Der Unabhängige Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska, NDH) war während des Zweiten Weltkriegs ein faschistischer/nazistischer Marionettenstaat. Er wurde im April 1941 gegründet, nachdem das Königreich Jugoslawien durch Nazideutschland und das faschistische Italien geteilt worden war. Geographisch umfasste es den größten Teil des heutigen Kroatiens sowie ganz Bosnien und Herzegowina und Teile von Slowenien und Serbien.
Die NDH wurde von Ante Pavelić und seinen Ustaše - einer rassistischen, terroristischen und saboteuristischen Organisation - regiert, die Anhänger der von Ante Starčević Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Partei der reinen Rechte waren. Die NDH hatte ein von Mile Budak formuliertes Programm, um Kroatien von den Serben zu säubern, indem "ein Drittel getötet, das andere Drittel vertrieben und das restliche Drittel assimiliert wurde". Der erste Teil dieses Programms wurde während des Zweiten Weltkriegs durch einen geplanten Völkermord im Konzentrationslager Jasenovac und an anderen Orten in der NDH begonnen.
Gebiet, Entstehung und Status
Die NDH wurde am 10. April 1941 proklamiert und stand politisch und militärisch unter starkem Einfluss der Achsenmächte, vor allem Nazideutschland und Italien. Formal war sie ein selbstständiger Staat mit Sitz in Zagreb, praktisch jedoch ein Marionettenregime: außenpolitische Entscheidungen, militärische Fragen und territoriale Absprachen wurden stark von den Besatzungsmächten mitbestimmt. Die territoriale Ausdehnung veränderte sich im Verlauf des Krieges, besonders durch Gebietsabtretungen an Italien und direkte deutsche Besatzungszonen.
Ideologie, Gewalt und Verfolgung
Die herrschende Ideologie der Ustaše war ultranationalistisch, rassistisch und totalitär. Die NDH verfolgte nicht nur politische Gegner, sondern richtete sich gezielt gegen ethnische und religiöse Gruppen, vor allem gegen Serben, Juden und Roma. In der Praxis bedeutete dies Massenverhaftungen, Deportationen, Zwangskonzentrationslager, Massenmorde und systematische Gewaltakte. Neben dem bekannten Lagerkomplex von Jasenovac existierten weitere Lager, Hinrichtungsstätten und Vernichtungsaktionen.
Die Opferzahlen sind Gegenstand historischer Forschung und Debatten; sie variieren je nach Quelle. Fest steht, dass Zehntausende, nach manchen Schätzungen sogar mehrere Zehntausend bis Hunderttausende Menschen durch die Maßnahmen der NDH ihr Leben verloren oder vertrieben wurden. Opfer waren Angehörige verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen sowie politische Gegner und Zivilpersonen.
Staatliche Strukturen und Institutionen
Die NDH verfügte formal über Verwaltungseinrichtungen, Polizei- und Milizstrukturen sowie eine eigene Armee (u. a. Ustaška vojska i domobranstvo). Viele staatliche Behörden arbeiteten eng mit den Besatzungsmächten zusammen. Innerhalb des Regimes spielten führende Persönlichkeiten wie Ante Pavelić und weitere Ustaše-Funktionäre eine prägende Rolle. Die Propaganda glorifizierte nationalistische Mythen und rechtfertigte Repressionen gegenüber „Feinden des Staates“.
Widerstand, Kriegsgeschehen und Ende
Die brutalen Maßnahmen der NDH förderten den bewaffneten Widerstand auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Bedeutend waren vor allem die kommunistisch geführten Partisanen unter Josip Broz Tito, die einen multinationalen Widerstand organisieren konnten. Daneben existierten auch monarchistische beziehungsweise serbisch-nationalistische Gruppen (Chetniks), die teilweise mit den Achsenmächten kooperierten oder gegen die Partisanen kämpften.
Ab 1943/44 verschlechterte sich die Lage für die NDH durch die militärische Niederlage der Achsenmächte. Im Mai 1945 brach das Regime zusammen; führende Mitglieder der Ustaše flohen zum Teil ins Ausland, viele wurden gefangen genommen oder getötet. Die jugoslawische Nachkriegsregierung ging gegen die Verantwortlichen vor, einige wurden vor Gericht gestellt, andere entkamen der Strafverfolgung.
Nachwirkungen, Erinnerung und Kontroversen
Das Erbe der NDH bleibt bis heute in Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie in der gesamten Region umstritten und schmerzhaft. In der sozialistischen Zeit Jugoslawiens wurde die Erinnerung an die Verbrechen teilweise staatlich kanonisiert, zugleich aber politisch instrumentalisiert. Nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren kam es wiederholt zu Debatten über Denkmäler, Erinnerungskultur und die Bewertung der NDH-Vergangenheit. Extreme politische Strömungen versuchen gelegentlich, Elemente der Ustaše-Ideologie zu relativieren oder zu rehabilitieren, was breite Kritik hervorruft.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen der NDH ist umfangreich, aber manche Fragen bleiben wegen fehlender Quellen oder politischer Kontroversen schwierig zu klären. Die meisten Historiker und Rechtsexperten sehen in den von der NDH begangenen Massakern und ethnischen Säuberungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit; in Teilen der Forschung wird von Völkermord an bestimmten Bevölkerungsgruppen gesprochen.
Wichtiges Fazit
Der Unabhängige Staat Kroatien (NDH) war ein kurzlebiger, aber brutal repressiver Staat, dessen Politik zu massiven Menschenrechtsverletzungen, ethnischer Säuberung und weitreichenden Zerstörungen führte. Die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit ist für die Versöhnung in der Region und für die demokratische Erinnerungskultur weiterhin von zentraler Bedeutung.

