Der am 17. Januar 1919 ratifizierte und ein Jahr später in Kraft getretene Achtzehnte Zusatzartikel (Amendment XVIII) der Verfassung der Vereinigten Staaten verbot die Herstellung, den Transport und den Verkauf von alkoholischen Getränken in den Vereinigten Staaten. Das Volstead-Gesetz wurde vom Kongress verabschiedet, um den Achtzehnten Zusatzartikel durchzusetzen. Es verbot jedoch nicht den Konsum von Alkohol. Damit begann die Periode in der amerikanischen Geschichte, die als die Ära der Prohibition bezeichnet wird. Dies war eine Zeit des massenhaften zivilen Ungehorsams gegenüber dem Gesetz. Diejenigen, die sich die höheren Preise für geschmuggelten Schnaps leisten konnten, gingen in illegale Bars, die Speakeasies genannt wurden. Die Menschen der Arbeiterklasse neigten dazu, zu Hause Schwarzgebranntes und so genannten Badewannen-Gin zu trinken. Der Achtzehnte Verfassungszusatz erwies sich als großer Misserfolg. Die Amerikaner fingen an, mehr zu trinken als zuvor, und die Kriminalität nahm dadurch erheblich zu. Der Achtzehnte Verfassungszusatz wurde später durch den Einundzwanzigsten Verfassungszusatz aufgehoben. Er ist nach wie vor der einzige Änderungsantrag, der durch eine weitere Verfassungsänderung aufgehoben wurde.
Ursachen und politischer Hintergrund
Die Prohibition war das Ergebnis jahrzehntelanger Temperenz- und Reformbewegungen, insbesondere der Arbeit von Organisationen wie der Woman's Christian Temperance Union und der Anti-Saloon League. Diese Gruppen verbanden soziale, religiöse und gesundheitliche Argumente gegen Alkohol mit politischem Druck auf lokale und bundesstaatliche Ebenen. Hinzu kamen Faktoren der Zeit um den Ersten Weltkrieg: der Wunsch, Getreide für die Lebensmittelproduktion zu sparen, und antideutsche Stimmung gegen Brauereien mit deutschen Wurzeln stärkten die Unterstützung für ein nationales Verbot.
Das Volstead-Gesetz und seine Ausnahmen
Das Volstead-Gesetz (formell National Prohibition Act) regelte die Durchsetzung des Achtzehnten Zusatzartikels. Es definierte „intoxicating beverages“ und legte fest, welche Handlungen strafbar waren. Wichtige Ausnahmen wurden jedoch beibehalten oder eingeräumt:
- Medizinische Nutzung: Ärzte konnten in begrenztem Umfang Alkohol verschreiben.
- Sakramentaler Gebrauch: Religiöse Handlungen, z. B. Wein für die Kommunion, blieben erlaubt.
- Industrielle und technische Verwendung: Ethanol für industrielle Zwecke konnte zugelassen oder denaturiert werden.
Die praktische Durchsetzung lag beim Bureau of Prohibition (später Teil des Treasury Department), das mit Personal-, Finanz- und Korruptionsproblemen zu kämpfen hatte.
Umgehungen, Schmuggel und organisierte Kriminalität
Trotz des Verbots entstanden umfangreiche illegale Netzwerke. Bootlegger brachten Alkohol aus Kanada, der Karibik und ausländischen Schiffen ins Land („rum-running“). Inländisch florierte die Herstellung von Fuselalkohol und „moonshine“. In Städten entstanden private Bars („speakeasies“), die oft durch Bestechung von Beamten ermöglicht wurden. Aus dieser Konstellation gingen mächtige kriminelle Organisationen hervor; berüchtigte Figuren wie Al Capone in Chicago verdienten enorme Summen durch Schmuggel und Schutzgelderpressung.
Gesellschaftliche und gesundheitliche Folgen
Die Auswirkungen der Prohibition sind komplex und werden von Historikern unterschiedlich bewertet. Einige Effekte waren:
- Kriminalität und Korruption: Organisiertes Verbrechen und die Korruption von Polizei und Politik nahmen zu.
- Verbrauchsverhalten: Der offene Alkoholverkauf sank, aber heimliche Produktion und Schmuggel kompensierten teilweise. Langfristige Messungen zeigen, dass der Alkoholkonsum zwar zunächst zurückging, später aber wieder zunahm.
- Gesundheit: Einige Alkohol-bedingte Krankheiten und Todesfälle gingen zurück, gleichzeitig sorgten schlecht hergestellte Spirituosen für Vergiftungen und Todesfälle.
- Wirtschaft: Steuereinnahmen aus Alkohol entfielen, während große Summen für Durchsetzung und Strafverfolgung ausgegeben wurden.
Widerstand und Aufhebung
Die Unbeliebtheit der Prohibition wuchs in den 1920er und frühen 1930er Jahren. Die wirtschaftliche Krise der Great Depression verstärkte den Ruf nach einer Wiederzulassung des legalen Alkohols, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf neue Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Politisch gewann die Bewegung zur Aufhebung an Boden; schließlich wurde der Einundzwanzigste Verfassungszusatz verabschiedet und am 5. Dezember 1933 ratifiziert, womit der Achtzehnte Zusatzartikel aufgehoben wurde. Der 21. Zusatzartikel ist insofern ungewöhnlich, als er die Verfassungsänderung durch staatliche Ratifikationskonvente ermöglichte und damit die einzige Verfassungsbestimmung blieb, die durch eine spätere Änderung vollständig aufgehoben wurde.
Langfristiges Vermächtnis
Die Prohibition hat die Beziehung zwischen Bund, Staaten und Kommunen im Bereich der Alkoholregulierung nachhaltig geprägt. Nach 1933 wurde die Regulierung weitgehend an die einzelnen Bundesstaaten und Gemeinden zurückgegeben; bis heute existieren in einigen US-Counties noch sogenannte „dry counties“, in denen der Verkauf von Alkohol eingeschränkt oder verboten ist. Kulturell hinterließ die Epoche einen bleibenden Eindruck in Musik, Literatur und Film und beeinflusste die öffentliche Debatte über Regulierung, Moralpolitik und die unbeabsichtigten Folgen gesetzlicher Verbote.
Anmerkung: Zeitliche Daten und einzelne Bewertungen der Prohibition können je nach Quelle leicht variieren; das oben Gesagte fasst den aktuellen Forschungsstand und die allgemein akzeptierten Eckdaten zusammen.