Die Mittlere Passage war der Teil des atlantischen Sklavenhandels, in dem afrikanische Sklaven auf Sklavenschiffen nach Amerika gebracht wurden. Millionen von Afrikanern wurden über die Mittlere Passage nach Amerika verschifft.

Die Sklaven wurden auf den Sklavenschiffen so schlecht behandelt, dass etwa 15% von ihnen während der Mittleren Passage starben. Noch mehr wurden getötet, bevor sie Afrika verließen, als Sklavenhändler versuchten, sie zu entführen und auf die Sklavenschiffe zu zwingen. Historiker gehen davon aus, dass bis zu zwei Millionen afrikanische Menschen während der Mittleren Passage starben. Irgendwo zwischen 9,4 und 12 Millionen Afrikaner überlebten jedoch die Mittlere Passage und kamen als Sklaven nach Amerika.

Zeitlicher Rahmen und Zusammenhang

Die Mittlere Passage war ein zentraler Teil des sogenannten Dreieckshandels zwischen Europa, Afrika und Amerika. Der Handel begann bereits im 16. Jahrhundert, erreichte seinen Höhepunkt im 18. Jahrhundert und dauerte in unterschiedlicher Form bis ins 19. Jahrhundert an. Europäische Schiffe brachten gefertigte Waren nach Afrika, tauschten diese gegen Menschen, transportierten die versklavten Menschen nach Amerika und brachten von dort Rohstoffe wie Zucker, Baumwolle oder Tabak zurück nach Europa.

Bedingungen an Bord

Die Lebens- und Transportbedingungen auf den Schiffen waren extrem menschenunwürdig. Versklavte Menschen wurden oft eng zusammengepfercht, gefesselt und ohne ausreichende Hygiene, Nahrung oder sauberes Wasser transportiert. Krankheiten wie Pocken, Dysenterie oder Tuberkulose verbreiteten sich schnell in solchen beengten Verhältnissen. Zusätzlich zur Krankheit führten Misshandlung, Unterernährung, Gewalt und sexualisierte Gewalt zu hoher Sterblichkeit und großem Leid. Viele Menschen versuchten, sich durch Hungerstreik oder Suizid dem weiteren Leiden zu entziehen; es gab auch Fälle von Aufständen an Bord.

Sterblichkeit und Zahlen

Schätzungen für die Opferzahlen der Mittleren Passage variieren. Die Angabe von rund 15% Sterblichkeit während der Überfahrt ist eine verbreitete Schätzung, doch je nach Zeit, Route und Art des Transports konnten die Verluste darüber oder darunter liegen. Zusätzlich zu den Todesfällen während der Überfahrt starben zahlreiche Menschen bereits vor dem Einschiffungsprozess durch Gewalt, Gewaltmärsche, Misshandlungen und Krankheiten. Insgesamt führten diese Verluste zu einem enormen demografischen Einschnitt für Teile Afrikas.

Folgen in Afrika und Amerika

Die Mittlere Passage und der transatlantische Sklavenhandel hatten weitreichende Folgen:

  • Demografische Auswirkungen: Verlust von Millionen Menschen, häufig junge und arbeitsfähige Personen, mit langfristigen Folgen für Bevölkerungsstruktur und Wirtschaft in vielen Regionen West- und Zentralafrikas.
  • Soziale und politische Folgen: Intensivierung von Gewalt, Kriegen und Sklavenrazzien zwischen afrikanischen Gemeinschaften; Auflösung familiärer und gesellschaftlicher Strukturen.
  • Kulturelle Folgen: Die Zwangsverschleppung prägte Kultur, Sprache und Religionen in den Amerikas; aus afrikanischen Traditionen entstanden neue, synkretistische Kulturen.
  • Wirtschaftliche Effekte: Profite aus Plantagenwirtschaft und Rohstoffexporten trugen zur ökonomischen Entwicklung europäischer und amerikanischer Kolonien bei, beruhen aber auf Ausbeutung und Gewalt.

Widerstand, Abschaffung und Erinnerung

Auf der Mittleren Passage kam es zu Rebellionen an Bord und zu Fluchtversuchen. In den Kolonien und in Europa entwickelten sich im 18. und 19. Jahrhundert Abolitionismus-Bewegungen, die schließlich zur Schaffung von Verboten des Sklavenhandels und zur Abschaffung der Sklaverei führten (beispielsweise das britische Verbot des Sklavenhandels 1807 und das US-Verbot der Einfuhr von Sklaven 1808). Dennoch setzte illegaler Handel noch längere Zeit fort.

Heute ist die Mittlere Passage ein zentrales Thema in der historischen Forschung und im öffentlichen Gedenken. Museen, Denkmäler und Bildungsprojekte befassen sich mit dem Leiden der Opfer, den historischen Ursachen und den langfristigen Folgen. Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte ist wichtig, um die tiefen sozialen und kulturellen Folgen der Sklaverei zu verstehen und aktuelle Debatten über Erinnerung, Gerechtigkeit und Versöhnung zu informieren.

Wichtig: Die Mittlere Passage war nicht nur ein historisches Ereignis mit statistischen Größen – sie steht für individuelle Schicksale, Leid und die gewaltsame Entwurzelung von Millionen Menschen. Das Wissen darüber ist Grundlage für historisches Verständnis und heutige Erinnerungskultur.