Die Republik China (traditionelles Chinesisch: 中華民國; vereinfachtes Chinesisch: 中华民国; Pinyin: Zhonghua Minguo), auch bekannt als Republik China (Taiwan), ist ein demokratischer Inselstaat in Ostasien. Er wird oft als Taiwan bezeichnet. Die Volksrepublik China (VR China) liegt im Nordwesten; Japan liegt im Nordosten; die Philippinen liegen im Süden. Die chinesischen Nationalisten verloren 1949 den chinesischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten und verlegten die Regierung der Republik China von Nanjing nach Taipeh. Historisch beanspruchte die Regierung in Taipeh weiterhin die Souveränität über ganz China; politisch und administrativ hat sich ihr Handeln seit den 1990er Jahren jedoch deutlich auf die Verwaltung und Entwicklung von Taiwan und den zugehörigen Inseln konzentriert.
Geschichte
Vor der Ankunft großer Gruppen von Han-Chinesen lebten auf Taiwan verschiedene indigene Völker, die zu den austronesischen Sprachfamilien gehören. Taiwan kam im 17. bis 19. Jahrhundert unter wechselnden ausländischen Einflüssen; im 19. Jahrhundert wurde die Insel von der Qing-Dynastie verwaltet. Nach dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg wurde Taiwan 1895 an Japan abgetreten und blieb bis 1945 unter japanischer Kolonialherrschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Republik China (ROC) die Verwaltung der Insel.
Nach dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949 zogen sich die Kräfte der Kuomintang (KMT) aufs Festland zurück oder nach Taiwan; die ROC-Regierung etablierte sich dort mit Taipeh als Regierungssitz. In der Folgezeit herrschte auf Taiwan lange Zeit ein autoritäres System mit dem Ausnahmezustand des Kriegsrechts (Martial Law), der erst 1987 aufgehoben wurde. In den 1980er und 1990er Jahren vollzog Taiwan einen Übergang zur Demokratie: Parteienverbot wurde aufgehoben, freie Wahlen eingeführt und 1996 fand die erste direkte Präsidentschaftswahl statt.
Geografie und Klima
Die Republik China umfasst die Hauptinsel Taiwan und mehrere kleine Inselgruppen wie die Penghu-Inseln, Kinmen und Matsu. Die Fläche der Hauptinsel beträgt etwa 36.000 km². Das Gelände ist gebirgig im Osten, mit dem höchsten Berg, dem Jadeberg (Yushan), und eher flachen Ebenen im Westen, wo sich die meisten Städte und landwirtschaftlichen Flächen befinden. Taiwan hat ein subtropisches bis tropisches Klima mit ausgeprägten Jahreszeiten, Monsunen und gelegentlichen Taifunen.
Bevölkerung und Sprache
Die Bevölkerung beträgt rund 23–24 Millionen Menschen. Die Mehrheit gehört ethnisch zu den Han-Chinesen; etwa 2–3 % der Bevölkerung sind Angehörige der indigenen Völker Taiwans. Die Amtssprache ist Standard-Mandarin (auch Hochchinesisch genannt). Daneben werden regional weit verbreitet Taiwanesisches Hokkien (auch Minnanyu), Hakka und mehrere indigene Sprachen gesprochen. Religiöse Praxis ist vielfältig und umfasst Buddhismus, Daoismus, Volksreligionen und Christentum.
Politik und Verwaltung
Die Republik China ist eine parlamentarisch-präsidiale Demokratie mit einem direkt gewählten Präsidenten als Staatsoberhaupt und einem Premierminister als Regierungschef. Das Parlament heißt Legislative Yuan. Das politische System ist pluralistisch; die größten Parteien sind traditionell die Kuomintang (KMT) und die Demokratische Fortschrittspartei (DPP). Administrativ ist Taiwan in mehrere Gemeinden, Städte und Sondermunicipalitäten (z. B. Taipeh, Kaohsiung, Taichung) unterteilt.
Wirtschaft
Taiwan hat eine hoch entwickelte, exportorientierte Marktwirtschaft und zählt zu den „asiatischen Tigerstaaten“. Wichtige Wirtschaftszweige sind die Elektronik- und Halbleiterindustrie (mit global bedeutenden Unternehmen wie Halbleiterherstellern), Maschinenbau, Petrochemie und Dienstleistungen. Der Außenhandel ist ein zentraler Motor der Wirtschaft; wichtige Handelspartner sind unter anderem die Volksrepublik China, die USA, Japan und Staaten Südostasiens. Die Währung ist der New Taiwan Dollar (TWD).
Internationaler Status und Außenbeziehungen
Der völkerrechtliche Status Taiwans ist international umstritten. Die Volksrepublik China (VR China) betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und fordert die Wiedervereinigung unter ihrer Souveränität; viele Staaten erkennen aus politischen Gründen mittlerweile die VR China als einzige China-Regierung an. Taiwan unterhält daher nur eine begrenzte Zahl formeller diplomatischer Beziehungen, pflegt aber zahlreiche wirtschaftliche und kulturelle Kontakte weltweit. In internationalen Organisationen nimmt Taiwan oft unter Bezeichnungen wie „Chinese Taipei“ teil.
Kultur und Gesellschaft
Die taiwanesische Kultur ist ein Mosaik aus chinesischen Traditionen, japanischem Einfluss (aus der Kolonialzeit), indigenen Bräuchen und modernen westlichen Einflüssen. Kulinarik, Feste wie das Mondfest oder das Laternenfest, sowie lebendige Popkultur gehören zum Alltag. Bildung ist stark ausgeprägt; die Gesellschaft legt großen Wert auf Bildung und technologische Entwicklung.
Infrastruktur und Verkehr
Taiwan verfügt über gut ausgebaute Verkehrssysteme: ein dichtes Straßennetz, moderne Hochgeschwindigkeits- und Regionalzugverbindungen (darunter die Taiwan High Speed Rail an der Westküste), internationale Flughäfen (u. a. Taoyuan bei Taipeh) sowie wichtige Häfen. Energie- und Kommunikationsinfrastruktur sind weitgehend modernisiert, wobei Energieversorgung und Umweltfragen zu den politischen Debatten gehören.
Zusammenfassung: Die Republik China (Taiwan) ist ein wirtschaftlich starkes, demokratisches Inselgebiet mit einer wechselvollen Geschichte und einer komplexen internationalen Lage. Innenpolitisch geprägt von Demokratisierungsprozessen und technologischer Modernisierung, bleibt die Lage im Verhältnis zur Volksrepublik China ein zentrales außenpolitisches Thema.
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