L'Atalante-Becken ist ein sehr salzhaltiger, tiefer „See“ auf dem Grund des Mittelmeers. Es handelt sich um ein sogenanntes Hyper­sales Solebecken (engl. deep hypersaline anoxic basin, DHAB), in dem die Salzkonzentration so hoch ist, dass das Bodenwasser kaum mit dem darüberliegenden Meerwasser mischt.

35°10′48″N 21°24′36″E / 35.18°N 21.41°E / 35.18; 21.41

Das Becken liegt etwa 190 km (~120 Meilen) westlich der Insel Kreta und befindet sich in großer Wassertiefe – unter mehr als zwei Meilen (~3 200 m) Meerwasser. Es wird oft als „See“ bezeichnet, weil die extrem hohe Salzkonzentration eine praktisch vollständige Trennung vom überlagernden Meerwasser bewirkt. Solche Solebecken treten weltweit auf; ein bekanntes Beispiel außerhalb des Mittelmeers befindet sich im Golf von Mexiko.

Entstehung und physikalische Eigenschaften

Hyper­saline Solebecken wie das L'Atalante-Becken entstehen durch das Einsickern und die Ansammlung stark salzhaltiger Flüssigkeiten in topographischen Senken des Meeresbodens. Die deutlich höhere Dichte des Salzwassers bewirkt eine sehr scharfe Schichtung (Halokline) zwischen dem normalen Meerwasser und der dichten Sole. Diese Grenzschicht kann nur wenige Meter dünn sein, wirkt aber als nahezu undurchlässige Barriere für den vertikalen Austausch.

Innerhalb des Beckens herrschen typisch:

  • sehr hohe Salzgehalte (deutlich über dem normalen Meerwasser),
  • anoxische Bedingungen (kein gelöster Sauerstoff),
  • hohe Konzentrationen von Sulfiden, Methan und gelösten Mineralien.

Ökologie und Lebensgemeinschaften

Die extremen Bedingungen im Solewasser sind für die meisten mehrzelligen Organismen lebensfeindlich. Dennoch beherbergen diese Becken reichhaltige mikrobiologische Gemeinschaften: Archaeen, Bakterien und spezielle Einzeller haben sich an die salz- und schwefelreichen, sauerstofffreien Verhältnisse angepasst. An der Halokline selbst finden sich oft dichte Ansammlungen von chemosynthetischen Mikroben und biofilmen, die Nährstoffe und Energie aus chemischen Prozessen (z. B. Schwefel- oder Methanoxidation) gewinnen. Solche Lebensgemeinschaften sind ökologisch interessant, weil sie alternative Energiequellen nutzen und als Modelle für Leben unter extremen Bedingungen dienen.

Bedeutung für Forschung und Anwendung

Das L'Atalante-Becken und andere DHABs sind wichtige Studienobjekte für Ozeanographie, Mikrobiologie und Geochemie. Forschung an diesen Orten liefert Einblicke in:

  • extreme Angepasstheit von Mikroorganismen (Extremophile),
  • biogeochemische Kreisläufe unter anoxischen Bedingungen,
  • potentielle biotechnologische Anwendungen (Enzyme, Stoffwechselwege) sowie
  • Analogien für mögliche Lebensräume auf anderen Himmelskörpern.

Entdeckung und Name

Das Becken ist nach dem französischen Forschungsschiff „L'Atalante“ benannt, das an Untersuchungen im östlichen Mittelmeer beteiligt war. Es gehört zu einer Gruppe vergleichbarer Becken in der Region, zu denen unter anderem das Urania- und das Discovery-Becken zählen.

Weiterführende Forschung nutzt ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge (ROVs), autonome Messinstrumente und Probennahmen, um die einzigartige Physik, Chemie und Biologie dieser Sonderhabitaten besser zu verstehen.