Albert Roussel – Leben und Werk des französischen Komponisten (1869–1937)
Albert Roussel (1869–1937): Leben & Werk des französischen Komponisten — von Impressionismus zu Neoklassizismus, prägend in der Zwischenkriegszeit.
Albert Charles Paul Marie Roussel (5. April 1869 – 23. August 1937) war ein französischer Komponist. Er wurde in Tourcoing (Nord) geboren und verbrachte im jungen Erwachsenenalter sieben Jahre als Fähnrich in der Marine. Erst als Erwachsener wandte er sich der Musik zu und beschäftigte sich autodidaktisch sowie später formell mit Kompositionsstudien. Roussel wurde zu einem der wichtigsten Komponisten der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen. Seine frühere Musik entstammt dem Impressionismus von Debussy und Ravel. Mit seiner späteren Musik wandte er sich mehr dem Neoklassizismus zu.
Leben
Roussel begann seine berufliche Laufbahn außerhalb der Musik, seine Zeit in der Marine prägte jedoch sein späteres musikalisches Empfinden – besonders in Bezug auf Rhythmus und Klangfarben. In seinen dreißiger Jahren entschied er sich, ernsthaft Komposition zu studieren. Er war Schüler des konservativen Lehrers Vincent d'Indy an der Schola Cantorum in Paris, wo er sich intensiv mit Kontrapunkt und klassischer Formtechnik auseinandersetzte. In der Folge widmete er sich vollständig dem Komponieren und wurde bald durch Aufführungen seiner Orchester- und Bühnenwerke bekannt.
Werk und Stil
Roussels Stil ist charakterisiert durch klare formale Konturen, kraftvolle rhythmische Gestik und eine gewisse Neigung zu modalem oder tonal-erweiterndem Satz. Während seine frühen Werke deutlich vom französischen Impressionismus beeinflusst sind, zeigen seine späteren Kompositionen eine Rückkehr zu strengerer Form und klassischer Balance – Gründe dafür sind sein Studium des Kontrapunkts und das Interesse an archaischen und äußeren musikalischen Vorbildern. Seine Orchestrierung ist oft farbig und präzise, zugleich findet sich in vielen Werken eine konservative, handwerklich solide Harmonik.
Bedeutende Werke
- Le Festin de l'araignée (Das Festmahl der Spinne) – Ballett-/Orchesterwerk, eines seiner bekanntesten und oft gespielten Orchesterstücke.
- Mehrere Opern und Bühnenwerke, darunter das exotisch gefärbte Padmâvatî, das zu seinen größeren szenischen Arbeiten zählt.
- Vier Sinfonien, die seine Entwicklung vom impressionistischen Klangbild zur neoklassizistischen Strenge dokumentieren.
- Konzerte, Kammermusik, Klavierstücke und Vokalkompositionen, die sein breites kompositorisches Spektrum zeigen.
Wirkung und Rezeption
Zu seinen Lebzeiten wurde Roussel sowohl als Bewahrer klassischer Techniken als auch als moderner Komponist anerkannt. Nach 1918 gewann seine Musik an Ruf, insbesondere wegen ihrer straffen Architektur und rhythmischen Energie, die ihn von einigen Zeitgenossen unterscheidet. Heute wird Roussels Werk regelmäßig in Konzerten gespielt und aufgenommen; vor allem seine Orchesterstücke und Ballettmusik haben einen festen Platz im französischen Repertoire.
Vermächtnis
Albert Roussel hinterließ ein umfangreiches, stilistisch eigenständiges Œuvre, das die Übergangszeit zwischen späten Impressionismus und Neoklassizismus prägt. Seine Kombination aus technischer Disziplin und klanglicher Erfindungsgabe macht ihn zu einem wichtigen Bindeglied in der französischen Musikgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Er starb am 23. August 1937; sein Werk wirkt bis heute in Aufführung und Forschung nach.

Albert Roussel
Persönliches Leben

Albert Roussel wurde in Tourcoing (Departement Nord von Frankreich) geboren. Sein frühestes Interesse galt nicht der Musik. Es war die Mathematik. Er verbrachte einige Zeit in der französischen Marine. In den Jahren 1889 und 1890 diente er in der Besatzung der Fregatte Iphigénie. Diese Reisen waren für seine spätere Karriere als Komponist von großer Bedeutung. Das liegt daran, dass viele seiner musikalischen Werke sein Interesse an weit entfernten und interessanten Orten widerspiegeln würden.
Nachdem Roussel 1894 die Marine verließ, begann er ein Musikstudium bei Eugène Gigout. Er setzte seine Studien bis 1908 an der Schola Cantorum fort (einer seiner Lehrer dort war Vincent d'Indy). Während seines Studiums unterrichtete er auch an der Scola Cantorum. Seine Mitstudenten waren ErikSatie und der junge Edgard Varèse.
Während des Ersten Weltkriegs diente er als Krankenwagenfahrer an der Westfront. Nach dem Krieg kaufte er ein Sommerhaus in der Normandie. Dort widmete er die meiste Zeit dem Komponieren von Musik.
Roussel war ein Klassizist. Einige seiner ersten Werke sind dem Impressionismus sehr ähnlich. Aber er fand bald einen Stil, der genau zu ihm passte. Dieser Stil hatte einen starken rhythmischen Klang.
Die Schola Cantorum hinterließ Spuren in Roussels reifem Schreiben. Verglichen mit dem Stil anderer französischer Komponisten wie Gabriel Fauré oder Claude Debussy ist Roussels Orchestrierung eher kraftvoll und schwerfällig.
