Der einundzwanzigste Zusatzartikel (Amendment XXI) zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der am 5. Dezember 1933 für gültig erklärt wurde, hob den achtzehnten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten auf und beendete die Ära der Prohibition in den Vereinigten Staaten. Es ist der einzige Zusatzartikel, der einen anderen Zusatzartikel aufhebt. Es ist auch die einzige Änderung, die nicht von den gesetzgebenden Körperschaften der Bundesstaaten, sondern von den ratifizierenden Konventionen der Bundesstaaten ratifiziert wurde.
Hintergrund
Der Achtzehnte Zusatzartikel von 1919 hatte die Herstellung, den Verkauf und den Transport von alkoholischen Getränken auf Bundesebene verboten; das Verbot trat 1920 in Kraft. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass die Prohibition schwer durchsetzbar war und zahlreiche unbeabsichtigte Folgen hatte, darunter ein starker Anstieg der organisierten Kriminalität, weitverbreiteter illegaler Alkoholhandel (Speakeasies) und hohe Kosten für die Strafverfolgung. Die wirtschaftlichen Probleme der Großen Depression verstärkten die Stimmen für eine Aufhebung des Verbots. Politische Kampagnen und Organisationen, etwa die Association Against the Prohibition Amendment, sowie der Wahlkampf von Franklin D. Roosevelt trugen zur Unterstützung der Aufhebung bei.
Inhalt des Zusatzartikels
Der Einundzwanzigste Zusatzartikel besteht aus drei Abschnitten, die sich kurz zusammenfassen lassen:
- Abschnitt 1: Hebt den Achtzehnten Zusatzartikel auf — damit endet das bundesweite Herstellungs- und Verkaufsverbot für Alkohol.
- Abschnitt 2: Legt fest, dass der Transport oder die Einfuhr alkoholischer Getränke in einen Bundesstaat, ein Territorium oder Besitzungen der Vereinigten Staaten zum Zweck der Zustellung oder des Verbrauchs, in Verletzung der dortigen Gesetze, verboten ist. Dies überträgt den einzelnen Bundesstaaten weitreichende Kompetenz, den Alkoholhandel im eigenen Hoheitsgebiet zu regeln.
- Abschnitt 3: Bestimmt die Form der Ratifikation: der Zusatzartikel wird durch Ratifikationskonventionen der Bundesstaaten wirksam — ein Verfahren, das gewählt wurde, weil es politisch als der erfolgversprechendste Weg zur Aufhebung angesehen wurde.
Folgen und Bedeutung
Die Aufhebung der Prohibition bedeutete nicht das Ende jeglicher staatlicher Beschränkungen. Vielmehr übertrug der einundzwanzigste Zusatzartikel die Hauptverantwortung für die Regulierung des Verkehrs und Verkaufs von Alkohol auf die Bundesstaaten und damit auch auf die Kommunen. Als Folge bildeten sich unterschiedliche Regelungen heraus:
- Einige Bundesstaaten gingen zu strengeren Kontrollen über oder behielten Teilverbote bei; andere erlaubten und regulierten den Verkauf liberaler.
- Es entstanden so genannte „control states“, in denen staatliche Behörden die Herstellung oder den Großhandel mit Alkohol kontrollieren, während „license states“ den Handel über private Lizenzsysteme regulieren.
- In vielen Regionen blieben einzelne Countys oder Städte trotz der Aufhebung auf Landesebene noch lange „dry“ (ohne legalen Verkauf alkoholischer Getränke); lokale Trockenlegungen gab es teils bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und in Einzelfällen sogar bis ins 21. Jahrhundert.
Rechtliche Auswirkungen und spätere Entscheidungen
Abschnitt 2 des Einundzwanzigsten Zusatzartikels wurde oft als Rechtfertigung für weitreichende staatliche Regelungen herangezogen. Allerdings ist diese staatliche Befugnis nicht unbegrenzt. Das Bundesverfassungsrecht der USA (insbesondere die Regelungen zur Wirtschaftsfreiheit und der Commerce Clause) setzt dem Handeln der Bundesstaaten Grenzen.
Ein markantes Beispiel ist die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA in Granholm v. Heald (2005). Der Gerichtshof entschied, dass staatliche Regelungen, die die Einfuhren von Wein aus anderen Bundesstaaten diskriminieren, gegen die Commerce Clause verstoßen, obwohl die Staaten sich auf den Einundzwanzigsten Zusatzartikel beriefen. Das Urteil stellte klar, dass der Zusatzartikel den Staaten nicht das Recht gibt, protektionistische Maßnahmen gegen Waren aus anderen Bundesstaaten zu ergreifen.
Zusammenfassung
Der einundzwanzigste Zusatzartikel von 1933 beendete die bundesweite Prohibition, indem er den Achtzehnten Zusatzartikel aufhob. Er ist einzigartig in der US-Verfassung sowohl deshalb, weil er erstmals einen früheren Zusatzartikel aufhob, als auch wegen des ungewöhnlichen Ratifikationswegs über Staatskonventionen. Die Aufhebung führte zu einer Dezentralisierung der Alkoholpolitik: die Bundesstaaten erhielten weitreichende Befugnisse zur Regulierung, mussten diese aber im Rahmen der sonstigen verfassungsrechtlichen Vorgaben ausüben.