Vladimir Nabokov (22. April 1899 - 2. Juli 1977) war ein russisch-amerikanischer Schriftsteller. Er schrieb seine ersten Bücher auf Russisch, und nachdem er in die Vereinigten Staaten übersiedelte, schrieb er auf Englisch. Sein berühmtestes Buch ist Lolita, aber auch andere sind berühmt geworden, wie Pnin, Pale Fire und Ada oder Ardor.
Nabokov wurde in Sankt Petersburg, Russland, als erstes von fünf Kindern geboren. Im Jahr 1919 ging er mit seiner Familie nach Europa. Im Jahr 1945 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Er starb in Montreux, Schweiz.
Leben und Stationen
Vladimir Nabokov entstammte einer wohlhabenden, gebildeten Familie; sein Vater war in der Zarenzeit politisch aktiv und als Anwalt tätig. Nach der Russischen Revolution verließ die Familie das Land und lebte in verschiedenen europäischen Städten, darunter Prag, Cambridge (England) und Berlin. In der Zwischenkriegszeit veröffentlichte Nabokov zahlreiche Werke auf Russisch und arbeitete auch für russischsprachige Emigrantenzeitschriften.
Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre emigrierte Nabokov in die Vereinigten Staaten, wo er bald eine zweite literarische Karriere in englischer Sprache begann. Er unterrichtete unter anderem als Dozent für russische Literatur an der Cornell University. In den USA schrieb er einige seiner bekanntesten Romane, die ihm internationale Anerkennung brachten. 1945 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In seinen letzten Lebensjahren zog Nabokov wieder nach Europa und verbrachte seine letzten Jahre in der Schweiz.
Werk, Themen und Stil
Nabokovs Werk zeichnet sich durch sprachliche Virtuosität, feine Ironie, spielerische Formen und komplexe Erzählsituationen aus. Häufige Motive sind Erinnerung und Exil, Liebe und Besessenheit, Kunstreflexion und die Grenzen des Erzählens. Seine Erzähler gelten oft als unzuverlässig; Wortspiele, intertextuelle Verweise und detaillierte Naturbeschreibungen gehören zu seinem Markenzeichen.
Seine wichtigsten englischsprachigen Romane umfassen unter anderem:
- Lolita (1955) – ein kontroverser Roman über die obsessive Liebe des Erzählers Humbert Humbert, der Nabokov weltweite Bekanntheit, aber auch heftige Debatten über Moral und Kunst einbrachte. Das Buch wurde mehrfach verfilmt (u. a. von Stanley Kubrick, 1962, und von Adrian Lyne, 1997).
- Pnin – eine melancholisch-komische Erzählung über einen russischen Emigrantenprofessor in Amerika.
- Pale Fire (1962) – ein experimenteller Roman in Form eines kommentierten Gedichts, der Leser herausfordert, Erzählung und Interpretation auseinanderzuhalten.
- Ada oder Ardor (1969) – ein umfangreicher, kunstvoll gebauter Roman über Erinnerung, Familie und Zeit.
Daneben schrieb Nabokov zahlreiche Kurzgeschichten, Essays und literaturkritische Texte. Er beschäftigte sich intensiv mit Übersetzung (u. a. mit einer vielbeachteten Übertragung von Evgenij Onegin) und übertrug einige seiner eigenen russischen Texte ins Englische oder bearbeitete englische Fassungen seiner russischen Arbeiten.
Weitere Interessen und Vermächtnis
Nabokov war nicht nur Schriftsteller: Er war ein leidenschaftlicher Lepidopterist (Schmetterlingskundler) und veröffentlichte wissenschaftliche Beobachtungen zur Systematik und Verbreitung von Schmetterlingen. Außerdem komponierte er Schachprobleme und galt als Polyglott mit tiefen Kenntnissen in mehreren Sprachen und Literaturen.
Sein literarisches Erbe ist vielschichtig: Nabokov gilt als einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, gelobt für seine Sprachkunst und geachtet wegen seiner originalen Erzählformen. Zugleich bleiben einige seiner Werke wegen der behandelten Themen umstritten und werden seit Jahrzehnten intensiv diskutiert und erforscht.
Ausgewählte Werke (Auswahl)
- Frühe russische Romane und Sammlungen (1920er–1930er)
- Lolita (1955)
- Pnin
- Pale Fire (1962)
- Ada oder Ardor (1969)
- Übersetzungen und literaturwissenschaftliche Arbeiten (u. a. Übertragungen von Klassikertexten)
Vladimir Nabokovs Verbindung von sprachlicher Exaktheit, erzählerischem Witz und dichterischer Fantasie macht ihn bis heute zu einem vielgelesenen und -diskutierten Autor; seine Texte werden weiterhin übersetzt, interpretiert und in Lehre und Forschung behandelt.