Der Nussknacker ist ein klassisches Ballett in zwei Akten. Es basiert auf E.T.A. Hoffmanns Märchen Der Nussknacker und der Mäusekönig von 1816. Es erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das am Heiligabend ins Land der Süßigkeiten fährt. Ivan Vsevolozhsky und Marius Petipa adaptierten Hoffmanns Geschichte für das Ballett. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky schrieb die Musik. Marius Petipa und Lew Iwanow gestalteten die Tänze. Der Nussknacker wurde am 18. Dezember 1892 am Mariinsky-Theater in St. Petersburg, Russland, mit bescheidenem Erfolg uraufgeführt und in den folgenden Jahren nur selten gesehen.
1940 verwendete Walt Disney einen Teil der Nussknackermusik in seinem Zeichentrickfilm Fantasia, was zu einem Interesse am Ballett führte. Das Interesse wuchs, als George Balanchines Der Nussknacker in den späten 1950er Jahren im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Seitdem ist das Ballett an vielen verschiedenen Orten aufgeführt worden. Vor der Uraufführung nahm Tschaikowsky einige Nummern aus dem Ballett zur Nussknacker-Suite zusammen. Dieses Werk war ein großer Erfolg auf der Konzertbühne und wird auch heute noch gespielt.
Handlung und Figuren: In der Ballettfassung wurden Hoffmanns düstere Elemente stark entschärft; die Handlung erscheint als märchenhafte Traumreise. Die Hauptfigur heißt je nach Inszenierung Clara oder Marie (in vielen russischen Produktionen Masha). Zu den wichtigen Figuren gehören Drosselmeyer (der geheimnisvolle Patenonkel und Erfinder), der Nussknacker (der sich in einen Prinzen verwandelt) und der Mäusekönig. Im zweiten Akt besucht die Heldin das Land der Süßigkeiten, in dem zahlreiche Divertissements berühmte Tänze bilden.
Berühmte Tänze und Instrumentation: Tschaikowskys Suite und das vollständige Bühnenwerk enthalten viele heute ikonische Nummern, etwa den Tanz der Zuckerfee (Dance of the Sugar Plum Fairy), den Blumenwalzer (Waltz of the Flowers) sowie die Tänze, die verschiedene „Länder“ repräsentieren (Spanien, Arabien, China, Russland u. a.). Für den zarten Klang des Tanzes der Zuckerfee verwendete Tschaikowsky die neuartige Celesta, deren silbrig-glockiger Ton zu einem der markantesten Klänge des Werks geworden ist.
Die Nussknacker-Suite, Op. 71a: Tschaikowsky stellte vor der Bühnenaufführung eine Suite aus ausgewählten Nummern zusammen, die als Konzertstück großen Erfolg hatte. Die Suite umfasst mehrere kurze Sätze, darunter:
- Marsch
- Tanz der Zuckerfee
- Arabischer Tanz
- Chinesischer Tanz
- Russischer Tanz
- Tanz der Rohrflöten (Reed Flutes)
- Blumenwalzer
Rezeption und Wirkung: Obwohl die Uraufführung nur mäßig aufgenommen wurde, entwickelte sich Der Nussknacker im 20. Jahrhundert zu einem der meistgespielten Ballettwerke weltweit, vor allem als Weihnachtsaufführung. Unterschiedliche Choreografen schufen zahlreiche Neuinterpretationen – von dem klassischen Ansatz Balanchines bis zu modernen oder erzählerisch veränderten Versionen. Die Kombination aus eingängiger, farbenreicher Musik und märchenhafter Bildsprache macht das Werk für Kinder und Erwachsene gleichermaßen attraktiv.
Typische Inszenierungen: Viele Compagnien führen das Ballett jährlich in der Advents- und Weihnachtszeit auf; dabei wechseln sich Laien- und Kinderrollen mit den Solisten der Compagnie ab. Manche Produktionen legen stärkeren Wert auf ursprünglichen Tanzstil und Kostüme, andere auf neue Deutungen, Bühnenbild oder theatrale Elemente.
Fazit: Der Nussknacker verbindet Tschaikowskys melodische Erfindungsgabe mit einer bildhaften, festlichen Erzählung. Die Nussknacker-Suite machte die Musik früh bekannt, und durch Film- und Fernsehproduktionen sowie zahlreiche Balletthäuser wurde das Stück schließlich zu einem festen Bestandteil des Ballettrepertoires und zu einem kulturellen Symbol der Weihnachtszeit.





