Luigi Pirandello – italienischer Dramatiker & Nobelpreisträger (1934)
Luigi Pirandello – italienischer Dramatiker & Nobelpreisträger 1934: Pionier des modernen Theaters, Autor zahlreicher Romane, Kurzgeschichten und wegweisender Bühnenstücke.
Luigi Pirandello (Agrigent 28. Juni 1867 - Rom 10. Dezember 1936) war ein italienischer Dramatiker, Romancier und Kurzgeschichtenschreiber. Für seine "mutige und brillante Erneuerung des Dramas und der Bühne" wurde er 1934 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Zu Pirandellos Werken gehören Romane, Hunderte von Kurzgeschichten und etwa 40 Theaterstücke, von denen einige auf Sizilianisch geschrieben sind. Pirandellos tragische Farcen werden oft als Vorläufer des Absurden Theaters gesehen.
Leben und Werdegang
Pirandello wurde 1867 in Agrigent auf Sizilien geboren. Er studierte an italienischen Universitäten und verbrachte Studienaufenthalte in Deutschland; seine wissenschaftliche Ausbildung und sein Interesse an Philologie prägten seinen literarischen Blick. Er arbeitete als Dozent und Journalist, wandte sich aber zunehmend der Belletristik und dem Theater zu. Persönliche Erfahrungen, darunter die schwierige Lebenssituation seiner Familie und die Erkrankung seiner Ehefrau, beeinflussten seine Themenschwerpunkte und sein oft pessimistisches Menschenbild.
Werk und thematische Schwerpunkte
Pirandellos Schreiben bewegt sich zwischen Roman, Novelle und Drama. In seinen Texten wiederholen sich zentrale Motive:
- Identität und Ich-Spaltung: Figuren suchen ihren Platz und stellen fest, dass sie mehrere "Gesichter" oder Identitäten haben.
- Schein versus Wirklichkeit: die Unterscheidung zwischen äußerer Rolle und innerer Wirklichkeit wird hinterfragt.
- Masken und Rollen: Menschen erscheinen als Darsteller, das Leben wird als Bühne verstanden.
- Metatheater: Stücke im Stück, Reflexionen über die Kunst des Theaters selbst (bekanntestes Beispiel: das Spiel "Theater im Theater").
- Tragische Farce: eine Mischung aus Ironie, Komik und existentiellem Ernst; viele Szenen wirken gleichzeitig komisch und beklemmend.
Sprache und Stil variieren: Neben hochsprachlichen Texten nutzte Pirandello regionale Idiome und sizilianische Elemente, um soziale Unterschiede und konkrete Charaktere zu zeichnen. Seine Kurzgeschichten zeigen oft psychologischen Tiefgang und Beobachtungsschärfe; die Sammlung Novelle per un anno (Kurzgeschichten für ein Jahr) ist dafür ein zentrales Zeugnis.
Bedeutende Werke (Auswahl)
- Il fu Mattia Pascal (1904) — häufig auf Deutsch als Der seltsame Fall des Mattia Pascal genannt; ein Roman über Identitätsverlust und Neubegründung des Selbst.
- Sei personaggi in cerca d'autore (1921) — Sechs Personen suchen einen Autor; das wohl berühmteste Bühnenwerk, das die Grenzen zwischen Realität und Theater radikal aufbricht.
- Enrico IV (1922) — Heinrich IV; ein Stück über Wahnsinn, Rollenspiel und gesellschaftliche Rollen.
- Così è (se vi pare) (1917) — So ist es (wenn es euch gefällt); behandelt Wahrnehmung und Wahrheit in einem bürgerlichen Milieu.
- Uno, nessuno e centomila (1926) — Einer, keiner und hunderttausend; ein Roman über die Zerbrechlichkeit der persönlichen Identität.
- I giganti della montagna (unvollendet, posthum veröffentlicht) — ein symbolisch-durchdrungenes Stück über die Krise des Theaters und die Schwierigkeit, Kunst in die Welt zu tragen.
Rezeption und Wirkung
Pirandello gilt als einer der einflussreichsten Dramatiker des frühen 20. Jahrhunderts. Sein radikales Spiel mit Identität und Wirklichkeit beeinflusste das moderne Theater und wurde von späteren Autoren des Absurden Theaters wie Samuel Beckett und Eugène Ionesco aufgenommen. Seine Stücke provozierten zur Aufführungszeit oft heftige Debatten, weil sie konventionelle Vorstellungen von Handlung, Figur und Moral infrage stellten.
International wurden viele seiner Werke übersetzt und auf Bühnen weltweit gespielt; außerdem gab es zahlreiche Verfilmungen und Neuinterpretationen. Der Nobelpreis 1934 festigte seine Stellung als bedeutender Erneuerer des dramatischen Genres.
Empfehlungen für den Einstieg
- Für das Theaterinteresse: Sechs Personen suchen einen Autor (liest sich eindrücklich als dramatisches Manifest).
- Für den Romanleser: Der seltsame Fall des Mattia Pascal (Lebensflucht und Identität klar dargestellt).
- Für kürzere Texte: Auszüge aus Novelle per un anno (vielfältige, prägnante Erzählungen).
Luigi Pirandello bleibt eine Schlüsselgestalt der europäischen Literatur: als Theoretiker und Praktiker des modernen Theaters hat er Formen aufgebrochen und Fragen aufgeworfen, die bis heute relevant sind.
