Asthma (oder Asthma bronchiale) ist eine chronische Erkrankung, bei der die Atemwege innerhalb der Lunge dauerhaft entzündlich verändert sind. Typisch sind eine Schwellung des Gewebes in den Bronchien, ein Zusammenziehen der Muskelbänder um die Atemwege (Bronchokonstriktion) und eine vermehrte Schleimproduktion durch schleimbildende Zellen. Diese Veränderungen verengen die Atemwege, behindern den Luftfluss und machen das Atmen schwerer.

Bei einem akuten Asthmaanfall hört man häufig ein pfeifendes oder keuchendes Atemgeräusch, wenn Luft durch stark verengte Atemwege strömt. Betroffene leiden auch unter Kurzatmigkeit (das tiefe Einatmen fällt schwer), einem Engegefühl in der Brust und häufigem Husten, besonders nachts oder in den frühen Morgenstunden. Die Symptome können in ihrer Stärke schwanken: Phasen mit wenigen oder keinen Beschwerden wechseln mit Phasen verstärkter Symptome.

Asthmaanfälle können ein medizinischer Notfall sein und in Einzelfällen lebensbedrohlich (tödlich) enden. Es gibt derzeit keine vollständige Heilung, aber moderne Behandlungsstrategien können Asthma bei den meisten Menschen gut kontrollieren. Medikamente, individuell abgestimmte Verhaltensregeln und Umweltschutzmaßnahmen helfen, Anfälle zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Es gibt viele bekannte Risikofaktoren für Asthma. Die genauen Ursachen sind komplex und nicht vollständig geklärt. Ein Teil der Erklärung liegt in der Vererbung: bestimmte Gene und genetische Mutationen erhöhen die Anfälligkeit. Auch epigenetische Veränderungen — also Änderungen in der Aktivität eines Gens, ohne die DNA-Sequenz zu verändern — können die Erkrankungswahrscheinlichkeit beeinflussen. Solche epigenetischen Veränderungen können bereits im Mutterleib oder in der frühen Kindheit entstehen und sich auf spätere Asthmarisiken auswirken.

Auch soziale und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Der sozioökonomische Status (SES) beeinflusst, wie häufig Asthma auftritt, wie schwer die Krankheit verläuft und wie gut sie behandelt wird. Faktoren wie Wohnsituation, Zugang zu sauberer Luft, Qualität der medizinischen Versorgung, Bildung und Ernährung sind wichtig. Rasse und ethnische Zugehörigkeit können mit unterschiedlichen Risiken und Versorgungssituationen einhergehen, was teils soziale, teils biologische Ursachen haben kann. Menschen mit niedrigerem SES erleiden häufiger schwere Verläufe und haben höhere asthmabedingte Sterberaten.

Häufige Auslöser (Trigger)

  • Allergene: Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze
  • Infektionen der Atemwege (z. B. Erkältungen)
  • Rauch (aktives Rauchen, Passivrauchen)
  • Luftverschmutzung und starke Gerüche
  • Kälte, körperliche Anstrengung (Belastungsasthma)
  • Medikamente (z. B. einige Schmerzmittel) und chemische Reizstoffe am Arbeitsplatz
  • Starker Stress oder emotionale Belastung

Diagnose

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte (typische Symptome, zeitlicher Verlauf), körperlicher Untersuchung und Lungenfunktionsprüfungen. Wichtige Tests sind:

  • Spiroergometrie und Messung der Ein- und Ausatemvolumina (z. B. FEV1)
  • Broncholysetest (Verbesserung der Lungenfunktion nach einem Bronchodilatator)
  • Peak-Flow-Messung zur Selbstüberwachung zu Hause
  • Allergietests (Hauttest oder Bluttest) bei Verdacht auf allergisch bedingtes Asthma

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist, Symptome zu lindern, Anfälle zu verhindern und normale Aktivität zu ermöglichen. Die Therapie besteht meist aus zwei Komponenten:

  • Bedarfsmedikation (Reliever): schnelle Bronchien erweiternde Inhalationssprays (kurzwirksame Beta-2-Agonisten) zur schnellen Linderung bei Anfällen.
  • Langzeit- oder Erhaltungsmedikation (Controller): entzündungshemmende Medikamente (häufig inhalative Kortikosteroide) und langwirksame Bronchodilatatoren oder andere Wirkstoffe zur Vorbeugung von Entzündung und Anfällen.

Weitere Maßnahmen: Allergenkarenz (wenn möglich), Rauchstopp, Impfungen gegen Influenza und gegebenenfalls Pneumokokken, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Behandlung begleitender Erkrankungen (z. B. Rhinitis, gastroösophagealer Reflux).

Wichtig ist die korrekte Anwendung von Inhalationsgeräten. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von einem Spacer (Aerosolaufsatz), Schulungen und einem schriftlichen Asthma-Notfall- bzw. Behandlungsplan, der erklärt, welche Medikamente wann und in welcher Dosierung zu nehmen sind und wann ärztliche Hilfe nötig ist.

Notfallmaßnahmen bei schwerem Anfall

Bei schweren Symptomen — starke Atemnot, blasse oder bläuliche Haut, schnelle Verschlechterung trotz Inhalation, Unfähigkeit zu sprechen — handelt es sich möglicherweise um einen medizinischen Notfall. Sofortige Maßnahmen:

  • Ruhig bleiben, aufrechte Sitzposition (nicht flach hinlegen)
  • Bedarfsinhalator sofort verwenden (nach persönlichem Notfallplan)
  • Bei anhaltender oder zunehmender Verschlechterung sofort den Rettungsdienst alarmieren

Vorbeugung und Alltag mit Asthma

  • Identifizieren und meiden von individuellen Auslösern
  • Regelmäßige Kontrolle durch Ärztin/Arzt und Anpassung der Medikation
  • Schulung in Inhalationstechnik und Nutzung eines Peak-Flow-Meters zur Selbstkontrolle
  • Impfungen (z. B. jährliche Grippeimpfung) zur Vermeidung von Atemwegsinfekten
  • Rauchfreiheit in Haushalt und Umgebung

Besonderheiten bei Kindern und Erwachsenen

Asthma beginnt häufig im Kindesalter, kann aber in jedem Lebensalter auftreten. Kinder haben oft Husten oder pfeifende Atmung bei Infekten; bei manchen Kindern klingen die Beschwerden mit dem Älterwerden ab, bei anderen persistiert das Asthma. Erwachsene können zusätzlich durch berufliche Expositionen oder neue Allergene betroffen sein. Die Therapie wird altersgerecht angepasst.

Überwachung und Komorbiditäten

Regelmäßige ärztliche Kontrollen messen Lungenfunktion, Symptomhäufigkeit und Medikamentenbedarf. Häufige Begleiterkrankungen sind allergische Rhinitis, Nasenpolypen, gastroösophagealer Reflux und Übergewicht — deren Behandlung kann das Asthma verbessern.

Zusammenfassend: Asthma ist eine behandelbare, meist chronische Erkrankung der Atemwege. Mit richtiger Therapie, Vermeidung von Auslösern, Schulung und regelmäßiger Kontrolle lässt sich die Erkrankung oft gut unter Kontrolle halten, sodass normale Alltagsaktivitäten möglich sind.