Horst Köhler – Bundespräsident 2004–2010, IWF‑Präsident und Ökonom

Horst Köhler – deutscher Ökonom, IWF‑Präsident und Bundespräsident (2004–2010). Seine Karriere, Kontroversen und prägenden Impulse für Politik und internationale Wirtschaft.

Autor: Leandro Alegsa

Der Titel dieses Artikels enthält das Zeichen ö. Wo er nicht verfügbar oder nicht erwünscht ist, kann der Name als Horst Koehler geschrieben werden.

Horst Köhler (geboren am 22. Februar 1943) ist ein deutscher Politiker der Christlich-Demokratischen Union. Er war von 2004 bis 2010 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Er war Kandidat der beiden christdemokratischen Schwesterparteien CDU und CSU sowie der liberalen FDP für das Amt des Bundespräsidenten. Köhler wurde am 23. Mai 2004 von der Bundesversammlung in seine erste fünfjährige Amtszeit gewählt. Am 23. Mai 2009 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Etwa ein Jahr später, am 31. Mai 2010, legte er sein Amt in einer Kontroverse um seine Stellungnahme zur Rolle der Bundeswehr angesichts eines Besuchs bei den Truppen in Afghanistan nieder.

Köhler ist Wirtschaftswissenschaftler von Beruf. Vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten war Köhler in der Politik, im öffentlichen Dienst und als leitender Bankangestellter tätig. Von 1998 bis 2000 war er Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Außerdem war er von 2000 bis 2004 Leiter des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Obwohl das Amt des Bundespräsidenten weniger einflussreich ist als das des Bundeskanzlers und sich hauptsächlich mit zeremoniellen Angelegenheiten befasst, war Köhler während seiner Amtszeit ein sehr beliebter Politiker. Er hat mehr Einfluss für den Präsidenten gefordert und vorgeschlagen, dass der Präsident direkt gewählt werden sollte. Dies war nach der Weimarer Verfassung der Fall.

Werdegang und Ausbildung

Köhler ist formal als Wirtschaftswissenschaftler ausgebildet und begann seine berufliche Laufbahn im öffentlichen Dienst. Er sammelte Erfahrungen in verschiedenen administrativen Funktionen und wechselte später in Führungsposten im Bankensektor. Diese Kombination aus Verwaltungserfahrung und wirtschaftlicher Expertise prägte sein späteres internationales Wirken.

Internationale Karriere

Als Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) von 1998 bis 2000 war Köhler an der Finanzierung von Wiederaufbau- und Transformationsprojekten in Osteuropa und Zentralasien beteiligt. Die EBRD unterstützt dort Privatisierungen, institutionelle Reformen und Investitionen, um marktwirtschaftliche Strukturen zu stärken.

Danach leitete Köhler von 2000 bis 2004 den Internationalen Währungsfonds (IWF). In dieser Funktion setzte er sich für Stabilitäts- und Strukturreformen in Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen ein, koordinierte internationale Finanzhilfen und beteiligte sich an Dialogen über die Reform der globalen Finanzarchitektur. Seine Amtszeit beim IWF fiel in eine Phase mit verschiedenen regionalen Krisen und Diskussionen über Entwicklungspolitik und Schuldentragfähigkeit.

Bundespräsident 2004–2010

Als Bundespräsident erfüllte Köhler vor allem die verfassungsmäßigen Aufgaben des Amtes: Repräsentation des Staates im In- und Ausland, Unterzeichnung von Gesetzen, Ausübung bestimmter Ernennungsbefugnisse und Mahnung zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Darüber hinaus nutzte er die Rednertribüne des Amtes, um Themen wie wirtschaftliche Vernunft, globale Verantwortung Deutschlands, Entwicklungszusammenarbeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt anzusprechen.

Köhler sprach sich wiederholt für eine stärkere Wahrnehmung des Präsidentenamtes in politischen Fragen aus. Dazu gehörte sein Vorschlag, den Bundespräsidenten direkt wählen zu lassen, um die demokratische Legitimation zu erhöhen und dem Amt mehr Gewicht in der politischen Debatte zu verleihen.

