DNA, kurz für Desoxyribonukleinsäure, ist das Molekül, das den genetischen Code von Organismen enthält. Dazu gehören Tiere, Pflanzen, Protisten, Archaeen und Bakterien.

Die DNA befindet sich in jeder Zelle des Organismus und sagt den Zellen, welche Proteine sie herstellen sollen. Meistens sind diese Proteine Enzyme. Die DNA wird den Kindern von ihren Eltern vererbt. Aus diesem Grund teilen Kinder Eigenschaften mit ihren Eltern, wie Haut-, Haar- und Augenfarbe. Die DNA in einer Person ist eine Kombination der DNA von jedem ihrer Eltern.

Ein Teil der DNA eines Organismus sind "nicht-kodierende DNA"-Sequenzen. Sie kodieren nicht für Proteinsequenzen. Einige nicht-kodierende DNA wird in nicht-kodierende RNA-Moleküle transkribiert, wie z.B. Transfer-RNA, ribosomale RNA und regulatorische RNAs. Andere Sequenzen werden überhaupt nicht transkribiert oder führen zu RNA mit unbekannter Funktion. Die Menge an nicht-kodierender DNA variiert stark von Spezies zu Spezies. Zum Beispiel sind über 98% des menschlichen Genoms nicht-kodierende DNA, während nur etwa 2% eines typischen bakteriellen Genoms nicht-kodierende DNA ist.

Viren verwenden entweder DNA oder RNA, um Organismen zu infizieren. Die Genomreplikation der meisten DNA-Viren findet im Zellkern statt, während sich RNA-Viren gewöhnlich im Zytoplasma replizieren.

Aufbau der DNA

DNA ist ein langes Polymer aus wiederholenden Bausteinen, den Nukleotiden. Jedes Nukleotid besteht aus drei Teilen: einem Phosphatrest, einem Zucker (Desoxyribose) und einer stickstoffhaltigen Base. Es gibt vier Basen in der DNA: Adenin (A), Thymin (T), Cytosin (C) und Guanin (G). Zwei DNA-Stränge laufen antiparallel und bilden zusammen die bekannte Doppelhelix. Die beiden Stränge werden durch Wasserstoffbrücken zwischen den Basen zusammengehalten: A paart mit T über zwei Wasserstoffbrücken, C paart mit G über drei Wasserstoffbrücken.

In eukaryotischen Zellen ist DNA linear organisiert und eng mit Proteinen (Histonen) zu Chromatin und Chromosomen verpackt. Diese Verpackung reguliert den Zugang von Enzymen zur DNA. Prokaryoten haben meist zirkuläre DNA-Moleküle und können zusätzliche zirkuläre Plasmide tragen, die Gene für Antibiotikaresistenz oder Stoffwechselwege enthalten. Außerdem besitzen viele Zellen organell-spezifische Genome, z.B. mitochondriale DNA bei Tieren und mitochondriale sowie chloroplastäre DNA bei Pflanzen.

Funktion der DNA

Die Hauptfunktion der DNA ist die Speicherung und Übertragung von biologischer Information. Gene sind Abschnitte der DNA, die Informationen für die Herstellung von RNA und meist für Proteine enthalten. Diese Proteine übernehmen strukturelle Aufgaben, wirken als Enzyme oder regulieren zelluläre Prozesse. Neben codierenden Genen enthält das Genom zahlreiche regulatorische Sequenzen (Promotoren, Enhancer), strukturelle Elemente (z.B. Telomere) und repetitive Abschnitte.

Replikation, Transkription und Translation

Vor jeder Zellteilung muss die DNA vervielfältigt werden. Die Replikation ist semikonservativ: jeder Tochterstrang erhält einen alten und einen neu synthetisierten Strang. DNA-Polymerasen fügen Nukleotide am 3'-Ende hinzu; die Synthese erfolgt kontinuierlich am Leitstrang und stapelweise als kurze Okazaki-Fragmente am Folgestrang.

Bei der Transkription wird ein Gen in eine RNA-Kopie (mRNA) abgeschrieben. In Eukaryoten wird die prä-mRNA oft prozessiert: Spleißen (Entfernen von Introns), Anfügen einer 5'-Kappe und eines 3'-Poly(A)-Schwanzes. Die mRNA wird dann im Zytoplasma von Ribosomen in Aminosäureketten übersetzt – der Prozess heißt Translation. Drei Basen (Codon) der mRNA codieren für eine Aminosäure; dieses System bildet den genetischen Code.

