Vladimir Nabokov (1899–1977) – Leben und Werk des russisch-amerikanischen Autors
Vladimir Nabokov (1899–1977): Leben und Werk des russisch‑amerikanischen Meisters von Lolita, Pnin, Pale Fire — Biografie, Werke, Einfluss und literarisches Erbe.
Vladimir Nabokov (22. April 1899 - 2. Juli 1977) war ein russisch-amerikanischer Schriftsteller. Er schrieb seine ersten Bücher auf Russisch, und nachdem er in die Vereinigten Staaten übersiedelte, schrieb er auf Englisch. Sein berühmtestes Buch ist Lolita, aber auch andere sind berühmt geworden, wie Pnin, Pale Fire und Ada oder Ardor.
Nabokov wurde in Sankt Petersburg, Russland, als erstes von fünf Kindern geboren. Im Jahr 1919 ging er mit seiner Familie nach Europa. Im Jahr 1945 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Er starb in Montreux, Schweiz.
Leben und Stationen
Vladimir Nabokov entstammte einer wohlhabenden, gebildeten Familie; sein Vater war in der Zarenzeit politisch aktiv und als Anwalt tätig. Nach der Russischen Revolution verließ die Familie das Land und lebte in verschiedenen europäischen Städten, darunter Prag, Cambridge (England) und Berlin. In der Zwischenkriegszeit veröffentlichte Nabokov zahlreiche Werke auf Russisch und arbeitete auch für russischsprachige Emigrantenzeitschriften.
Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre emigrierte Nabokov in die Vereinigten Staaten, wo er bald eine zweite literarische Karriere in englischer Sprache begann. Er unterrichtete unter anderem als Dozent für russische Literatur an der Cornell University. In den USA schrieb er einige seiner bekanntesten Romane, die ihm internationale Anerkennung brachten. 1945 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. In seinen letzten Lebensjahren zog Nabokov wieder nach Europa und verbrachte seine letzten Jahre in der Schweiz.
Werk, Themen und Stil
Nabokovs Werk zeichnet sich durch sprachliche Virtuosität, feine Ironie, spielerische Formen und komplexe Erzählsituationen aus. Häufige Motive sind Erinnerung und Exil, Liebe und Besessenheit, Kunstreflexion und die Grenzen des Erzählens. Seine Erzähler gelten oft als unzuverlässig; Wortspiele, intertextuelle Verweise und detaillierte Naturbeschreibungen gehören zu seinem Markenzeichen.
Seine wichtigsten englischsprachigen Romane umfassen unter anderem:
- Lolita (1955) – ein kontroverser Roman über die obsessive Liebe des Erzählers Humbert Humbert, der Nabokov weltweite Bekanntheit, aber auch heftige Debatten über Moral und Kunst einbrachte. Das Buch wurde mehrfach verfilmt (u. a. von Stanley Kubrick, 1962, und von Adrian Lyne, 1997).
- Pnin – eine melancholisch-komische Erzählung über einen russischen Emigrantenprofessor in Amerika.
- Pale Fire (1962) – ein experimenteller Roman in Form eines kommentierten Gedichts, der Leser herausfordert, Erzählung und Interpretation auseinanderzuhalten.
- Ada oder Ardor (1969) – ein umfangreicher, kunstvoll gebauter Roman über Erinnerung, Familie und Zeit.
Daneben schrieb Nabokov zahlreiche Kurzgeschichten, Essays und literaturkritische Texte. Er beschäftigte sich intensiv mit Übersetzung (u. a. mit einer vielbeachteten Übertragung von Evgenij Onegin) und übertrug einige seiner eigenen russischen Texte ins Englische oder bearbeitete englische Fassungen seiner russischen Arbeiten.
Weitere Interessen und Vermächtnis
Nabokov war nicht nur Schriftsteller: Er war ein leidenschaftlicher Lepidopterist (Schmetterlingskundler) und veröffentlichte wissenschaftliche Beobachtungen zur Systematik und Verbreitung von Schmetterlingen. Außerdem komponierte er Schachprobleme und galt als Polyglott mit tiefen Kenntnissen in mehreren Sprachen und Literaturen.
Sein literarisches Erbe ist vielschichtig: Nabokov gilt als einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts, gelobt für seine Sprachkunst und geachtet wegen seiner originalen Erzählformen. Zugleich bleiben einige seiner Werke wegen der behandelten Themen umstritten und werden seit Jahrzehnten intensiv diskutiert und erforscht.
Ausgewählte Werke (Auswahl)
- Frühe russische Romane und Sammlungen (1920er–1930er)
- Lolita (1955)
- Pnin
- Pale Fire (1962)
- Ada oder Ardor (1969)
- Übersetzungen und literaturwissenschaftliche Arbeiten (u. a. Übertragungen von Klassikertexten)
Vladimir Nabokovs Verbindung von sprachlicher Exaktheit, erzählerischem Witz und dichterischer Fantasie macht ihn bis heute zu einem vielgelesenen und -diskutierten Autor; seine Texte werden weiterhin übersetzt, interpretiert und in Lehre und Forschung behandelt.
Leben
Nabokovs Vater war Rechtsanwalt und Politiker. Als Kind lernte Vladimir Russisch, Englisch und Französisch. Nach der Oktoberrevolution zog die Familie einige Male um, ließ sich aber 1920 in Berlin nieder. Zwei Jahre später wurde sein Vater versehentlich erschossen, weil er die Person, die der Schütze ermorden wollte, blockiert hatte. Seine Mutter und seine Schwester zogen nach Prag, aber Vladimir blieb in Berlin. Er schrieb für andere Russen, die Russland verlassen hatten, um dort zu leben. 1923 traf er Véra Slonin, eine Frau aus einer jüdisch-russischen Familie. Sie heirateten 1925. Im Jahr 1934 bekamen sie ihr einziges Kind, Dmitri.
1937 begann Nabokov, sich nach einer anderen Arbeitsstelle umzusehen. In diesem Jahr ging er nach Frankreich, und seine Familie folgte ihm. Sie alle flohen 1940 nach Amerika, mit Ausnahme seines Bruders Sergej, der in einem Konzentrationslager der Nazis starb.
Schmetterlinge
Nabokov war ein Experte für Schmetterlinge. Als Kind hatte er Bücher der Entomologin Maria Sibylla Merian gelesen, die er auf dem Dachboden des Landhauses seiner Familie in Vyra fand.
In den 1940er Jahren war er Forschungsstipendiat in Zoologie. Er organisierte die Schmetterlingssammlung des Museums für vergleichende Zoologie an der Harvard-Universität. Sein Spezialgebiet war der Stamm der Polyommatini aus der Familie der Lycaenidae.
Die Gattung Nabokovia wurde zu Ehren dieses Werkes nach ihm benannt, ebenso wie eine Reihe von Schmetterlings- und Mottenarten (z. B. haben viele Arten der Gattungen Madeleinea und Pseudolucia Namen, die auf Nabokov anspielen oder Namen aus seinen Romanen haben). 1967 kommentierte Nabokov: "Die Freuden und Belohnungen der literarischen Inspiration sind nichts anderes als die Verzückung, ein neues Organ unter dem Mikroskop oder eine unbeschriebene Art an einem Berghang im Iran oder in Peru zu entdecken. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich mich ohne die Revolution in Russland ganz der Lepidopterologie verschrieben und überhaupt keine Romane geschrieben hätte".
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