Rücktritt 2010

Der Rücktritt Köhlers am 31. Mai 2010 ging auf eine öffentliche Debatte über eine Äußerung zurück, die er nach einem Truppenbesuch in Afghanistan gemacht hatte. Köhler hatte in einem Interview die Schutzfunktion der Bundeswehr in einem übergeordneten sicherheitspolitischen Kontext betont; dies löste Kritik und eine mediale Auseinandersetzung über die Rolle der Armee und die Grenzen des Präsidentenamtes aus. In seiner Rücktrittserklärung begründete Köhler die Entscheidung damit, dass die anhaltende Diskussion seine Amtsführung und die notwendige Unparteilichkeit beeinträchtige.

Politische Haltung und spätere Aktivitäten

Köhler wird als wirtschaftsorientierter Konservativer mit internationalem Fokus beschrieben. Er betonte häufig die Bedeutung freier Marktwirtschaft, verantwortlicher Haushaltspolitik und der Verantwortung wohlhabender Staaten gegenüber ärmeren Ländern. Außerdem plädierte er für eine aktive Rolle Deutschlands in internationalen Institutionen und für eine enge transatlantische Zusammenarbeit.

Nach seinem Rücktritt blieb Köhler in unterschiedlichen öffentlichen Debatten präsent, äußerte sich zu außen- und wirtschaftspolitischen Fragen und engagierte sich in beratender Funktion. Er ist zudem Autor von Beiträgen und Reden zu Themen wie Globalisierung, Entwicklungspolitik und der Rolle Deutschlands in der Welt.

Wirkung und Bewertung

Köhler wird in der politischen Öffentlichkeit sowohl für seine internationale Erfahrung als auch für seine klare wirtschaftspolitische Orientierung geschätzt. Seine Amtszeit als Bundespräsident wird als Phase wahrgenommen, in der das Amt öfter für grundsätzliche politische Debatten genutzt wurde. Der unerwartete Rücktritt hat die Diskussion über Rolle, Erwartungen und Grenze des Bundespräsidentenamtes in Deutschland nachhaltig beeinflusst.

Hinweis: Dieser Artikel fasst die wichtigsten Stationen und Themen im öffentlichen Wirken Horst Köhlers zusammen. Für vertiefende biografische Angaben, Auszeichnungen oder detaillierte zeitliche Abläufe sollten spezialisierte Biographien oder Primärquellen konsultiert werden.

Frühes Leben

Köhler wurde in Skierbieszów (später Heidenstein) geboren, im Regierungsbezirk des deutsch besetzten Polen. Er war das siebte Kind von Elisabeth und Eduard Köhler. Seine Familie waren bessarabische Deutsche aus Rîşcani im rumänischen Bessarabien (in der Nähe von Bălţi, dem heutigen Moldawien). Die Eltern von Horst Köhler mussten 1940 ihre Heimat in Bessarabien verlassen. Im Rahmen des Generalplans Ost wurden sie 1942 nach Skierbieszów umgesiedelt. Dies war ein Dorf in der Nähe von Zamość, Polen (damals Teil des Generalplans Ost). Als die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg zurückgedrängt wurde, floh die Familie Köhler nach Leipzig. Im Jahr 1953 verließen sie die sowjetische Zone, um vor dem kommunistischen Regime zu fliehen. Die Familie lebte bis 1957 in Flüchtlingslagern. Danach ließ sie sich in Ludwigsburg nieder. Horst Köhler verbrachte daher den größten Teil seiner ersten 14 Jahre als Flüchtling.

Studium und Militärdienst

Ein Lehrer schlug vor, dass der Flüchtlingsjunge sich für das Gymnasium bewerben sollte. Köhler machte 1963 sein Abitur. Nach einem zweijährigen Militärdienst bei einem Panzergrenadierbataillon in Ellwangen verließ er die Bundeswehr als Reserveoffizier. Er studierte und promovierte schließlich an der Universität Tübingen in Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Dort war er von 1969 bis 1976 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung.

Karriere im öffentlichen Dienst

Köhler trat 1976 in den öffentlichen Dienst ein, als er im Bundesministerium für Wirtschaft tätig war. Im Jahr 1981 war er im Kanzleramt der Landesregierung in Schleswig-Holstein tätig. Dort diente er unter Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg. 1982 wurde Köhler zum Leiter des Ministerbüros im Bundesfinanzministerium ernannt. Er stieg 1987 zum Abteilungsleiter auf und war für die Finanzpolitik und die Industrieinteressen des Bundes zuständig. Im Jahr 1989 wurde er Leiter der Abteilung für Währung und Kredit.

