Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion, die durch ein Bakterium namens Treponema pallidum verursacht wird. Syphilis wird gewöhnlich durch sexuellen Kontakt verbreitet, vor allem durch direkten Kontakt mit den typischen Haut- oder Schleimhautläsionen. Allerdings kann ein Fötus die Syphilis von seiner Mutter während der Schwangerschaft oder während der Geburt bekommen. Dies nennt man angeborene Syphilis. Zusätzlich sind Übertragungen durch kontaminierte Blutprodukte heute sehr selten, weil Blutspenden getestet werden.
Übertragung und Ansteckungsrisiko
Die Übertragung erfolgt vorwiegend durch vaginalen, analen oder oralen Sex. Die Infektiosität ist am höchsten in den ersten beiden Stadien (primär und sekundär), wenn offene, häufig schmerzlose Wunden (Schanker) oder schleimhautbedeckte Läsionen vorhanden sind. Infizierte Personen ohne sichtbare Symptome können die Krankheit trotzdem weitergeben.
Inkubationszeit
Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) beträgt typischerweise etwa 10–90 Tage, im Durchschnitt rund 21 Tage.
Stadien und typische Symptome
Es gibt vier Stadien der Syphilis: das primäre, sekundäre, latente und tertiäre Stadium. In jedem Stadium sind die Anzeichen und Symptome unterschiedlich.
- Primärstadium: Typisch ist eine einzelne, meist schmerzlose, harte Wunde auf der Haut oder Schleimhaut (der sogenannte Schanker). Häufig tritt eine schmerzlose regionale Lymphknotenschwellung auf. Die Wunde heilt normalerweise innerhalb von drei bis sechs Wochen spontan, auch ohne Behandlung, die Infektion bleibt aber bestehen.
- Sekundärstadium: Wochen bis wenige Monate nach dem Schanker können systemische Symptome auftreten: Fieber, Müdigkeit, allgemeine Lymphknotenschwellung sowie ein charakteristischer Ausschlag, der oft auch Handflächen und Fußsohlen betrifft. Es können Symptome wie Schleimhautveränderungen (Mundschleimhautplaques), Haarausfall in Flocken, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen vorkommen. Feuchte, warzenähnliche Läsionen (Condylomata lata) sind hoch infektiös.
- Latentes Stadium: In diesem "stummen" Abschnitt sind wenige oder keine Symptome vorhanden. Man unterscheidet frühe Latenz (innerhalb eines Jahres nach Infektion) mit höherer Wahrscheinlichkeit von Rezidiven und Übertragungen, und späte Latenz (länger als ein Jahr).
- Tertiärstadium: Wird Syphilis nicht behandelt, kann Jahre bis Jahrzehnte später das tertiäre Stadium mit schweren Schäden auftreten: Gummatose (weiche granulomatöse Knoten in Haut, Knochen, Organen), schwere Schäden am Herz-Kreislauf-System (z. B. Aortenaneurysma, Aortitis) und am Nervensystem (Gehirn und Nerven) — sogenannte Neurosyphilis. Diese Formen können zu Lähmungen, Demenz, Blindheit, Schlaganfällen oder zum Tod führen. Ohne medizinische Behandlung versterben viele Betroffene, besonders im fortgeschrittenen Stadium.
Besondere Formen
- Angeborene Syphilis: Kann zu Fehlgeburt, Totgeburt oder schweren Schädigungen beim Neugeborenen führen (z. B. Knochenveränderungen, Hautläsionen, neurologische Schäden). Früherkennung und Behandlung der Mutter in der Schwangerschaft sind entscheidend.
- Neurosyphilis: Kann in jedem Stadium auftreten, besonders aber bei später unbehandelter Infektion. Symptome reichen von Kopfschmerzen und Sehstörungen bis zu kognitiven Störungen und Sensibilitätsstörungen (z. B. Tabes dorsalis).
Diagnose
Syphilis wird in der Regel durch Blutuntersuchungen diagnostiziert. Die Diagnose stützt sich auf zwei Testtypen:
- Nicht-treponemale Tests (z. B. VDRL, RPR): Diese Tests messen Antikörper gegen Zellbestandteile und werden zur Screening und zur Verlaufskontrolle nach Behandlung verwendet (Titerabfall). Sie können falsch positiv sein bei bestimmten Erkrankungen.
- Treponemale Tests (z. B. FTA-ABS, TPPA, EIA): Diese Tests sind spezifisch für Treponema pallidum und bestätigen eine bestehende oder frühere Infektion.
