle-Aquitaine. Mit über 41.000 Quadratkilometern ist sie eine der größten Regionen des französischen Festlandes (die größte aller französischen Regionen ist Französisch-Guayana in Südamerika).

Ihre Hauptstadt war Bordeaux, die größte Stadt der Region. Der französische Name der Menschen, die in der Region leben, ist Aquitain. Die Region hatte vor der Verwaltungsreform eine Einwohnerzahl von etwa 3,2–3,4 Millionen (je nach Zählung) und zeichnete sich durch eine niedrige bis mittlere Bevölkerungsdichte mit stark bevölkerten Ballungsräumen um Bordeaux aus.

Die fünf Departements der Region waren Dordogne, Gironde, Landes, Lot-et-Garonne und Pyrénées-Atlantiques.

Geographie

Die historische Region Aquitanien liegt im Südwesten Frankreichs und erstreckt sich vom Atlantischen Ozean im Westen bis zu den Ausläufern der Pyrénées im Süden. Zu den wichtigen Flüssen zählen die Garonne und die Dordogne, die im Bereich von Bordeaux zusammenfließen und das fruchtbare Landesinnere prägen. Im Nordosten grenzt Aquitanien an die Regionen Limousin und Poitou-Charentes (historisch), im Osten an Midi-Pyrénées.

Klima und Landschaft

Das Klima ist überwiegend atlantisch: milde Winter, warme Sommer und relativ gleichmäßige Niederschläge übers Jahr. Entlang der Küste herrscht typisches Seeklima, weiter im Landesinneren kann es kontinentaler werden. Im Süden steigen die Pyrenäenausläufer zu gebirgigen Landschaften mit alpinen Einflüssen an. Typische Landschaften sind Küstenstreifen mit Dünen (unter anderem die berühmte Dune du Pilat), ausgedehnte Waldgebiete wie die Landes-Kieferwälder, fruchtbare Flusstäler und kalkige Hochebenen im Périgord.

Wirtschaft

  • Weinbau: Die Region ist international bekannt für Weinbau und besonders für das Bordeaux-Gebiet mit weltberühmten Appellationen und Weingütern.
  • Landwirtschaft und Forstwirtschaft: Ackerbau (Mais, Getreide), Viehzucht, Gänse- und Entenzucht (Foie gras) sowie großflächige Kiefernforste in den Landes sind wirtschaftlich wichtig.
  • Tourismus: Strände, Thermen (z. B. Dax), Surfspots (Hossegor), historische Orte und Weintourismus ziehen viele Besucher an.
  • Handel und Hafenwirtschaft: Bordeaux als wichtiger Hafen- und Handelsstandort für Wein und andere Waren.

Kultur, Sprache und Kulinarisches

Aquitanien war kulturell vielfältig: neben der französischen Hochsprache sind regional noch Okzitanisch (in Teilen des Périgord und Gascons) und Baskisch (im südwestlichen Bereich, etwa um Bayonne und Biarritz) präsent. Die Region hat eine reiche kulinarische Tradition mit Spezialitäten wie Foie gras, Confit de canard, Armagnac (Branntwein aus Teilen der Region), Austern aus dem Bassin d’Arcachon und den Weinen von Saint-Émilion, Médoc und Sauternes.

Geschichte

Aquitanien hat eine lange Geschichte, die von prähistorischer Besiedlung (bekannte Höhlenmalereien wie Lascaux in der Dordogne) über die Zeit des römischen Gallien bis zu den mächtigen mittelalterlichen Herrschaften reicht. Das Herzogtum Aquitanien und Persönlichkeiten wie Eleanor of Aquitaine spielten eine bedeutende Rolle in der europäischen Geschichte, besonders in den Beziehungen zwischen Frankreich und England. Später gehörten Teile der Region zeitweise zum englischen Königreich (z. B. Gascony), bevor sie endgültig in das Königreich Frankreich eingegliedert wurden.

Verkehr und Infrastruktur

Die Region war gut an das französische Verkehrsnetz angebunden: der TGV verbindet Bordeaux mit Paris in wenigen Stunden, mehrere größere Autobahnen (u. a. A10, A63) führen durch das Gebiet. Bedeutende Flughäfen sind Bordeaux–Mérignac, Biarritz und Pau. Außerdem bestehen Fährverbindungen und Hafenanlagen entlang der Küste sowie ein dichtes Netz regionaler Straßen und Bahnverbindungen.

Sehenswürdigkeiten und Tourismus

  • Bordeaux: historisches Stadtzentrum, Weinmuseen, moderne Uferpromenade.
  • Saint-Émilion: mittelalterliches Weinbaudorf und UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Dune du Pilat: höchste Wanderdüne Europas an der Atlantikküste.
  • Biarritz und Bayonne: Badeorte mit baskischer Kultur und Surfstränden.
  • Höhlen von Lascaux und Vézère-Tal: bedeutende prähistorische Stätten.
  • Arcachon-Becken: Austernzuchten, Strände und Naturschutzgebiete.

Verwaltung und heutiger Status

Administrativ bestand die Region vor 2016 aus den bereits genannten fünf Departements. Am 1. Januar 2016 wurde Aquitanien im Zuge einer französischen Verwaltungsreform mit den Regionen Poitou-Charentes und Limousin zur neuen Großregion Nouvelle-Aquitaine zusammengeschlossen. Trotz der Verwaltungsfusion bleibt der Begriff „Aquitaine“ weiterhin gebräuchlich, vor allem in historischem, kulturellem und wirtschaftlichem Kontext (etwa in der Weinwirtschaft und im Tourismus).

Wichtige Städte der historischen Region neben Bordeaux sind unter anderem Bayonne, Biarritz, Pau, Périgueux, Agen, Mont-de-Marsan, Dax und Bergerac. Diese Orte spiegeln die Vielfalt der Landschaften, Sprachen und Traditionen Aquitaniens wider.