Les Six (ausgesprochen "Le sees") ist französisch für "Die Sechs". Les Six waren eine Gruppe von sechs französischen Komponisten, die um das Jahr 1920 befreundet waren. Sie waren zu dieser Zeit jung und teilten viele Ideen über Musik. Der Komponist Erik Satie nannte sie "Les Nouveaux Jeunes", aber dann nannte ein Mann namens Henri Collet sie in einem Artikel, den er schrieb, "Les Six", und dieser Name wurde danach immer wieder für sie verwendet.

In ihrer Musik versuchten sie, anders zu sein als Richard Wagner und andere Komponisten der Romantik und anders als Debussy und Ravel, die impressionistische Musik geschrieben hatten. Sie wollten auch auf einfache Weise schreiben, anstatt komplizierte Rhythmen wie die von Strawinsky oder Zwölftonmusik wie Arnold Schönberg zu verwenden. Viele ihrer Stücke waren recht kurz. Sie mochten starke, maskuline Musik, besonders Jazz.

Die sechs Komponisten blieben nicht sehr lange zusammen, da sie in ihren Kompositionen bald ihren eigenen persönlichen Stil entwickelten.

Wer gehörte zu Les Six?

Die sechs Mitglieder waren:

  • Darius Milhaud – sehr produktiv, bekannt für seine Polytonalität und Werke wie Le bœuf sur le toit.
  • Arthur Honegger – schrieb u. a. das orchestral wirkungsvolle Stück Pacific 231 und später sinfonische Werke.
  • Francis Poulenc – wohl der populärste in späteren Jahren; bekannt für Kammermusik, Lieder, Klavierstücke und die Oper Dialogues des Carmélites.
  • Georges Auric – schrieb später viel Filmmusik und Bühnenmusik.
  • Louis Durey – politisch engagiert, komponierte zunächst im gleichen Umfeld, entfernte sich später von der Gruppe und arbeitete oft unabhängig.
  • Germaine Tailleferre – die einzige Frau in der Gruppe, bekannt für klare, leuchtende und oft neoklassizistische Musik für Piano, Kammerensemble und Orchester.

Ästhetik und Absichten

Les Six waren nicht eine geschlossene Schule mit einem dogmatischen Programm, sondern eher ein loser Kreis mit gemeinsamen Vorlieben. Sie suchten:

  • klare, einfache Formen statt überschäumender Romantik;
  • Direktheit und Humor in der Musik;
  • eine Rückkehr zu einer gewissen Neoklassik und Handhabbarkeit der Komposition;
  • Einflüsse aus populärer Musik, Cabaret und Jazz;
  • eine Abgrenzung gegen die komplexen rhythmischen Experimente einiger Zeitgenossen sowie gegen die Zwölftonmusik.

Gemeinsame Projekte

Obwohl sie individuell arbeiteten, gab es auch gemeinsame Unternehmungen: so beteiligten sich die Komponisten an Sammelwerken wie dem Album des Six und an Bühnenprojekten wie Jean Cocteaus und Igor Strawinskys Umfeld. Ein bekanntes Gemeinschaftswerk ist das Ballett Les mariés de la tour Eiffel (1921), zu dem mehrere Mitglieder Beiträge lieferten. Solche Zusammenarbeiten symbolisierten eher eine künstlerische Stimmung und Freundschaft als eine einheitliche künstlerische Doktrin.

Entwicklung und Nachwirkung

Die enge Verbindung bestand nur über wenige Jahre; schon in den 1920er und 1930er Jahren gingen die Wege auseinander, und jeder entwickelte seinen eigenen Stil. Trotzdem hatte die Gruppe eine beträchtliche Wirkung auf die französische Musiklandschaft des 20. Jahrhunderts:

  • sie förderte die Rückkehr zu Einfachheit und Klarheit;
  • einige Mitglieder (z. B. Poulenc, Milhaud, Honegger) wurden Dauerbrenner im Konzertleben;
  • mitglieder wie Auric beeinflussten die Filmmusik, andere trugen zur Wiederbelebung kammermusikalischer Formen bei;
  • Germaine Tailleferre gilt heute als wichtige Vertreterin französischer Musik jener Zeit, und das Interesse an den Werken der Gruppe ist in Musikwissenschaft und Konzertprogrammierung bis heute präsent.

Kurz: Les Six waren weniger eine geschlossene "Schule" als ein kulturelles Phänomen der frühen 1920er Jahre – ein lockerer Kreis junger Komponisten, die mit Witz, Klarheit und einer Neigung zum Populären auf die Musikgeschichte ihrer Zeit reagierten und deren einzelne Mitglieder später in sehr unterschiedlichen Bahnen erfolgreich wurden.