Archaeen (Archaea): Definition, Eigenschaften und extreme Lebensräume
Archaeen (Archaea): Definition, Eigenschaften und extreme Lebensräume – Einblick in Einzeller, ihre Anpassungen, Extremophilie und Bedeutung im Drei‑Domänen‑System.
Die Archaeen (oder Archaeen) sind eine Gruppe von Einzellern. Der Name kommt aus dem Griechischen αρχαία, "Alte". Sie sind eine Hauptabteilung der lebenden Organismen.
Archaeen sind winzige, einfache Organismen. Sie wurden ursprünglich in extremer Umgebung (extremophil) entdeckt, aber man geht heute davon aus, dass sie unter eher durchschnittlichen Bedingungen vorkommen. Viele können bei sehr hohen (über 80 °C) oder sehr niedrigen Temperaturen oder in stark salzhaltigem, saurem oder alkalischem Wasser überleben. Einige wurden in Geysiren, schwarzen Rauchern, Ölquellen und heißen Schloten in der Tiefsee gefunden. Neuere Forschungen haben ammoniakfressende Archaeen in Boden und Meerwasser gefunden.
In der Vergangenheit wurden sie mit Bakterien als Prokaryonten (oder Königreich Monera) eingestuft und Archaebakterien genannt, aber das ist ein Fehler. Die Archaeen haben eine unabhängige Evolutionsgeschichte und weisen in ihrer Biochemie viele Unterschiede zu anderen Lebensformen auf. Sie werden jetzt als eine separate Domäne im Drei-Domänen-System klassifiziert. In diesem System sind die drei verschiedenen Zweige der evolutionären Abstammung die Archaeen, Bakterien und Eukaryota.
Archaeen sind, wie Bakterien, Prokaryoten: Einzeller, die keine Kerne und Zellorganellen vom Typ der Eukaryoten besitzen.
Wichtige Merkmale und Zellbau
Obwohl Archaeen prokaryotisch aufgebaut sind, unterscheiden sie sich deutlich von Bakterien in mehreren Merkmalen:
- Zellmembran: Archaeen besitzen Ether-Bindungen zwischen Glycerin und ihren Lipiden (statt Ester-Bindungen wie bei Bakterien und Eukaryoten). Manche hyperthermophilen Archaeen haben Lipid-Monolagen, die bei hohen Temperaturen stabiler sind.
- Zellwand: Viele Archaeen haben statt Peptidoglykan (Murein) eine Proteinhülle oder ein sogenanntes S-Layer; einige Methanogene besitzen Pseudomurein, das strukturell verschieden vom bakteriellen Peptidoglykan ist.
- Genetik und Proteinsynthese: Die Ribosomen und die grundlegenden Mechanismen der Transkription und Translation ähneln in Teilen eher denen der Eukaryoten als denen der Bakterien (z. B. ähnliche RNA-Polymerasen und Initiationsfaktoren).
- Stoffwechsel: Archaeen zeigen vielfältige Stoffwechselwege, darunter einzigartige Prozesse wie die Methanogenese (Produktion von Methan), die nur in Archaeen vorkommt.
Lebensräume und ökologische Anpassungen
Archaeen kommen in einer sehr großen Bandbreite von Habitaten vor:
- Extremophile Lebensräume: Thermophile und Hyperthermophile in heißen Quellen und hydrothermalen Schloten, Halophile in stark salzhaltigen Umgebungen, Acidophile in sauren Gewässern und einige Psychrophile in kalten Meeren oder Permafrost.
- Alltägliche Umwelt: Viele Archaeen leben in gewöhnlichem Boden, Süß- und Meerwasser sowie in der Sediment- und Mangrovenumgebung. Sie sind nicht mehr nur „Extrembewohner“.
- Symbiosen und Darmflora: Einige Archaeen sind Bestandteile der Mikrobenflora von Tieren, einschließlich des menschlichen Darms; dort beeinflussen sie z. B. die Methanbildung und damit die Verdauung.
Rolle im globalen Stoffkreislauf
Archaeen sind ökologisch sehr bedeutsam:
- Methanproduktion: Methanogene Archaeen in anaeroben Sedimenten, Feuchtgebieten und im Verdauungstrakt von Wiederkäuern erzeugen Methan, ein wichtiges klimarelevantes Gas.
- Stickstoff- und Kohlenstoffkreislauf: Ammoniak-oxidierende Archaeen (AOA) tragen wesentlich zur Nitrifikation in Ozeanen und Böden bei. Archaeen sind damit wichtige Akteure im globalen N- und C-Kreislauf.
Systematik, Evolution und neue Erkenntnisse
Im modernen Drei-Domänen-System bilden Archaeen eine eigene Domäne. Neuere phylogenetische Studien zeigen, dass die Gruppe sehr divers ist und einige Archäengruppen (z. B. die sogenannten Asgard-Archaeen) enge Beziehungen zu den Vorfahren der Eukaryoten haben könnten. Diese Ergebnisse verändern unser Verständnis von der Entstehung komplexen Lebens.