Werke
- Una boccata d'aria (Ein Hauch von Luft)
- L'Esclusa (Die ausgeschlossene Frau)
- Il Turno (Die Wende)
- Il Fu Mattia Pascal (Der späte Mattia Pascal)
- Suo Marito (Ihr Ehemann)
- Die Alten und die Jungen
- Quaderni di Serafino Gubbio (Zeitschriften von Serafino Gubbio)
- Uno, Nessuno e Centomila (Einer, keiner und hunderttausend)
- Sei Personaggi in Cerca d'Autore (Sechs Personen auf der Suche nach einem Autor)
- Ciascuno a Suo Modo (jeder auf seine Weise)
- An diesem Abend spielen wir Thema (Heute Abend improvisieren wir)
- Enrico IV (Heinrich IV)
- L'Uomo dal Fiore in Bocca (Der Mann mit der Blume im Mund)
- Das Leben, das ich Ihnen geschenkt habe
- Il Gioco delle Parti (Die Spielregeln)
- Diana e La Tuda (Diana und Tuda)
- Das Vergnügen der Ehrlichkeit
- L'Imbecille (Der Schwachkopf)
- L'Uomo, La Bestia e La Virtù (Der Mensch, die Bestie und die Tugend)
- Vestire gli Ignudi (Bekleidung der Nackten)
- Così è (Se Vi Pare) (So ist es (wenn Sie so denken))
| · v · t · e Nobelpreisträgerfür Literatur | |
| 1901 – 1925 | Prudhomme (1901) - Mommsen (1902) - Bjørnson (1903) - F. Mistral / Echegaray (1904) - Sienkiewicz (1905) - Carducci (1906) - Kipling (1907) - Eucken (1908) - Lagerlöf (1909) - Heyse (1910) - Maeterlinck (1911) - Hauptmann (1912) - Tagore (1913) - Keine Auszeichnung (1914) - Rolland (1915) - Heidenstam (1916) - Gjellerup / Pontoppidan (1917) - Keine Auszeichnung (1918) - Spitteler (1919) - Hamsun (1920) - Frankreich (1921) - Benavente (1922) - Yeats (1923) - Reymont (1924) - Shaw (1925) |
| 1926 – 1950 | Deledda (1926) - Bergson (1927) - Undset (1928) - Mann (1929) - Lewis (1930) - Karlfeldt (1931) - Galsworthy (1932) - Bunin (1933) - Pirandello (1934) - Keine Auszeichnungen (1935) - O'Neill (1936) - Martin du Gard (1937) - Buck (1938) - Sillanpää (1939) - Keine Auszeichnungen (Zweiter Weltkrieg) - Jensen (1944) - G. Mistral (1945) - Hesse (1946) - Gide (1947) - Eliot (1948) - Faulkner (1949) - Russell (1950) |
| 1951 – 1975 | Lagerkvist (1951) - Mauriac (1952) - Churchill (1953) - Hemingway (1954) - Laxheit (1955) - Jiménez (1956) - Camus (1957) - Pasternak (1958) - Quasimodo (1959) - Perse (1960) - Andrić (1961) - Steinbeck (1962) - Seferis (1963) - Sartre (1964) - Scholochow (1965) - Agnon / Sachs (1966) - Asturien (1967) - Kawabata (1968) - Beckett (1969) - Solschenizyn (1970) - Neruda (1971) - Böll (1972) - White (1973) - Johnson / Martinson (1974) - Montale (1975) |
| 1976 – 2000 | Bellow (1976) - Aleixandre (1977) - Sänger (1978) - Elytis (1979) - Miłosz (1980) - Canetti (1981) - García Márquez (1982) - Golding (1983) - Seifert (1984) - Simon (1985) - Soyinka (1986) - Brodsky (1987) - Mahfouz (1988) - Cela (1989) - Paz (1990) - Gordimer (1991) - Walcott (1992) - Morrison (1993) - Ōe (1994) - Heaney (1995) - Szymborska (1996) - Fo (1997) - Saramago (1998) - Gras (1999) - Gao (2000) |
| 2001 - heute | Naipaul (2001) - Kertész (2002) - Coetzee (2003) - Jelinek (2004) - Pinter (2005) - Pamuk (2006) - Lessing (2007) - Le Clézio (2008) - Müller (2009) - Vargas Llosa (2010) - Tranströmer (2011) - Mo (2012) - Munro (2013) - Modiano (2014) - Alexievich (2015) - Dylan (2016) - Ishiguro (2017) - Keine formelle Auszeichnung Condé (Preis der neuen Akademie) (2018) - Tokarczuk (2018) - Handke (2019) |
Fragen und Antworten
F: Wer war Luigi Pirandello?
A: Luigi Pirandello war ein italienischer Dramatiker, Romanautor und Verfasser von Kurzgeschichten.
F: Wann und wo wurde er geboren?
A: Er wurde am 28. Juni 1867 in Agrigento, Italien, geboren.
F: Wofür hat er den Nobelpreis erhalten?
A: Er erhielt den Nobelpreis für Literatur im Jahr 1934 für seine "kühne und brillante Erneuerung des Dramas und der Bühne".
F: Wie viele Werke hat er geschaffen?
A: Er schuf Romane, Hunderte von Kurzgeschichten und etwa 40 Theaterstücke.
F: Wurden einige seiner Werke auf Sizilianisch geschrieben?
A: Ja, einige seiner Werke wurden auf Sizilianisch verfasst.
F: Wird Pirandellos Werk als Vorläufer des Absurden Theaters gesehen?
A: Ja, seine tragischen Farcen werden oft als Vorläufer des Absurden Theaters angesehen.
F: Wann ist Luigi Pirandello gestorben?
A: Er starb am 10. Dezember 1936 in Rom.
Suche in der Enzyklopädie