Milutin Milanković – serbischer Klimatologe, Milanković-Zyklen & Eiszeiten
Milutin Milanković: Leben, Milanković‑Zyklen und ihre Rolle bei Eiszeiten — Entdecken Sie, wie Orbitalmechanik Klimaänderungen erklärt und historische Eiszeiten beeinflusste.
Milutin Milanković (28. Mai 1879 – 12. Dezember 1958) war ein serbischer Mathematiker, Astronom, Geophysiker, Klimatologe, Bauingenieur und Schriftsteller. Milanković leistete zwei grundlegende Beiträge zur Wissenschaft.
Der erste Beitrag war der "Kanon der Sonneneinstrahlung auf die Erde", der das Klima der Planeten des Sonnensystems erklärte. Er begründete die kosmische Klimatologie, indem er die Temperaturen der oberen Schichten der Erdatmosphäre sowie die Temperaturverhältnisse auf den Planeten des inneren Sonnensystems, Merkur, Venus, Mars und Mond, und die Tiefe der Atmosphäre der äußeren Planeten berechnete.
Der zweite Beitrag war seine Erklärung, wie die langfristigen Klimaveränderungen der Erde durch Änderungen des Erd-Spins und der Umlaufbahn um die Sonne verursacht werden. Dies ist heute als Milankovich-Zyklen bekannt. Dies erklärt die Eiszeiten, die in der geologischen Vergangenheit der Erde stattfanden, und sagt Klimaveränderungen auf der Erde voraus, die in der Zukunft zu erwarten sind.
Die Erklärung ist nicht ganz zutreffend, so dass zweifellos auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Diese anderen Faktoren sind z.B. die Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid in der Atmosphäre, die Lage der Kontinente, der Umfang der Vulkantätigkeit und so weiter. Die Zyklen des Klimas scheinen jedoch im Großen und Ganzen so zu verlaufen, wie Milankovic es vorhergesagt hat. Geologische Beweise aus rhythmischen Merkmalen in Sedimentgesteinen sind weit verbreitet.
Leben und wissenschaftlicher Werdegang
Milutin Milanković wurde 1879 in Dalj (damals Teil von Österreich-Ungarn) geboren. Er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Wien und arbeitete zunächst als Bauingenieur, bevor er in die akademische Forschung wechselte. In Belgrad war er Professor und wirkte maßgeblich am Aufbau der geodätischen und klimatologischen Forschung in Serbien. Sein bekanntestes Werk ist der mehrbändige "Kanon der Erdbestrahlung und seine Anwendung auf das Eiszeitenproblem", in dem er seine Berechnungen zur Sonneneinstrahlung und den Klimafolgen darlegte.
Der "Kanon der Erdbestrahlung"
In diesem Werk entwickelte Milanković mathematische Methoden, um die Verteilung der Sonneneinstrahlung über Breiten, Jahreszeiten und lange Zeiträume zu berechnen. Er kombinierte astronomische Daten zu den orbitalen Parametern der Erde mit Strahlungsrechnungen und bestimmten, wie viel Energie in verschiedenen Breitengraden und zu verschiedenen Jahreszeiten ankommt. Diese Berechnungen sind die Grundlage der sogenannten kosmischen Klimatologie: sie zeigen, wie astronomische Faktoren die langfristige Klimatik eines Planeten beeinflussen können.
Die Milanković‑Zyklen – kurze Übersicht
Milanković identifizierte mehrere Wechsel der Erdbewegung, die die Einstrahlung modifizieren und so Klimaschwankungen auslösen können. Die wichtigsten sind:
- Exzentrizität (Änderung der Form der Erdbahn um die Sonne): periodische Veränderungen mit Hauptanteilen bei etwa ~100.000 Jahren und ~400.000 Jahren; beeinflusst die Gesamtabweichung der Erdumlaufbahn von der Kreisform und moduliert die Stärke der saisonalen Schwankungen.
- Obliquität (Achsenneigung): Schwankungen der Neigung der Erdachse gegenüber der Bahnebene mit einer Hauptperiode von etwa ~41.000 Jahren; beeinflusst vor allem die Kontraststärke zwischen den Jahreszeiten, besonders in mittleren und hohen Breiten.
- Präzession (Taumeln der Erdachse kombiniert mit Umlaufbahnstellung): führt zu Verschiebungen der Jahreszeiten gegenüber dem sonnennächsten Punkt; hat Perioden von etwa ~19.000 bis ~23.000 Jahren und verändert die saisonale Verteilung der Einstrahlung.
Für die Entstehung von Eiszeiten ist vor allem die Einstrahlung im Sommer an hohen nördlichen Breiten (häufig als Anomalie bei etwa 65°N betrachtet) wichtig: geringere Sommersonnenenergie begünstigt das Überleben von Schnee und Eis über den Sommer und damit die Ausdehnung von Eisschilden.
