Eine Sonderverwaltungsregion (SAR) ist eine Region in China, die über ein hohes Maß an Autonomie bzw. über ein hohes Maß an Selbstbestimmungsbefugnis verfügt. Es gibt zwei Sonderverwaltungsgebiete in China, Hongkong und Macao. Im Gegensatz zu anderen Regionen auf dem chinesischen Festland haben die SARs ein Grundgesetz, eine Verfassung, die sich von der der Volksrepublik China (VR China) unterscheidet. Das Grundgesetz gewährt Hongkong und Macao Freiheiten, die es im übrigen China nicht gibt, wie Religionsfreiheit, Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Petitionsfreiheit. Das Grundgesetz erlaubt es den SARs auch, über die Wirtschaftsregeln ihrer Region zu entscheiden, weshalb die Wirtschaft in Hongkong und Macao viel weniger kontrolliert wird als auf dem chinesischen Festland, und es gibt ihnen auch die Freiheit zu wählen, wen sie ohne Visum in ihre eigenen Regionen einreisen lassen wollen. Infolgedessen haben Hongkong und Macao ihre eigenen Währungen, Pässe, Amtssprachen usw. Dies ist allgemein als die Politik "ein Land, zwei Systeme" bekannt.

Das Konzept "ein Land, zwei Systeme" wurde bei den Übergaben der früheren Kolonien an die VR China konkretisiert: Hongkong wurde am 1. Juli 1997 von Großbritannien an China übergeben, Macao am 20. Dezember 1999 von Portugal. Beide SARs erhielten dabei das Versprechen weitgehender Autonomie für jeweils 50 Jahre nach der Übergabe (bis 2047 für Hongkong, bis 2049 für Macao).

Wesentliche Merkmale der SARs sind unter anderem:

  • Eigenes Rechtssystem: Hongkong bewahrt ein Common-Law-System mit unabhängiger Rechtsprechung; Macao folgt überwiegend einem auf portugiesischem Recht beruhenden Zivilrechtssystem.
  • Innere Verwaltung: Die SAR-Regierungen bestimmen viele innenpolitische Angelegenheiten selbst, etwa Bildung, Gesundheitswesen, Wirtschafts‑ und Sozialpolitik.
  • Grenz- und Einwanderungskontrolle: Die SARs haben eigene Einreisebestimmungen und können Visapolitik unabhängig vom Festland festlegen.
  • Wirtschaftliche Autonomie: Beide Gebiete sind eigene Zollgebiete und haben eigenständige Währungs‑ und Finanzsysteme (z. B. Hongkong-Dollar, Macao‑Pataca).
  • Internationale Vertretung: Hongkong und Macao nehmen in bestimmten internationalen Organisationen und Wirtschaftsforen als separate Teilnehmer teil (z. B. bei WTO oder APEC in speziellen Statusformen).
  • Verteidigung und Außenpolitik: Diese Bereiche bleiben jedoch der Zentralregierung der VR China vorbehalten.

Chinesisch ist eine offizielle Sprache in beiden Gebieten, aber im Gegensatz zum chinesischen Festland, wo Mandarin die Hauptsprache und vereinfachtes Chinesisch die Hauptschriftsprache ist, ist Kantonesisch die meistgesprochene Sprache und traditionelles Chinesisch die Hauptschriftsprache in diesen Gebieten. Die Ungenauigkeit der einfachen Angabe von Chinesisch als Amtssprache lässt dies zu. Auch Englisch und Portugiesisch, die Hauptsprachen der Nationen, die in der Vergangenheit Hongkong und Macao in der jeweiligen Reihenfolge kontrollierten, sind ebenfalls Amtssprachen in den jeweiligen SARs. Konkret sind in Hongkong Chinesisch (meistens Kantonesisch) und Englisch amtlich, in Macao Chinesisch und Portugiesisch.

Zu den sichtbaren Unterschieden gehören außerdem:

  • Währungen: Hongkong nutzt den Hongkong-Dollar, Macao die Macao‑Pataca; beide sind eigenständige Zahlungsmittel mit unterschiedlicher Geldpolitik.
  • Pässe und Staatsangehörigkeit: In beiden SARs gibt es eigene Reisepässe für chinesische Staatsangehörige mit Wohnsitz in der jeweiligen SAR (Pässe), die sich von Reisepässen des Festlands unterscheiden und zu verschiedenen Einreiseerleichterungen führen können.
  • Wirtschaftliche Ausrichtung: Hongkong ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum; Macao ist stark vom Tourismus und insbesondere vom Glücksspielsektor geprägt.

Während das Grundgesetz umfangreiche Freiheiten und institutionelle Garantien vorsieht, haben politische Entwicklungen der letzten Jahre Diskussionen über das Ausmaß der Autonomie ausgelöst. Auffällige Eingriffe der Zentralregierung, etwa Maßnahmen im Bereich der nationalen Sicherheit, haben in Hongkong Debatten über die praktische Ausgestaltung von Rechten und Freiheiten angestoßen. Solche Entwicklungen wirken sich auf Rechtsprechung, Medienumfeld und das politische Klima aus und werden international aufmerksam verfolgt.

Zusammenfassend sind die SARs Hongkong und Macao innerhalb der Volksrepublik China Sonderfälle mit großem Handlungsspielraum in wirtschaftlichen, rechtlichen und administrativen Fragen, zugleich aber mit klaren Beschränkungen in Bereichen wie Außen- und Verteidigungspolitik, die der Zentralregierung vorbehalten bleiben.