Geburtsfehler (oder angeborene Defekte) sind Defekte, die bei der Geburt eines Kindes auftreten oder sich im ersten Lebensmonat entwickeln.
Es gibt zwei Haupttypen von angeborenen Defekten. Der erste wird durch genetische Anomalien verursacht, die erblich bedingt sind. Die zweite wird durch Bedingungen (wie z.B. Infektionskrankheiten) verursacht, die ein Baby von seiner Mutter bekommt.
Manchmal können Ärzte schon vor der Geburt eines Babys feststellen, dass es eine angeborene Störung hat. Sie verwenden pränatale Diagnose und Screening-Tests, wie zum Beispiel eine Fruchtwasseruntersuchung.
Arten angeborener Fehlbildungen
- Strukturelle Fehlbildungen: Dazu gehören sichtbare Veränderungen wie Herzfehler, Spina bifida (offener Rücken), Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder Fehlbildungen von Gliedmaßen.
- Stoffwechsel- und Funktionsstörungen: Erkrankungen wie Phenylketonurie (PKU) oder andere enzymebedingte Störungen, die die normale Stoffwechselfunktion beeinträchtigen.
- Chromosomale Anomalien: Beispielsweise Trisomie 21 (Down-Syndrom), bei denen ganze Chromosomen oder große Chromosomenabschnitte betroffen sind.
- Multifaktorielle Störungen: Krankheiten, die durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Einflüssen (z. B. Ernährung, Umwelt) entstehen.
Ursachen
Angeborene Fehlbildungen können verschiedene Ursachen haben. Häufige Faktoren sind:
- Genetische Ursachen: Mutationen in einzelnen Genen, fehlende oder zusätzliche Chromosomen.
- Infektionen in der Schwangerschaft: Röteln, Cytomegalie, Zika oder andere Infektionen können das ungeborene Kind schädigen.
- Teratogene Einflüsse: Medikamente, Alkohol, Drogen, bestimmte Chemikalien oder Strahlung können das Risiko erhöhen. Auch das Rauchen der Mutter ist ein Risikofaktor.
- Materielle Erkrankungen: Ungeklärter oder schlecht eingestellter Diabetes der Mutter erhöht das Fehlbildungsrisiko.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an Folsäure vor und während der frühen Schwangerschaft ist mit Neuralrohrdefekten wie Spina bifida verbunden.
Diagnose und pränatale Tests
Pränatale Untersuchungen dienen dazu, Fehlbildungen früh zu erkennen oder das Risiko abzuschätzen. Wichtige Verfahren sind:
- Ultraschall (Sonographie): Standarduntersuchung zur Sichtprüfung auf strukturelle Auffälligkeiten.
- Erst-Trimester-Screening: Kombination aus Ultraschall (Nackentransparenz) und Bluttests zur Abschätzung für bestimmte Chromosomenstörungen.
- Bluttests der Mutter / Nicht-invasive pränatale Tests (NIPT): Analyse von zellfreier fetaler DNA im mütterlichen Blut zur Erkennung häufiger Chromosomenstörungen.
- Invasive Tests: Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder Chorionzottenbiopsie zur direkten genetischen Analyse des Fetus.
- Neugeborenen-Screening: Nach der Geburt werden Bluttests (z. B. Fersenstich) durchgeführt, um Stoffwechsel- oder Hormonstörungen früh zu erkennen.
Behandlung und Versorgung
Die Behandlung hängt von Art und Schwere der Fehlbildung ab. Mögliche Maßnahmen:
- Operative Eingriffe: Viele strukturelle Defekte, etwa Herzfehler oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, können chirurgisch korrigiert oder verbessert werden.
- Medikamentöse Therapie: Bei bestimmten Stoffwechsel- oder Hormonstörungen sind lebenslange Medikamente oder Diäten nötig.
- Pränatale Therapien: In ausgewählten Fällen sind Eingriffe vor der Geburt möglich (z. B. fetale Operationen bei bestimmten Neuralrohrdefekten oder Herzproblemen).
- Rehabilitation und Frühförderung: Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie und pädagogische Unterstützung verbessern Entwicklungschancen.
- Multidisziplinäre Versorgung: Kinder mit komplexen Fehlbildungen benötigen häufig Teams aus Kinderärzten, Chirurgen, Kardiologen, Genetikern, Therapeuten und Sozialarbeitern.
Prävention
- Folsäure: Frauen, die schwanger werden möchten oder in den ersten Wochen schwanger sind, sollten Folsäure einnehmen (empfohlene Dosis nach ärztlicher Beratung), um Neuralrohrdefekte zu reduzieren.
- Infektionsschutz: Impfungen (z. B. gegen Röteln) vor einer Schwangerschaft und Vermeidung bekannter Infektrisiken während der Schwangerschaft.
- Verzicht auf Alkohol, Drogen und Rauchen: Diese Substanzen erhöhen das Risiko angeborener Schäden.
- Medikamentenüberprüfung: Vor und während der Schwangerschaft sollte die Einnahme von Medikamenten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
- Präkonzeptionelle Beratung: Bei familiärer Vorbelastung oder bekannten genetischen Erkrankungen ist genetische Beratung vor der Empfängnis sinnvoll.
Prognose und Lebenserwartung
Die Prognose variiert stark je nach Art und Schweregrad der Fehlbildung. Einige Probleme sind vollständig behandelbar; andere erfordern lebenslange Betreuung. Früherkennung, spezialisierte Versorgung und Frühförderung verbessern in vielen Fällen die Lebensqualität und Entwicklungschancen erheblich.
Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten
- Wenn vorgeburtliche Tests ein erhöhtes Risiko anzeigen, sollten weitere diagnostische Schritte und Beratungen erfolgen.
- Nach der Geburt bei auffälligen Atmungs-, Trink- oder Entwicklungsproblemen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
- Bei familiärer Vorbelastung oder bereits bekannten genetischen Erkrankungen: frühzeitig genetische Beratung aufsuchen.
Genetische Beratung und Unterstützung
Bei Verdacht auf eine genetische Ursache ist eine genetische Beratung sinnvoll. Berater erläutern Risikoabschätzungen, erklären Testergebnisse, besprechen mögliche Behandlungs- und Vorsorgeoptionen und verweisen auf Selbsthilfegruppen und Sozialdienste.
Hinweis: Dieser Text bietet allgemeine Informationen. Bei konkreten Fragen oder Verdacht auf eine Fehlbildung sollten Sie sich an Ihren Arzt, Ihre Hebamme oder eine genetische Beratungsstelle wenden.