Untersuchung, Kultivierung und Anwendungen
- Nachweismethoden: Viele Archaeen werden heute durch molekulare Methoden wie 16S-rRNA-Sequenzierung, Metagenomik und Metatranskriptomik entdeckt, da viele Arten schwer zu kultivieren sind.
- Biotechnologische Nutzung: Enzyme aus Archaeen (sogenannte Extremozymes), z. B. hitzestabile DNA-Polymerasen aus thermophilen Archaeen, werden in Forschung und Industrie eingesetzt (z. B. PCR-Verfahren, Biokatalyse, Abwasserbehandlung, Biogasproduktion).
- Forschungshindernisse: Viele Archaeen lassen sich nur unter speziellen Bedingungen züchten, weshalb ihre Vielfalt erst durch Sequenzierung vollständig sichtbar wird.
Zusammenfassung
Archaeen sind eine eigenständige, sehr vielfältige Gruppe von Einzellern mit einzigartigen biochemischen Merkmalen und großer ökologischer Bedeutung. Sie besiedeln sowohl extreme als auch gewöhnliche Lebensräume, beeinflussen globale Stoffkreisläufe und liefern wichtige Werkzeuge und Konzepte für Forschung und Biotechnologie.

Farbenprächtige Archaeen am Midway-Geysir
Vergleich mit anderen Bereichen
Die folgende Tabelle vergleicht einige Hauptmerkmale der drei Bereiche, um ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede zu veranschaulichen. Viele dieser Merkmale werden im Folgenden ebenfalls erörtert.
| Eigentum | Archäaea | Bakterien | Eukarya |
| Ether-gebundene Lipide, Pseudopeptidoglykan | Ester-gebundene Lipide, Peptidoglykan | Ester-gebundene Lipide, verschiedene Strukturen | |
| Genstruktur | Zirkuläre Chromosomen, ähnliche Translation und Transkription wie bei Eukarya | Zirkuläre Chromosomen, einzigartige Translation und Transkription | Multiple, lineare Chromosomen, ähnliche Translation und Transkription wie bei Archaea |
| Interne Zellstruktur | Keine membrangebundenen Organellen (aber in Frage gestellt:) oder Kern | Keine membrangebundenen Organellen oder Kern | Membran-gebundene Organellen und Kern |
| Verschiedene, mit einer für Archaea einzigartigen Methanogenese | Verschiedene, darunter Photosynthese, aerobe und anaerobe Atmung, Fermentation und Autotrophie | Photosynthese, Zellatmung und Fermentation | |
| Vervielfältigung | Asexuelle Fortpflanzung, horizontaler Gentransfer | Sexuelle und ungeschlechtliche Fortpflanzung |
= Interessante Fakten über Archäen:
- Keine archäische Art kann Photosynthese betreiben.
- Archaeen pflanzen sich nur asexuell fort.
- Archaeen zeigen ein hohes Maß an horizontalem Gentransfer zwischen den Linien.
- Viele Archaeen leben in extremen Umgebungen.
- Im Gegensatz zu Bakterien produzieren keine Archaeen Sporen.
- Archaeen sind im Ozean und insbesondere im Plankton weit verbreitet. Sie machen bis zu 20% aller mikrobiellen Zellen im Ozean aus. p475
- Carl Woese entdeckte die Archäaea 1978.
Verwandte Seiten
- Carl Woese
- Früheste bekannte Lebensformen
- Methanogen
Fragen und Antworten
F: Wie lautet der Name der Gruppe der Einzeller?
A: Die Gruppe der einzelligen Organismen heißt Archaea.
F: Woher stammt der Name?
A: Der Name kommt aus dem Griechischen αρχαία, was "die Alten" bedeutet.
F: Sind Archaea Prokaryoten oder Eukaryoten?
A: Archaeen sind Prokaryoten, d.h. sie haben keine Zellkerne und Zellorganellen vom Typ der Eukaryoten.
F: In welcher Art von Umgebung wurden sie ursprünglich entdeckt?
A: Sie wurden ursprünglich in extremen Umgebungen entdeckt (Extremophile).
F: Geht man heute davon aus, dass Archaea auch unter durchschnittlicheren Bedingungen vorkommen?
A: Ja, man geht heute davon aus, dass sie auch unter durchschnittlicheren Bedingungen vorkommen.
F: Bei welchen Temperaturen können einige Archaea überleben?
A: Einige können bei sehr hohen (über 80°C) oder sehr niedrigen Temperaturen oder in stark salzigem, saurem oder alkalischem Wasser überleben.
Q: Wie werden Archaea im Drei-Domänen-System klassifiziert?
A: Im Drei-Domänen-System werden Archaeen als eine eigene Domäne klassifiziert.
Suche in der Enzyklopädie