Bestätigung durch geologische Daten
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Milankovićs Vorhersagen durch geologische und ozeanische Archive überprüft. Analysen von Meeres-Sedimenten, Eiskernen und paläoklimatischen Datensätzen zeigten dominante Periodizitäten, die mit obigen astronomischen Frequenzen korrespondieren. Ein bekanntes Ergebnis ist die Arbeit von Hays, Imbrie und Shackleton (1976), die starke Signale der orbitalen Perioden in Tiefsee-Sedimenten nachwiesen und damit die astronomische Klimabeeinflussung bestätigten.
Bedeutung, Grenzen und offene Fragen
Milankovićs Theorie liefert ein physikalisch nachvollziehbares „Antriebssignal“ für lange Klimaschwankungen, erklärt viele Beobachtungen und ist heute fixer Bestandteil der Paläoklimatologie. Allerdings ist die Theorie kein vollständiges Bild des Klimasystems — die astronomische Forcierung allein ist relativ schwach, und es sind Rückkopplungen innerhalb des Klimasystems (z. B. durch Kohlendioxid, Albedo‑Änderungen durch Eisflächen, Eisdynamik und Ozeanzirkulation) nötig, um die beobachteten großen Klimasprünge zu erklären.
Ein ungelöstes Problem ist die sogenannte 100.000‑Jahres‑Frage: warum dominieren in den spätpleistozänen Eis‑Warm‑Zyklen große ~100.000‑Jahres‑Schwankungen, obwohl die direkte exzentrizitätsbedingte Strahlungsänderung relativ klein ist. Heute geht man davon aus, dass nichtlineare Reaktionen des Eisschildes, Wechselwirkungen mit CO₂‑Konzentrationen und interne Klima‑Dynamiken die astronomische Forcierung verstärken und zu diesem Muster führen.
Vermächtnis
Milanković hat mit seinen Berechnungen und seinem systematischen Ansatz die Verbindung zwischen Astronomie und Klima dauerhaft hergestellt. Seine Konzepte — insbesondere die Idee, dass kleine Änderungen in der Sonneneinstrahlung über Tausende von Jahren große Klimafolgen haben können — prägen bis heute das Verständnis von Eiszeiten und langfristigen Klimaschwankungen. Die Begriffe „Milanković‑Zyklen“ oder „Milankovitch cycles“ sind in der Klimawissenschaft etabliert und seine Werke gehören weiterhin zur Standardliteratur der Paläoklimatologie.
Fragen und Antworten
F: Wer war Milutin Milanković?
A: Milutin Milanković war ein serbischer Mathematiker, Astronom, Geophysiker, Klimatologe, Bauingenieur und Schriftsteller.
F: Was waren seine zwei grundlegenden Beiträge zur Wissenschaft?
A: Sein erster Beitrag war der "Kanon der Sonneneinstrahlung auf der Erde", der das Klima auf den Planeten des Sonnensystems erklärte. Er begründete die kosmische Klimatologie, indem er die Temperaturen der oberen Schichten der Erdatmosphäre sowie die Temperaturbedingungen auf den Planeten des inneren Sonnensystems, Merkur, Venus, Mars und dem Mond, sowie die Tiefe der Atmosphäre der äußeren Planeten berechnete. Der zweite Beitrag war seine Erklärung dafür, wie langfristige Klimaveränderungen durch Veränderungen in der Drehung der Erde und ihrer Umlaufbahn um die Sonne verursacht werden; diese sind heute als Milankovich-Zyklen bekannt.
F: Wie erklärt seine Erklärung die Eiszeiten?
A: Seine Erklärung für die Eiszeiten beruht auf der Vorhersage von Klimaveränderungen auf der Erde, die in Zukunft aufgrund von Veränderungen der Erdrotation und der Umlaufbahn um die Sonne zu erwarten sind.
F: Ist seine Erklärung völlig korrekt?
A: Nein, seine Erklärung ist nicht ganz zutreffend, da auch andere Faktoren eine Rolle spielen, wie z.B. die Menge an Sauerstoff und Kohlendioxid in der Atmosphäre, die Position der Kontinente, die Menge an vulkanischer Aktivität usw.
F: Sind geologische Beweise für rhythmische Merkmale in Sedimentgesteinen üblich?
A: Ja, sie sind üblich.
F: Was hat er bezüglich der Temperaturen auf anderen Planeten berechnet?
A: Er berechnete die Temperaturen in den oberen Schichten der Erdatmosphäre sowie die Temperaturbedingungen auf den Planeten des inneren Sonnensystems (Merkur, Venus, Mars und Mond) und die Tiefe der Atmosphäre auf den äußeren Planeten.
Suche in der Enzyklopädie