Nicht-kodierende DNA und Genregulation

Nicht-kodierende DNA umfasst viele funktionelle Elemente: Promotoren, Enhancer, Silencer, Insulatoren sowie Gene für nicht-kodierende RNAs (z. B. microRNAs, long non-coding RNAs). Außerdem gehören repetitive Elemente und Transposons dazu, die das Genom dynamisch verändern können. Nicht-kodierende Regionen spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation der Genaktivität, der Chromatinstruktur und der evolutionären Anpassung.

Mutationen, Reparatur und epigenetische Regulation

Mutationen sind Veränderungen in der DNA-Sequenz. Sie können spontan auftreten oder durch Umwelteinflüsse (Strahlung, Chemikalien) verursacht werden. Typen von Mutationen sind Basenaustausch (punktuelle Mutationen), Einfügungen, Deletionen und größere strukturelle Veränderungen. Folgen reichen von neutral über schädlich bis zu vorteilhaft. Zellen besitzen Reparatursysteme (z. B. Basenexzisionsreparatur, Nukleotidexzisionsreparatur), die Fehler erkennen und beheben.

Epigenetische Modifikationen (z. B. DNA-Methylierung, Histonmodifikationen) verändern die Genexpression, ohne die DNA-Sequenz zu verändern. Manche epigenetische Zustände können über Zellteilungen hinweg stabil bleiben und damit phänotypische Effekte beeinflussen.

Vererbung und genetische Variation

Vererbung beruht auf der Übertragung von DNA durch Gameten (Eizelle, Spermium). Während der Meiose werden Chromosomen neu assortiert und durch Crossing-over rekombiniert, was genetische Vielfalt schafft. Klassische Muster der Vererbung (Mendel) beschreiben dominante und rezessive Merkmale; daneben gibt es komplexe Vererbungsformen wie polygenetische Traits, unvollständige Dominanz, Kodominanz und mitochondriale Vererbung (maternal).

Genetische Variation entsteht durch Mutationen, Rekombination und Genfluss zwischen Populationen. Diese Variation ist die Grundlage der Evolution und beeinflusst Anfälligkeiten für Krankheiten sowie Merkmale wie Hautfarbe oder Körpergröße.

Unterschiede zwischen Organismen und Viren

Die Menge und Organisation der DNA variiert stark: Bakterielle Genome sind meist kompakt und überwiegend kodierend, während eukaryotische Genome oft viel nicht-kodierende DNA enthalten. Viren können entweder DNA oder RNA als genetisches Material verwenden; einige Viren tragen ihr Genom als doppelsträngige DNA, andere als einzelsträngige RNA. Wie bereits erwähnt, replizieren sich viele DNA-Viren im Zellkern, RNA-Viren hingegen häufig im Zytoplasma. Retroviren nutzen Reverse Transkriptase, um RNA in DNA umzuschreiben und dieses in das Wirtsgenom zu integrieren.

Praktische Anwendungen

  • Diagnostik: Gentests, prädiktive Tests, Tumorgenetik und Infektionsdiagnostik.
  • Forensik: DNA-Profiling zur Identifikation von Personen.
  • Biotechnologie: Gentechnik, rekombinante Proteine, Impfstoffentwicklung, CRISPR/Cas-Genomeditierung.
  • Medizin: Gentherapie, personalisierte Medizin auf Basis genetischer Varianten.
  • Forschung: Sequenzierung ganzer Genome (z. B. Human Genome Project) liefert Einblicke in Evolution, Krankheit und Biodiversität.

Zusammenfassung

DNA ist das zentrale Informationsmolekül des Lebens. Ihre Struktur, Organisation und dynamische Nutzung ermöglichen die Speicherung, Weitergabe und Umsetzung genetischer Information in Form von Proteinen und regulativen Molekülen. Unterschiede in der DNA erklären die Vielfalt des Lebens, bestimmen Krankheitsrisiken und bieten zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in Wissenschaft, Medizin und Technik.