Die Pakistan-Bewegung (auch Tehrik-e-Pakistan, Urdu genannt: تحریکِ پاکستان) war eine politische Bewegung, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Britisch-Indien entstand und sich für die Schaffung eines unabhängigen Staates für die muslimische Bevölkerung einsetzte. Zu dieser Zeit gehörte Britisch-Indien zu Großbritannien. Die Bevölkerungsmehrheit in Britisch-Indien bestand aus Hindus und Muslimen; viele muslimische Führer und Teile der muslimischen Bevölkerung befürchteten, ohne besondere politische Garantien nach dem Abzug der Briten politisch und gesellschaftlich benachteiligt zu werden. Aus dieser Sorge heraus entwickelte sich die Forderung nach einem eigenen Staat.
Die Bewegung wurde hauptsächlich von der All India Muslim League organisiert, die 1906 gegründet worden war. Im Lauf der Jahrzehnte veränderte sich ihre Politik: von anfänglicher Kooperation mit anderen politischen Kräften (beispielsweise beim Lucknow-Pakt von 1916) hin zu einer klaren Forderung nach einem getrennten Staat für Muslime, besonders in den 1930er und 1940er Jahren. Ein wichtiger ideologischer Grundsatz war die sogenannte Two-Nation-Theorie, die die Muslime als eigenständige politische Gemeinschaft betrachtete.
Zentrale Ziele der Bewegung waren unter anderem:
- Schaffung eines unabhängigen Staates, in dem Muslime ihre politischen und kulturellen Rechte schützen konnten
- Sicherung politischer Vertretung und administrativer Autonomie für muslimische Mehrheiten in bestimmten Provinzen
- Schutz wirtschaftlicher und sozialer Interessen der muslimischen Gemeinschaft
- Vermeidung einer von Hindus dominierten Zentralregierung ohne wirksame Minderheitenschutzmechanismen
Wichtige Ereignisse im Verlauf der Bewegung umfassen die zunehmende Mobilisierung der Muslim League in den 1930er Jahren, die Verabschiedung der so genannten Lahore-Resolution (auch Pakistan-Resolution) am 23. März 1940, die die Forderung nach unabhängigen, zusammenhängenden Staaten mit muslimischer Mehrheit in Nordwest- und Ostindien bekräftigte, sowie die politischen Verhandlungen und die Eskalation zwischen 1946 und 1947. Der Vorschlag zur Teilung Indiens wurde schließlich in der sogenannten Mountbatten-Plan-Vorlage und dem anschließenden Vorschlag der Radcliffe-Kommission umgesetzt; die formale Unabhängigkeit erfolgte im August 1947.
Die Umsetzung der Teilung führte zu massiven Bevölkerungsverschiebungen, gewalttätigen Auseinandersetzungen und humanitären Katastrophen. Schätzungen zufolge forderten die Unruhen und Vertreibungen Hunderttausende bis eventuell über eine Million Tote; Millionen Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und neu anzusiedeln. Das neu entstandene Pakistan umfasste anfänglich zwei geographisch getrennte Landesteile, West- und Ostpakistan (letzteres wurde 1971 als Bangladesch unabhängig).
Führung und wichtige Persönlichkeiten
Die Bewegung wurde vor allem von Quaid-e-Azam Muhammad Ali Jinnah angeführt, der zur zentralen politischen Figur der Pakistan-Bewegung wurde. Weitere wichtige Führer und Unterstützer waren unter anderem:
- Nawab Muhammad Ismail Khan
- Raja Amir Ahmed Khan von Mahmudabad
- Sir Sikandar Hayat Khan
- Nawabzada Liaquat Ali Khan (erster Premierminister Pakistans)
- Fatimah Jinnah (Schwester von Jinnah und prominente Unterstützerin)
- Amjadi Bano Begum
- Sir Abdullah Haroon
- Khawaja Nazimuddin
- Huseyn Shaheed Suhrawardy
- Sardar Shaukat Hayat Khan
- Chaudhry Khaliquzzaman
- A.K. Fazlul Huq
- Aurangzeb Khan
- Qazi Muhammad Isa
- Abdur Rab Nishtar
Folgen und Bewertung
Die Pakistan-Bewegung führte 1947 zur Teilung des britischen Territoriums auf dem indischen Subkontinent und zur Gründung des Staates Pakistan. Diese Teilung ist bis heute historisch, politisch und gesellschaftlich umstritten: Sie wird einerseits als erfolgreiche Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts einer großen Bevölkerungsgruppe gesehen, andererseits kritisieren Historiker und Zeitzeugen die gewaltsamen Folgen, die Vertreibung und die politischen Entscheidungen, die zur Trennung führten. Die Debatten um die Gründe, die Legitimität und die langfristigen Folgen der Pakistan-Bewegung dauern in Wissenschaft und Öffentlichkeit bis heute an.
Insgesamt war die Pakistan-Bewegung ein komplexer Prozess, in den politische Führer, religiöse und kulturelle Identitäten, koloniale Machtverhältnisse sowie soziale und wirtschaftliche Faktoren verwoben waren. Ihre Ergebnisse haben die politische Ordnung Südasiens bis in die Gegenwart tief geprägt.