Direkter Erregernachweis ist möglich durch Mikroskop (Dunkelfeldmikroskopie) oder molekulare Methoden (PCR) aus Material von frischen Läsionen. Bei Verdacht auf Neurosyphilis ist eine Liquoruntersuchung notwendig.
Behandlung
Die meisten Menschen mit Syphilis können mit Antibiotika behandelt und geheilt werden. Penicillin ist das Mittel der Wahl:
- Frühe Syphilis (primär, sekundär, frühe Latenz): Benzathin-Penicillin G 2,4 Millionen IE intramuskulär als Einmalgabe.
- Späte Latenz oder tertiäre Syphilis (ohne Neurosyphilis): Benzathin-Penicillin G 2,4 Millionen IE intramuskulär einmal wöchentlich über 3 Wochen (insgesamt 3 Dosen).
- Neurosyphilis: Aqueöses Kristallines Penicillin G intravenös, üblicherweise 10–14 Tage (z. B. 18–24 Millionen IE pro Tag, aufgeteilt auf regelmäßige Gaben).
Bei Penicillin-Allergie hängt das Vorgehen vom Zustand ab: Für Schwangere ist eine Desensibilisierung und anschließende Behandlung mit Penicillin empfohlen. Bei Nicht-Schwangeren kann in bestimmten Fällen Doxycyclin als Alternative verwendet werden (nicht in Schwangerschaft möglich). Ein mögliches Jarisch–Herxheimer-Reaktion (akute Verschlechterung mit Fieber, Kopfschmerz, Myalgien in den ersten 24 Stunden nach Therapiebeginn) ist bekannt und in der Regel selbstlimitierend; symptomatische Behandlung (z. B. Antipyretika) hilft.
Verlaufskontrollen
Nach der Behandlung sind serologische Kontrollen wichtig: nontreponemale Test-Titer werden regelmäßig (z. B. 3, 6, 12 Monate) überwacht. Eine vierfache (zwei Verdopplungen) Abnahme des Titers innerhalb eines bestimmten Zeitraums gilt als Anzeichen für Therapieansprechen. Bei ausbleibendem Rückgang oder klinischem Verdacht auf Behandlungsmisserfolg sind Wiederholungstests und gegebenenfalls erneute Therapie nötig.
Prävention
- Safer Sex (Kondome) reduzieren das Risiko, schützen aber nicht vollständig, da Läsionen außerhalb bedeckter Bereiche liegen können.
- Regelmäßige STI-Screenings bei sexuell aktiven Personen mit erhöhtem Risiko (z. B. Männer, die Sex mit Männern haben, Menschen mit wechselnden Partnern, Personen mit HIV).
- Sorgfältige Schwangerenvorsorge: Screening früh in der Schwangerschaft und ggf. im letzten Trimester bei Risikofaktoren.
- Partnerbenachrichtigung und -behandlung (Contact Tracing), um Weiterverbreitung zu verhindern.
Epidemiologie
Bis 1999 hatten sich mehr als 12 Millionen Menschen auf der ganzen Welt Syphilis zugezogen. Mehr als 90% dieser Menschen (10,8 Millionen) lebten in den Entwicklungsländern. Die Syphilis wurde viel seltener, nachdem in den 1940er Jahren Penicillin verfügbar wurde. Zu dieser Zeit wurde Penicillin zur Behandlung der Syphilis eingesetzt und heilte die Krankheit häufig. Seit dem Jahr 2000 tritt die Syphilis jedoch wieder häufiger auf, in vielen Regionen insbesondere unter bestimmten Risikogruppen (z. B. Männern, die Sex mit Männern, und Menschen mit HIV).
Prognose
Mit rechtzeitiger und angemessener Behandlung ist die Prognose gut: Erreger werden eradiziert und spätere Komplikationen meist verhindert. Ohne Behandlung kann Syphilis jedoch schwere, dauernde Schäden verursachen und tödlich sein. Ohne Behandlung sterben 8% bis 58% der Menschen mit Syphilis an der Krankheit, und eine Syphilis erhöht das Risiko einer HIV-Infektion um das Zwei- bis Fünffache.
Bei Verdacht auf Syphilis oder nach einem möglichen Expositionsereignis sollte umgehend eine Ärztin bzw. ein Arzt aufgesucht werden. Frühdiagnose und -behandlung schützen Sie selbst und Ihre Sexualpartner.
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