Roussel mochte auch Jazz. Er schrieb eine Komposition für Klavier und Gesang mit dem Titel Jazz dans la nuit. Diese hat viel mit anderen vom Jazz beeinflussten Werken wie dem "Blues", dem zweiten Satz der Violinsonate von Maurice Ravel, gemeinsam.
Zu Roussels wichtigsten Stücken gehören seine Ballette. Es sind Le festin de l'araignée, Bacchus et Ariane und Aeneas. Zu seinen weiteren Werken gehören vier Sinfonien (die dritte ist die am häufigsten gespielte), ein Klavierkonzert, ein Concertino für Violoncello und Orchester, eine Psalmvertonung für Chor und Orchester, Theatermusik, Soloklaviermusik und Lieder. Er starb 1937 in der westfranzösischen Stadt Royan. Das ist das gleiche Jahr, in dem seine Landsleute Ravel, Charles-Marie Widor und Gabriel Pierné starben.
Arturo Toscanini nahm die Suite aus dem Ballett Le festin de l'araignée in eines seiner Konzerte mit dem NBC Symphony Orchestra auf. Georges Prêtre nahm dieselbe Musik 1984 mit dem Orchestre National de France für EMI auf.
Werke
Bühne
- Le marchand de sable qui passe, Bühnenmusik für ein Theaterstück, Le Havre, 16. Dezember 1908, op. 13
- Le festin de l'araignée, Ballett in einem Akt. f.S. 3. April 1913, op. 17
- Padmâvatî, Oper in 2 Akten (1913-18, Louis Laloy, nach T.-M. Pavie). f.p. Pariser Opéra, 1. Juni 1923, op. 18
- La naissance de la lyre, Oper in 1 Akt, Pariser Opéra, 1. Juli 1925, op. 24
- Sarabande (1927; für das Kinderballett L'éventail de Jeanne, zu dem zehn französische Komponisten je einen Tanz beisteuerten)
- Bacchus und Ariadne, Ballett in zwei Akten. f.p. Pariser Opéra, 22. Mai 1931, Op. 43
- Le testament de la tante Caroline, Oper in 3 Akten, 14. November 1936
- Aeneas, Ballett, Op. 54
- Präludium zu Akt 2 von Le quatorze juillet von Romain Rolland, Paris, 14. Juli 1936
- Elpénor, Radiomusik, 1947, op. 59
Orchester
- Evokationen für Orchester Op. 15
- Sinfonietta für Streichorchester, op. 52
- Suite für Orchester in F-Dur, op. 33
- Symphonie Nr. 1 in d-Moll Das Gedicht des Waldes, op. 7
- Sinfonie Nr. 2 in B-Dur, Op. 23
- Sinfonie Nr. 3 in g-Moll, op. 42
- Sinfonie Nr. 4 in A-Dur, Op. 53
Concertante
- Cellokonzertino, op. 57
- Klavierkonzert in G-Dur, op. 36
Vokal/Choral
- Psalm 80 für Tenor, Chor und Orchester, op. 37
Kammer/Instrumental
- Andante und Scherzo, für Flöte und Klavier, op. 51
- Elpenor für Flöte und Streichquartett, op. 59
- Divertissement für Klavier und Bläserquintett, op. 6
- Joueurs de Flûte, Flöte und Klavier, op. 27
- Klaviertrio in Es-Dur, op. 2
- Serenade für Flöte, Streichtrio und Harfe, op. 30
- Sonatine für Klavier, op. 16
- Streichquartett, op. 45
- Streichtrio, op. 58
- Suite für Klavier fis-Moll, op. 14
- Trio für Flöte, Viola und Violoncello, op. 40
- Violinsonate Nr. 1 in d-Moll, op. 11
- Violinsonate Nr. 2 in A-Dur, op. 28
- Segovia, für Gitarre, op. 29
- Impromptu für Harfe
Aufnahmen
- Sinfonie Nr. 3 und Ariadne et Bacchus - Königlich Schottisches Nationalorchester/Stephane Deneve (Naxos Records)
- Sinfonie Nr. 3 - New York Philharmonic/Leonard Bernstein (Sony Classical)
- Sinfonie Nr. 4 - Philharmonia Orchestra/Herbert von Karajan (EMI)
- Sinfonie Nr. 2/Aeneas/ Bacchus/Spinnenfest - ORTF/Jean Martinon(Erato);
- Padmavati (Oper) - London Symphony Orchestra/Jean Martinon (BBC)
- Padmavati - Marilyn Horne, Nicolai Gedda/ Michel Plasson Leitung (EMI)
Fragen und Antworten
F: Wer war Albert Roussel?
A: Albert Roussel war ein französischer Komponist.
F: Hat Albert Roussel seine Karriere in der Musik begonnen?
A: Nein, Roussel verbrachte sieben Jahre als Fähnrich und wandte sich erst als Erwachsener der Musik zu.
F: War Roussel in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen ein berühmter Komponist?
A: Ja, er wurde in dieser Zeit zu einem der wichtigsten Komponisten.
F: Von welchem Musikstil stammt Roussels frühere Musik?
A: Roussels frühere Musik stammt aus dem Impressionismus von Debussy und Ravel.
F: Hat sich Roussels Musikstil im Laufe der Zeit verändert?
A: Ja, mit seiner späteren Musik wandte er sich mehr dem Neoklassizismus zu.
F: Wie lange hat Albert Roussel gelebt?
A: Albert Roussel lebte von 1869 bis 1937, d.h. er war zum Zeitpunkt seines Todes 68 Jahre alt.
F: Wie lautete der vollständige Name von Albert Roussel?
A: Albert Charles Paul Marie Roussel war der vollständige Name von Albert Roussel.
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