Staatssekretär im Finanzministerium

Er ist seit 1981 Mitglied der CDU. Von 1990 bis 1993 war er Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen. In dieser Funktion diente er als "Sherpa" (persönlicher Beauftragter) von Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Vorbereitung der G7. Außerdem war er der deutsche Hauptverhandlungsführer bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht.

Karriere im Bankwesen 1993-2000

Von 1993 bis 1998 war er Präsident des Sparkassenverbandes in Deutschland. Im Jahr 1998 wurde er zum Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ernannt. Er ließ sich in London nieder, wo sich auch der Hauptsitz der Bank befindet.

Leiter des Internationalen Währungsfonds

Köhler wurde im Jahr 2000 zum geschäftsführenden Direktor und Vorsitzenden des Exekutivrats des Internationalen Währungsfonds (IWF) ernannt. Die Regierung von Gerhard Schröder nominierte ihn. Dies geschah, weil ihr erster Kandidat, Caio Koch-Weser, von den Vereinigten Staaten abgelehnt wurde.

Von 2000 bis 2004 lebte er in Washington, D.C.

Köhler als Chef des IWF im Gespräch mit dem Musiker Bono über Schuldenerlass für EntwicklungsländerZoom
Köhler als Chef des IWF im Gespräch mit dem Musiker Bono über Schuldenerlass für Entwicklungsländer

Präsident von Deutschland

Am 4. März 2004 trat Köhler von seinen Ämtern zurück, da er als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Köhler besiegte im ersten Wahlgang Gesine Schwan mit 604 zu 580 Stimmen. Es wurden 20 Stimmen für geringfügige Kandidaten abgegeben, während ein Wähler wegen eines Herzinfarktes abwesend war. Köhler trat am 1. Juli 2004 die Nachfolge von Johannes Rau als Präsident für eine fünfjährige Amtszeit an. Die deutsche Präsidentschaft ist ein weitgehend zeremonielles Amt. Es ist aber auch mit erheblicher moralischer Autorität ausgestattet. Von 2004 bis Anfang 2006 war das Schloss Charlottenburg der Sitz des Bundespräsidenten. Der Grund dafür ist die Renovierung von Schloss Bellevue.

Bei seiner Wahl sagte Köhler, dass "Patriotismus und Weltoffenheit keine Gegensätze sind". Bei der Vorstellung seiner Visionen für Deutschland sagte Köhler auch, dass "Deutschland ein Land der Ideen werden sollte".

Im Juli 2005 suspendierte er den Bundestag auf Antrag von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Schröder hatte einen Vertrauensantrag im Bundestag verloren. Dies führte zu vorgezogenen Bundestagswahlen im September 2005.

Im Oktober 2006 traf er durch sein Veto gegen einen Gesetzentwurf eine weitreichende Entscheidung. Damit würde die Deutsche Flugsicherung in Privatbesitz überführt. Der Bundestag verabschiedete dieses Gesetz, aber als Präsident war Köhler befugt, es nicht zu unterzeichnen, wenn es seiner Meinung nach gegen die Verfassung verstößt. Im Dezember 2006 unterzeichnete er das Verbraucherinformationsgesetz nicht, weil die Verfassung es dem Bund nicht erlaubt, kommunale Behörden anzuweisen. Dies können nur die Bundesländer tun. Nur sechsmal hatte sich der Bundespräsident zuvor dafür entschieden, Gesetze abzulehnen. In den meisten Fällen handelte es sich um weniger wichtige Gesetze. Seine Vetos waren die ersten bemerkenswerten Beispiele in der jüngeren deutschen Geschichte.

In seiner Weihnachtsansprache 2007 an die Nation forderte Köhler die Regierung auf, die Reformen schneller voranzutreiben. Kritisch äußerte er sich auch zur Einführung des Mindestlohns im Postsektor: "Ein Mindestlohn, der von wettbewerbsfähigen Arbeitgebern nicht gezahlt werden kann, vernichtet Arbeitsplätze".

Am 22. Mai 2008 sagte Köhler, er wolle für eine zweite Amtszeit als Präsident kandidieren. Am 23. Mai 2009 wurde er von der Bundesversammlung wiedergewählt und am 1. Juli 2009 für eine zweite Amtszeit vereidigt.

