Zikaden sind kleine Insekten aus der Ordnung der Wanzen (Hemiptera) und gehören zur Familie der Cicadidae; man bezeichnet sie daher auch als echte Wanzen. Charakteristisch sind kräftige Vorderflügel, ein robuster Körper und große Facettenaugen. Zikaden werden umgangssprachlich oft fälschlich als Heuschrecken bezeichnet, obwohl sie nicht mit den echten Heuschrecken verwandt sind. Ihre nächsten Verwandten sind andere Zikadenartige wie Blatthüpfer und Speichelwanzen.
Merkmale
Zikaden variieren stark in Größe und Farbe: die Körperlänge liegt meist bei etwa 2–5 cm, bei einigen tropischen Arten kann sie bis zu 7 cm erreichen. Viele Arten sind grün oder schwarz, es gibt aber auch braune, rote oder gemusterte Formen, die der Tarnung dienen. Sie besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge zum Saugen von Pflanzensäften und kräftige Hinterbeine zum Festhalten an Zweigen. Die Larven (Nymphen) durchlaufen mehrere Häutungen und hinterlassen oft die leeren Häute (Exuvien) an Baumrinden.
Stimme
Das auffälligste Merkmal vieler Zikaden ist die laute Gesangsleistung der Männchen. Der Ton entsteht durch das schnelle Ein- und Ausbeulen von sogenannten Tymbalplatten, die man auch Pauken nennt; der Körper wirkt dabei als Resonanzraum und verstärkt den Schall. Die Geräusche können je nach Art sehr unterschiedlich klingen und dienen vor allem dazu, Weibchen anzulocken oder Rivalen zu vertreiben. Manche Arten erreichen Schalldruckpegel bis zu rund 100–120 dB in unmittelbarer Nähe.
Lebenszyklus
Nach der Paarung ritzt das Weibchen mit dem spezialisierten Leger (oft als Eizellenleger bezeichnet) schmale Einschnitte in dünne Äste oder Zweige eines Baumes und legt dort seine Eier ab. Aus den geschlüpften Nymphen fallen die jungen Tiere zu Boden, graben sich ein und leben dort mehrere Jahre, indem sie mit ihren Mundwerkzeugen Wasser und Nährstoffe aus Pflanzenwurzeln saugen. Die Entwicklungszeit kann je nach Art von wenigen Jahren bis zu 13 oder 17 Jahren reichen (bei den periodischen Zikaden Nordamerikas). Nach der letzten Häutung steigen die ausgewachsenen Tiere heraus, leben oberirdisch nur noch einige Wochen bis wenige Monate, um sich zu paaren und den Kreislauf zu schließen.
Vorkommen und Arten
Zikaden kommen weltweit vor, vor allem in gemäßigten bis tropischen Klimazonen. Es sind mehrere tausend Arten bekannt (etwa 3.000–3.500 beschrieben). Manche Arten erscheinen jährlich, andere synchronisieren ihre Entwicklung über lange Zeiträume und treten periodisch in großer Zahl auf. Verschiedene Arten sind an unterschiedliche Lebensräume angepasst – von Wäldern über Buschland bis hin zu städtischen Baumreihen.
Beziehung zu Menschen
- Schaden: Zikaden beißen Menschen in der Regel nicht und sind für Menschen ungefährlich. In großer Zahl können sie jedoch junge Gehölze beim Legen der Eier schädigen (sogenannte „Flagging“-Schäden) und damit wirtschaftliche Schäden in Obstanbau oder Baumschulen verursachen.
- Lautstärke: In warmen Monaten sind die lauten Rufe vieler Arten für Menschen sehr auffällig und werden als Sommergeräusch wahrgenommen; sie gelten in vielen Kulturen als Symbol für Sommer und Hitze.
- Verzehr: Zikaden werden in einigen Regionen als Nahrungsmittel genutzt. So werden sie in Teilen Chinas, in Südostasien und auch in Mittelamerika traditionell gegessen.
- Ökologie: Zikaden sind Nahrungsquelle für Vögel, Säugetiere, Spinnen und Wespen und spielen eine Rolle im Nährstoffkreislauf, nicht zuletzt durch die vielen abgestorbenen Tiere nach großen Schlüpfen.
Insgesamt sind Zikaden eine vielfältige und auffällige Insektengruppe mit interessanten Lebensweisen und einer wichtigen ökologischen Rolle. Die Artenspezifik der Rufe macht sie zudem zu einem nützlichen Untersuchungsobjekt für Bioakustik und Populationsforschung.

