In der organischen Chemie ist eine elektrozyklische Reaktion eine Art perizyklische Umlagerungsreaktion. Die Reaktion ist elektrozyklisch, wenn das Ergebnis ist, dass eine pi-Bindung zu einer Sigma-Bindung oder eine Sigma-Bindung zu einer pi-Bindung wird. Elektrozyklische Reaktionen haben die folgenden Eigenschaften gemeinsam:
- elektrozyklische Reaktionen werden durch Licht (photoinduziert) oder Wärme (thermisch) ausgelöst
- der Reaktionsmodus wird durch die Anzahl der pi-Elektronen in dem Teil mit mehr pi-Bindungen bestimmt
- eine elektrozyklische Reaktion kann einen Ring schließen (Elektrozyklisierung) oder einen Ring öffnen
- Die Stereospezifität wird durch eine conrotatorische oder disrotatorische Übergangszustandsbildung bestimmt, wie sie durch die Woodward-Hoffmann-Regeln vorhergesagt wird.
Die Drehmomentselektivität in einer elektrozyklischen Reaktion bezieht sich auf die Drehrichtung der Substituenten. Beispielsweise können sich die Substituenten in einer Reaktion, die rotierend abläuft, noch in zwei Richtungen drehen. Dabei entsteht ein Gemisch aus zwei spiegelbildlich zueinander stehenden Produkten (Enantiomerenprodukte). Eine Reaktion, die drehmomentabhängig ist, schränkt eine dieser Drehrichtungen (teilweise oder vollständig) ein, um ein Produkt im Enantiomeren-Überschuss zu erzeugen (wobei ein Stereoisomer viel mehr produziert wird als das andere).
Chemiker interessieren sich für elektrozyklische Reaktionen, weil die Geometrie der Moleküle eine Reihe von Vorhersagen der theoretischen Chemiker bestätigt. Sie bestätigen die Erhaltung der molekularen Bahnsymmetrie.
Die Nazarov-Zyklisierungsreaktion ist eine elektrozyklische Reaktion, die einen Ring schließt. Dabei werden Divinylketone in Cyclopentenone umgewandelt. (Sie wurde von Iwan Nikolajewitsch Nasarow (1906-1957) entdeckt).
Ein Beispiel ist die thermische Ringöffnungsreaktion von 3,4-Dimethylcyclobuten. Das cis-Isomer liefert nur cis,trans-2,4-Hexadien. Das trans-Isomer ergibt jedoch das trans,trans-Dien:

Die frontier-orbitale Methode erklärt, wie diese Reaktion abläuft. Die Sigma-Bindung im Reaktanten öffnet sich so, dass die resultierenden p-Orbitale die gleiche Symmetrie aufweisen wie das höchste besetzte Molekülorbital (HOMO) des Produkts (ein Butadien). Dies kann nur bei einer rotatorischen Ringöffnung geschehen, die zu entgegengesetzten Vorzeichen für die beiden Lappen an den gebrochenen Enden des Rings führt. (Eine disrotatorische Ringöffnung würde eine Anti-Bindung bilden.) Das folgende Diagramm zeigt dies:

Die Stereospezifität des Ergebnisses hängt davon ab, ob die Reaktion durch einen rotatorischen oder disrotatorischen Prozess verläuft.








