In diesem Artikel geht es um das Getränk, für die Pflanze siehe Yerba Mate.
Mate ist in einigen Ländern Südamerikas ein traditionelles Getränk, insbesondere in Argentinien, Paraguay, Uruguay, Chile und Brasilien. Das Getränk enthält Koffein (umgangssprachlich oft als „Matein“ bezeichnet) sowie weitere Xanthine wie Theobromin und Theophyllin und wird durch Aufguss von getrockneten Blättern der Yerba Mate (Ilex paraguariensis) hergestellt. Es wird gewöhnlich in geselliger Runde geteilt und traditionell in einem hohlen Kalebassenkürbis (auch Mate, Guampa oder in Brasilien cuia) mit einer "Bombilla", einem speziellen metallischen Trinkhalm, serviert. Der Trinkhalm wird auf Portugiesisch auch "bomba" und im Arabischen "bombija" genannt; traditionell waren Bombillas oft aus Silber gearbeitet.
Zubereitung – Schritt für Schritt
Die Grundzubereitung lässt sich in wenigen Schritten beschreiben:
- Becher vorbereiten: Neue Kalebassen werden oft zunächst ausgeräuchert oder mit heißem Wasser gespült, um Bitterstoffe zu reduzieren und Risse zu schließen.
- Yerba einfüllen: Etwa zwei Drittel des Gefäßes mit getrockneter, gehackter Yerba füllen. Es gibt grobe und sehr feine Mahlgrade; je nach Variante (z. B. chimarrão) variiert das.
- Bombilla platzieren: Den Becher leicht schräg halten, die Yerba auf eine Seite schütten, eine kleine Mulde schaffen, und die Bombilla in die freie Stelle einführen. Viele bereiten zuerst mit kaltem oder lauwarmem Wasser vor, damit die Yerba nicht verbrennt.
- Aufgießen: Heißes Wasser (idealerweise 70–80 °C, nicht kochend) an die Bombilla gießen, so dass die Yerba nicht komplett übergossen wird. Der erste Aufguss wird manchmal als sehr kräftig empfunden; beim traditionellen Teilen sorgt der Zubereiter (der cebador) für Nachschub.
Gefäß und Bombilla
Die Bombilla wirkt gleichzeitig als Sieb und Trinkhalm: Am in das Getränk gesteckten Ende befinden sich kleine Löcher oder Schlitze, die die Flüssigkeit durchlassen, aber die festen Partikel zurückhalten. Moderne Bombillas sind als gerade Röhrchen mit Löchern oder mit einer Federhülse konstruiert. Das Wort Bombilla bedeutet im Spanischen wörtlich "Glühbirne" (diminutiv), regional wird es oft einfach als "Stroh" oder "Pumpe" verstanden.
Tradition und Etikette beim Trinken
Mate ist mehr als ein Getränk: Es ist ein soziales Ritual. Üblicher Ablauf bei gemeinsamer Runde:
- Der cebador bereitet Mate zu und schenkt nacheinander aus. Die Bombilla bleibt im Gefäß, das herumgereicht wird.
- Man trinkt den gesamten Becher leer und gibt ihn ungewaschen zurück an den Cebador, der ihn wieder auffüllt und an den nächsten weiterreicht. Ein Becher wird normalerweise nicht geteilt, wenn eine andere Person bereits geniest oder unwohl ist.
- Gewöhnlich wird im Uhrzeigersinn weitergegeben; es gelten lokale Feinheiten der Höflichkeit, z. B. wer zuerst trinkt oder wie oft aufgefüllt wird.
Varianten und regionale Unterschiede
Es gibt zahlreiche lokale Varianten:
- Tereré: In Paraguay und Teilen Brasiliens beliebt; Mate wird mit kaltem Wasser oder Saft und Eis serviert—sehr erfrischend bei heißem Wetter.
- Chimarrão: In Südbrasilien verbreitet; die Yerba ist sehr fein gemahlen und der cuia wird meist kleiner gefüllt.
- Mate cocido: Mate als Teebeutelaufguss, in Argentinien weit verbreitet; wird aus einer Tasse getrunken und ist oft industriell verpackt (Handelsnamen wie "Cruz de Malta" oder in Brasilien "Mate Leão").
- Con palo / sin palo: „Con palo“ enthält auch Stängel (milderer Geschmack), „sin palo“ besteht fast nur aus Blattanteilen (kräftiger und bitterer).
- Saborisiert: Mate gibt es auch mit Aromen oder zugesetzten Kräutern (Zitrus, Pfefferminze, etc.).
Wirkung und Gesundheit
Yerba Mate liefert anregende Wirkstoffe wie Koffein und enthält außerdem Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe. Die stimulierende Wirkung kann Konzentration und Wachheit fördern, bei übermäßigem Konsum sind aber auch typische Koffein-Nebenwirkungen möglich (Unruhe, Herzklopfen, Schlafstörungen).
Wichtig: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC, Teil der WHO) stuft den Konsum sehr heißer Getränke (über etwa 65 °C) als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. Es gibt außerdem epidemiologische Hinweise darauf, dass sehr heiß getrunkener Mate mit einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs verbunden sein kann. Maßvoller Konsum und Abkühlenlassen des Aufgusses reduzieren dieses Risiko.
Herstellung, Sorten und Handel
Wie andere Kräuter werden die Yerba-Blätter geerntet, getrocknet, oft geröstet oder kurz geräuchert, gehackt und teilweise zu einem Pulver oder groben Granulat (yerba) verarbeitet. Handelsübliche Produkte unterscheiden sich im Rauchgrad, im Anteil von Blatt zu Stängel und in der Feinheit des Mahlguts. Industrielle Teebeutelversionen (Mate cocido) ermöglichen einfachen Konsum ohne traditionelle Ausstattung.
Verbreitung außerhalb Südamerikas
Mate wird nicht nur in Südamerika, sondern auch in anderen Teilen der Welt konsumiert. In einigen Gebieten des nahöstlichen Raums, besonders in Syrien und Libanon, ist Mate sehr populär: Der Brauch kam mit südamerikanischen Emigranten arabischer Herkunft zurück in ihre Herkunftsländer. Syrien gilt als einer der größten Importeure von Yerba Mate weltweit und importiert jährlich große Mengen (z. B. etwa 15.000 Tonnen).
Praktische Tipps
- Verwenden Sie kein kochendes Wasser (über ~85 °C vermeiden), um Bitterkeit zu reduzieren und das Geschmacksprofil zu bewahren.
- Für Einsteiger sind mate cocido oder mildere Sorten („con palo“) empfehlenswert.
- Wenn Sie eine Kalebasse neu nutzen, reinigen und aushärten Sie sie vorab; alternativ bieten sich Edelstahl- oder Keramik-Mates an, die leichter zu pflegen sind.
Mate verbindet kulinarische Vielfalt mit sozialer Tradition. Ob heiß oder als erfrischender tereré – das Getränk bleibt ein prägender Bestandteil der Alltagskultur in vielen Regionen Südamerikas und darüber hinaus.






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