Zum Inhalt springen

Plattdeutsch (Niederdeutsch): Sprache in Norddeutschland & den Niederlanden

Plattdeutsch (Niederdeutsch) — lebendige Regional­sprache Norddeutschlands & der Niederlande: Geschichte, Verbreitung, Sprecherzahlen und Schutz kompakt erklärt.

Plattdüütsch (in der Standardschrift meist als Plattdeutsch oder Niederdeutsch bezeichnet, englisch "Low German" oder "Low Saxon") ist eine westgermanische Sprache mit langer Tradition in Norddeutschland und den angrenzenden Gebieten. Sie unterscheidet sich deutlich vom Hochdeutschen, weil sie die sogenannte hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitgemacht hat und daher konservativere Lautformen bewahrt.

Verbreitung und Geschichte

Plattdeutsch wurde historisch weit verbreitet: Es erstreckte sich von Ostpreußen und Nordpolen, über Norddeutschland, die Niederlande, Belgien und bis nach Dünkirchen in Frankreich. In der Hansezeit (12.–17. Jahrhundert) diente Niederdeutsch als Verkehrssprache im Ostseeraum und nördlichen Mitteleuropa. Seit dem 19. und besonders seit dem Zweiten Weltkrieg ging die Zahl der aktiven Muttersprachler zurück: Urbanisierung, Standardisierung durch das Hochdeutsche und gesellschaftliche Veränderungen führten zu Sprachwandel und Substratverlust.

Dialekte

Das Niederdeutsche gliedert sich in mehrere Dialektgruppen, zum Beispiel:

  • Nordniederdeutsch (z. B. Schleswig‑Holstein, Hamburg, Nordfriesland)
  • Westniederdeutsch/Westfälisch (teils Rheinland, Westfalen)
  • Ostniederdeutsch (historisch: Mecklenburg, Pommern, Ostpreußen; viele Varietäten sind dort heute verschwunden)
  • Nedersaksisch in den östlichen Niederlanden (z. B. Gronings, Drents, Twents)
  • Plautdietsch – eine konservierte niederdeutsche Varietät, die von Mennonitengruppen in die Neue Welt (Amerika, Russland) getragen wurde

Es gibt keine einheitliche Schriftform des Plattdeutschen; in den letzten Jahrzehnten gab es jedoch standardisierende Bestrebungen, gerade für Unterricht und Medien.

Linguistische Merkmale

Typische Merkmale sind der Verzicht auf die hochdeutsche Lautverschiebung (z. B. engl. "make" ~ niederdeutsch "maken" vs. hochdeutsch "machen"), eigene Verbformen, spezielle Personalpronomina und ein vielfältiger Wortschatz mit vielen regionalen Varianten. Begrüßungen wie "Moin" oder Formen wie "Ik bün" (ich bin) sind charakteristisch.

Status, Schutz und rechtliche Anerkennung

Die Zahl der Sprecher wird unterschiedlich geschätzt; allgemein wird von einigen Millionen Personen ausgegangen, wobei ein großer Teil nur passive Kenntnisse besitzt. Aktive Sprecher in einem guten bis sehr guten Niveau werden häufig mit rund 3 Millionen angegeben, Schätzungen variieren insgesamt von etwa 3 bis 10 Millionen, je nachdem, welche Kompetenzen gezählt werden.

Auf regionaler Ebene ist Niederdeutsch in Teilen Deutschlands und in den Niederlanden als Kultur- und Minderheitensprache anerkannt und steht unter Schutz. So gibt es Initiativen und rechtliche Rahmen, die den Erhalt und die Förderung der Sprache unterstützen (geschützt).

Aktuelle Situation, Bildungs‑ und Kulturbemühungen

Heute erleben verschiedene Formen des Plattdeutschen ein Wiederaufleben: regionaler Unterricht, Medienangebote (Radio, Vereine, Festivals), sowie literarische und bildkulturelle Arbeiten in Platt. Oft ist Plattdeutsch jedoch vom Gebrauch im Alltag zurückgedrängt; es bleibt aber in vielen Regionen als Dialekt oder als zweite Sprache in Familien und Gemeinden lebendig.

Beispiele

Kurze Vergleiche (hochdeutsch → plattdeutsch):

  • Guten Morgen. → Goed Morgen / Moin.
  • Ich heiße Anna. → Ik heff Anna / Ik heet Anna.
  • Ich komme aus Hamburg. → Ik küm ut Hamburg.

Plattdeutsch ist sowohl linguistisch interessant als auch kulturell bedeutsam. Wer sich näher informieren oder die Sprache lernen möchte, findet regionale Kurse, Vereine, Radiosendungen und Online‑Materialien, die beim Erhalt und der Pflege dieser Tradition helfen.

Offizieller Status

Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen verleiht dem Plattdüüütsch als Regionalsprache in Deutschland und den Niederlanden eine gewisse offizielle Anerkennung und einen gewissen Schutz. In Deutschland genießt es in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Schutz der Bestimmungen von Teil III der Charta und in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt den Schutz von Teil III der Charta. In den Niederlanden hat sie den Schutz von Teil II der Charta.

Einige Leute sagen, dass Plattdüütsch eigentlich gar keine Sprache ist. Aber die Europäische Charta gilt nicht für Dialekte, sondern nur für Sprachen, und deshalb muss die deutsche Regierung denken, dass die Sprache nicht nur ein Dialekt des Deutschen ist.

Außerhalb Nordeuropas

Mehrere Personengruppen außerhalb Europas sprechen Niederdeutsch.

Mennonitische Gemeinschaften verwenden ihr Plautdietsch überall dort, wo sie leben, insbesondere in Russland, der Ukraine, Zentralasien, Deutschland, Südafrika, Malaysia, Indonesien, Australien und Amerika (d.h. die mennonitischen Kolonien in Paraguay, Südamerika, oder Chihuahua, Mexiko, verwenden Niederdeutsch als "Ko-Amtssprache" der Gemeinschaft, zusätzlich zur offiziellen Landessprache Spanisch).

Einige Gemeinden im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten haben ihre eigenen Dialekte, die sich im 19. Jahrhundert aus den Dialekten Schleswig-Holsteins und Niedersachsens entwickelt haben. Niemand weiß, wie viele Menschen in den Vereinigten Staaten Niederdeutsch sprechen, und die Sprache ist möglicherweise in der Mitte des 20. Die vielen deutsch-amerikanischen Gemeinschaften wurden weiter in die englischsprachigen Vereinigten Staaten assimiliert (gemischt) und verloren viele ihrer Traditionen, einschließlich der Verwendung des Niederdeutschen und anderer deutscher Dialekte/Sprachen.

Verwandte Artikel

Autor

AlegsaOnline.com Plattdeutsch (Niederdeutsch): Sprache in Norddeutschland & den Niederlanden

URL: https://de.alegsaonline.com/art/59582

Teilen