Im November 2009 weigerte sich Köhler, das "Zugangserschwerungsgesetz" ohne weitere Informationen in Kraft zu setzen. Das Gesetz, mit dem der Zugang zu kinderpornografischen Seiten im World Wide Web erschwert werden soll, wird von vielen Rechtsexperten als verfassungswidrig angesehen.

Rücktritt

Am 31. Mai 2010 gab Köhler seinen Rücktritt als Bundespräsident Deutschlands bekannt. Dies geschah, nachdem deutsche Politiker Äußerungen Köhlers im Zusammenhang mit militärischen Auslandseinsätzen kritisiert hatten:

In die Kritik geriet er wegen seiner Aussage, dass die deutschen Militärmissionen im Ausland auch der Sicherung des Handels dienten. Anschließend erklärte er, dass sich seine Äußerungen auf die Piraterie vor der Küste Somalias bezogen. Köhler stellte fest, dass der Vorwurf, er habe im Interview seine formale Rolle überschritten, indem er eine verfassungswidrige Position befürwortete, nicht stichhaltig sei. Nachdem er in der Auseinandersetzung keine Unterstützung erhielt, trat Köhler am 31. Mai 2010 zurück. Er gab eine Erklärung ab, in der er sagte: "Ich erkläre meinen Rücktritt vom Amt des Präsidenten mit sofortiger Wirkung". Der Rücktritt wurde als "Überraschung" betrachtet. In den folgenden Tagen wurde er dafür kritisiert, dass er nicht in der Lage sei, mit Kritik umzugehen, während er selbst ein strenger Kritiker sei. Sein beispielloser Akt des sofortigen Rücktritts wurde auch als ein Zeichen mangelnden Respekts für seine Position gewertet.

Wie im Grundgesetz festgeschrieben, wurden die Befugnisse des vakanten Amtes vom derzeitigen Bundesratspräsidenten Jens Böhrnsen ausgeübt, bis Christian Wulff am 30. Juni 2010 zum Präsidenten gewählt wurde.

Horst Köhler in Brackenheim nach der Enthüllung einer Bronzestatue von Theodor HeussZoom
Horst Köhler in Brackenheim nach der Enthüllung einer Bronzestatue von Theodor Heuss

Horst Köhler und Václav Havel, 2000Zoom
Horst Köhler und Václav Havel, 2000

Persönliches Leben

Horst Köhler ist mit Eva Köhler, einer Lehrerin, verheiratet. Sie haben zwei Kinder, eine Tochter Ulrike (geboren 1972) und einen Sohn Jochen (geboren 1977). Seine Tochter, die an Retinitis pigmentosa leidet, erblindete als Teenager. Horst Köhler ist Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland. []

Fragen und Antworten

F: Wie lautet der Name des deutschen Politikers, der in diesem Artikel erwähnt wird?


A: Der deutsche Politiker, der in diesem Artikel erwähnt wird, heißt Horst Köhler.

F: Welcher politischen Partei gehörte Horst Köhler an?


A: Horst Köhler gehörte der Christlich Demokratischen Union (CDU) an.

F: Wann wurde Horst Köhler zum Bundespräsidenten von Deutschland gewählt?


A: Horst Köhler wurde am 23. Mai 2004 zum Bundespräsidenten von Deutschland gewählt.

F: Wie viele Amtszeiten hat er als Bundespräsident von Deutschland absolviert?


A: Er hatte zwei Amtszeiten als Bundespräsident, von 2004 bis 2010.

F: Welchen Beruf übte Horst Köhler vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten aus?


A: Vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten hatte Horst Köhler eine Karriere in der Politik, im öffentlichen Dienst und als Bankmanager. Außerdem war er von 2000 bis 2004 Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und von 1998 bis 2000 Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

F: War er während seiner Amtszeit als Präsident weiterhin beliebt?


A: Ja, obwohl das Amt des Präsidenten weniger einflussreich ist als das des Bundeskanzlers und sich hauptsächlich mit zeremoniellen Angelegenheiten befasst, war Köhler während seiner Amtszeit ein sehr beliebter Politiker.

F: Hat er irgendwelche Änderungen an der Art und Weise vorgeschlagen, wie Präsidenten in Deutschland gewählt werden?


A: Ja, er schlug vor, dass die Präsidenten direkt gewählt werden sollten, wie es zuvor unter der Weimarer Verfassung der Fall war.


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