Daniel Carleton Gajdusek (9. September 1923 - 12. Dezember 2008) war ein amerikanischer Arzt und medizinischer Forscher. Er und Baruch S. Blumberg erhielten 1976 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Sie erhielten den Nobelpreis für ihre Arbeit an Kuru. Kuru ist die erste menschliche Prionenerkrankung, die nachweislich infektiös ist.

Leben und wissenschaftlicher Werdegang

Gajdusek wurde 1923 in den USA geboren und widmete einen großen Teil seiner Laufbahn der Erforschung seltener neurologischer Erkrankungen. Er arbeitete viele Jahre am National Institutes of Health (NIH) und führte interdisziplinäre Feldforschung durch, insbesondere in Papua-Neuguinea. Dort untersuchte er gemeinsam mit Anthropologen die klinischen, epidemiologischen und kulturellen Hintergründe der bei den Fore vorkommenden Krankheit Kuru.

Forschung zu Kuru und den „langsamen“ Infektionskrankheiten

Kernergebnis seiner Arbeit war der experimentelle Nachweis, dass Kuru übertragbar ist: Gajdusek zeigte, dass Gehirn- und Nervengewebe von Erkrankten die Krankheit auf Primaten übertragen können. Diese Experimente belegen, dass Kuru eine infektiöse Ursache hat und erlaubten die Charakterisierung der langen Inkubationszeiten und der typischen neuropathologischen Veränderungen (spongiforme Degeneration).

Gajdusek verband diese biologischen Befunde mit der ethnografischen Untersuchung der Fore: Er konnte die Übertragung des Erregers durch rituellen Kannibalismus erklären, bei dem Verstorbene von Angehörigen verzehrt wurden. Die Kombination aus Feldbeobachtung und Laborübertragung trug wesentlich zum Verständnis von Erkrankungen bei, die sich langsam entwickeln und über lange Zeit klinisch stumm bleiben können.

Auswirkungen auf die Medizin

Die Studien zu Kuru leisteten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung verwandter Erkrankungen wie der Creutzfeldt‑Jakob‑Krankheit und später der bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE). Gajduseks Arbeiten legten das Fundament für die spätere Forschung an infektiösen Proteinpartikeln; in den 1980er Jahren prägte Stanley Prusiner den Begriff Prion und trug entscheidend zur molekularen Erklärung dieser Krankheiten bei. Insgesamt erweiterten Gajduseks Ergebnisse das Verständnis dafür, dass neuartige Mechanismen die Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten bestimmen können.

Nobelpreis 1976

Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse erhielt Gajdusek 1976 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, gemeinsam mit Baruch S. Blumberg. Die Auszeichnung würdigte wesentliche Entdeckungen über neue Mechanismen bei der Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten.

Kontroversen und spätere Jahre

Neben seinen wissenschaftlichen Verdiensten wurde Gajdusek später auch wegen schweren Fehlverhaltens bekannt: In den 1990er-Jahren wurde er in den USA im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger angeklagt, er bekannte sich schuldig und verbrachte eine Haftzeit. Diese Vorfälle trübten sein öffentliches Ansehen und haben die Bewertung seines Lebenswerks kompliziert.

Vermächtnis

Daniel Carleton Gajdusek bleibt eine ambivalente Gestalt in der Medizingeschichte: Einerseits ist seine Arbeit an Kuru ein Meilenstein für die Infektions- und Neurowissenschaften und hat weitreichende Folgen für die öffentliche Gesundheit und die Forschung gehabt. Andererseits stehen seine kriminellen Taten in starkem Gegensatz zu seiner wissenschaftlichen Anerkennung. Die wissenschaftliche Gemeinschaft erkennt an, dass seine Forschung wichtige Erkenntnisse lieferte, diskutiert aber zugleich kritisch die ethischen und persönlichen Verfehlungen seines Lebens.