Julius Streicher (12. Februar 1885 – 16. Oktober 1946) machte Propaganda für Nazideutschland. Er gab die rassistische Zeitung Der Stürmer heraus. Sein Verlag verkaufte auch drei antisemitische Kinderbücher, darunter 1938 Der Giftpilz (1938). Dies war eines der meistgelesenen Propagandabücher. In dem Buch hieß es, dass jüdische Menschen gefährlich seien, genau wie ein gut aussehender, aber tödlicher Pilz.

Streicher gründete Der Stürmer Anfang der 1920er Jahre und gab die Zeitung bis zum Kriegsende heraus. Das Blatt zeichnete sich durch volksverhetzende Texte, entwürdigende Karikaturen, Sensationsmache und wiederholte Verleumdungen jüdischer Menschen aus. Es wurde bewusst als Massenmedium eingesetzt: an Marktständen und in Straßenverkäufen verbreitet, zielte es auf die breite Bevölkerung und trug zur Entmenschlichung und Diskriminierung von Jüdinnen und Juden bei.

Politisch war Streicher lange Zeit eine prominente Figur in der NS-Bewegung; er hatte erheblichen Einfluss in Franken. Im Jahr 1940 verlor er jedoch seine offiziellen Funktionen und damit weitgehend die staatlichen Ämter, blieb aber als Herausgeber und Provokateur aktiv. Sein Wirken bestand weniger in administrativer Politik als vor allem in der systematischen Verbreitung von Hasspropaganda, die von Historikern und Gerichten als Beitrag zur Legitimierung Verfolgung und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden bewertet wird.

Wirkung und Methoden

Der Stürmer arbeitete mit einfachen, einprägsamen Bildern, stereotypen Darstellungen und großformatigen Schlagzeilen, um Ressentiments zu schüren. Die Veröffentlichungen richteten sich ausdrücklich auch an Kinder und konservierten antisemitische Vorurteile generationenübergreifend. Die systematische Diffamierung, die Darstellung von Jüdinnen und Juden als Bedrohung und die wiederholte Hetze schufen ein Klima, in dem Diskriminierung, Entrechtung und schließlich Massenmord erleichtert wurden.

Prozess und Urteil

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Streicher in den Nürnberger Prozessen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Die Internationale Militärtribunal sah in seiner fortwährenden Hetze und Propaganda einen kausalen Beitrag zur Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden. Das Urteil wurde am 1. Oktober 1946 verkündet; Streicher wurde zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Sein Versuch, sich als bloßen Journalist unter dem Schutz der Pressefreiheit darzustellen, hielt vor dem Tribunal nicht stand.

Die Verantwortung Streicher’s zeigt, wie Massenmedien und gezielte Hetze zur Vorbereitung und Legitimation von Gewalt beitragen können. Historiker und Pädagogen nutzen die Fälle wie Der Stürmer heute, um zu erklären, wie Propaganda funktioniert und wie wichtig Widerstand gegen Antisemitismus, Desinformation und Ausgrenzung ist.