Der Indianapolis Motor Speedway (IMS) befindet sich auf dem Speedway in Indiana (einem Enklavenvorort von Indianapolis) in den Vereinigten Staaten. Er ist die Heimat des Indianapolis 500-Rennens und des Brickyard 400-Rennens.

Der IMS wurde 1909 erbaut und war die erste Rennanlage, die sich selbst als „Speedway“ bezeichnete. Ursprünglich war die Piste mit Millionen von Ziegelsteinen gepflastert – der Name „The Brickyard“ (die Ziegelei) leitet sich daraus ab. Heute ist am Start-/Zielbereich noch ein Yard (ca. 0,9 m) der Originalziegel als Denkmal erhalten; ein Ritual vieler Sieger ist das Küssen dieser „Bricks“ nach einem Triumph.

Streckenlayout und technische Daten

Das Hauptoval ist zweieinhalb Meilen (4,023 km) lang und hat ein markantes, annähernd rechteckiges Profil mit vier langgezogenen Kurven. Jede der vier Kurven entspricht etwa einer Viertelmeile; zwei 5/8-Meilen-Geraden verbinden die Kurven 2–3 und 4–1, und zwei kürzere Verbindungsgeraden von je 1/8 Meile, die sogenannten kurzen Rutschen, führen zwischen 1–2 und 3–4. Im Vergleich zu vielen modernen Ovalen gelten die Kurven als relativ flach; ihre Überhöhung (Banking) und das ungewöhnliche rechteckige Design stellen jedoch spezifische Anforderungen an Fahrzeugabstimmung und Fahrtechnik.

Zwischen 1998 und 2000 wurde auf Basis des Ovals und des Innenfelds ein moderner Infield Road Course gebaut, der ursprünglich 2,605 Meilen (4,192 km) lang war. Im Jahr 2008 wurde der Straßenkurs erneut angepasst, um einen weiteren Infield-Abschnitt hinzuzufügen; dieser veränderte Kurs wird unter anderem für Motorradrennen genutzt und misst etwa 2,621 Meilen (4,218 km).

Kapazität, Gebäude und Anlage

Der IMS verfügt über permanente Sitzplätze für mehr als 257.000 Personen; mit zusätzlicher Tribünen- und Infield-Besetzung steigt die Kapazität auf rund 400.000 Zuschauer, womit der Speedway zu den größten Sportstätten der Welt zählt. Auf dem Gelände befinden sich außerdem das Indianapolis Motor Speedway Hall of Fame Museum, das 1956 eröffnet wurde, sowie das Brickyard Crossing Golf Resort, das ursprünglich 1929 als Speedway-Golfplatz eröffnet wurde.

Veranstaltungen und Bedeutung im Motorsport

Neben dem berühmten Indianapolis 500 – auch als „The Greatest Spectacle in Racing“ bekannt – fanden und finden zahlreiche andere Spitzenveranstaltungen statt:

  • Die NASCAR-Veranstaltung Brickyard 400 wurde erstmals 1994 am IMS ausgetragen und etablierte das Oval als wichtige NASCAR-Location.
  • Zwischen 2000 und 2007 war der Speedway Austragungsort des Großen Preises der Vereinigten Staaten für die Formel 1, der auf dem Infield-Road-Course stattfand.
  • Der Motorrad-Grand-Prix von Indianapolis (MotoGP) kam 2008 auf den Speedway und wurde dort mehrere Jahre ausgetragen.

Historische Auszeichnungen und Denkmalschutz

Der Indianapolis Motor Speedway wurde 1975 in das Nationale Register historischer Stätten aufgenommen und 1987 zum Nationalen Historischen Wahrzeichen ernannt. Damit ist die Rennstrecke nicht nur für den Motorsportsport, sondern auch aus kulturhistorischer Sicht von hoher Bedeutung.

Rekorde und bekannte Sieger

Auf dem Speedway wurden zahlreiche Rekorde und historische Erfolge erzielt:

  • In der Formel 1-Ausführung des Straßenkurses hält Michael Schumacher (nach seinem fünften Sieg beim Großen Preis der Vereinigten Staaten in Indianapolis 2006) den Rekord für die meisten Erfolge im Formel‑1‑Kontext auf dem Kurs.
  • Auf dem traditionellen 2,5‑Meilen‑Oval gewannen A.J. Foyt, Al Unser (Senior) und Rick Mears das Indy 500 jeweils vier Mal und teilen damit den Rekord für die meisten Siege beim Indianapolis 500.
  • Jeff Gordon gewann die Brickyard 400 vier Mal und gehört damit zu den erfolgreichsten NASCAR-Fahrern auf diesem Kurs.
  • Johnny Aitken hält mit 15 Siegen (aus den frühen Saisons 1909, 1910 und 1916) den Rekord für die meisten Gesamtsiege auf dem Speedway in den Anfangsjahren des Motorsports in Indianapolis.

Traditionen und Kultur

Das Indianapolis 500 ist reich an Traditionen: Vor dem Rennen wird das Lied „Back Home Again in Indiana“ gesungen, die Starterprozedur mit dem Ruf „Drivers, start your engines!“ (früher „Gentlemen…“) gehört ebenso zur Zeremonie wie die Vergabe des Borg‑Warner‑Trophäe an den Sieger. Das Küssen der Bricks am Start‑Ziel‑Strich ist ein etablierter Brauch der Gewinner. Wegen seiner Größe, Atmosphäre und historischen Bedeutung gilt das IMS als Pilgerstätte für Motorsportfans aus aller Welt.

Wandel, Modernisierung und Eigentum

Der Speedway hat im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Modernisierungen erfahren: Ausbau der Tribünen, Anpassungen an Sicherheitsstandards, Umbauten in der Boxengasse sowie Erneuerungen der Infrastruktur für Teams, Medien und Zuschauer. 2019 wurde das Gelände im Rahmen größerer Investitionen weiter modernisiert; das Management und die Eigentumsverhältnisse haben sich im Laufe der Zeit verändert, um den Anforderungen des modernen Rennbetriebs gerecht zu werden.

Besuch und Museum

Das Indianapolis Motor Speedway Hall of Fame Museum präsentiert eine umfangreiche Sammlung historischer Rennwagen, Pokale, Motoren und Erinnerungsstücke zur Entwicklung des Motorsports. Besucher können das Gelände, die Boxengasse und bei bestimmten Gelegenheiten die Strecke besichtigen sowie an Führungen und Events teilnehmen. Das Museum dient als zentrale Anlaufstelle für die Racing‑Geschichte von Indianapolis.

Zusammenfassung

Der Indianapolis Motor Speedway ist mehr als nur eine Rennstrecke: Er ist ein historisches Symbol des amerikanischen Motorsports, Ort großer sportlicher Leistungen und kultureller Traditionen. Mit seinem außergewöhnlichen ovalen Layout, der enormen Zuschauerkapazität und seiner langen Geschichte bleibt das IMS eine der bedeutendsten Rennanlagen der Welt.