Der Koboldhai (Mitsukurina owstoni) ist eine seltene, wenig bekannte Tiefseehaiart. Er wird oft als „lebendes Fossil“ bezeichnet und ist die einzige heute lebende Art der Familie der Mitsukurinidae. Typisch und sofort auffällig ist seine lange, abgeflachte Schnauze (Rostrum), die zusammen mit speziellen Sinnesorganen eine wichtige Rolle bei der Beutesuche in dunklen Tiefen spielt.
Merkmale
Der Koboldhai hat einen schlanken, leicht abgeflachten Körper und eine auffällige, rosafarbene bis graue Hautfärbung, die durch die unter der Haut liegenden Blutgefäße verstärkt wird. Seine wichtigsten Merkmale:
- Schnauze: lang und spitz, mit zahlreichen elektrosensitiven Ampullen (Ampullae von Lorenzini), die elektrische Felder von Beutetieren wahrnehmen.
- Zähne: schmale, nadelartige obere Zähne und größere, kräftigere untere Zähne — angepasst zum Ergreifen und Festhalten von Beute.
- Kiefermechanik: das Kiefer lässt sich schlagartig nach vorn schnellen (sogenanntes „projizierbares Kieferglied“), wodurch Beutetiere gefasst werden können.
- Größe: Männchen können bis zu 3,8 Meter (12,6 Fuß) lang werden, Weibchen bis etwa 3,7 Meter (12,2 Fuß). Der bisher schwerste gefundene Koboldhai wog 210 kg (460 Pfund).
Lebensraum und Verbreitung
Der Koboldhai ist vorwiegend bodenbewohnend und lebt in großen Tiefen; Exemplare wurden in Tiefen bis zu etwa 1.300 Metern (4.265 Fuß) aufgefunden. Er kommt weltweit in tiefen, kühlen Meeresregionen vor und wurde im Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozean nachgewiesen. Häufigere Funde stammen aus Tiefseegebieten vor Japan, aber auch aus anderen Regionen des Atlantiks, Indiks und Pazifiks sind Einzelbeobachtungen bekannt.
Ernährung und Jagdverhalten
Koboldhaie ernähren sich von kleineren Fischen, Kopffüßern (Tintenfische) und gelegentlich Krustentieren. Sie sind relativ langsam beweglich, nutzen aber ihre empfindliche Schnauze und die Ampullen von Lorenzini, um die elektrische Aktivität von Beutetieren aufzuspüren. Beim Angriff fahren sie ihr Kiefer plötzlich nach vorn und schlagen so die Beute in die Zähne — ein effizienter Mechanismus in der dunklen Tiefsee.
Fortpflanzung und Lebensweise
Über Fortpflanzung und Lebenszyklus des Koboldhais ist nur wenig bekannt. Es wird angenommen, dass die Art ovovivipar ist (Eier entwickeln sich im Mutterleib und die Jungen werden lebend geboren), wie es bei vielen anderen Haien der Ordnung Lamniformes der Fall ist. Angaben zu Wurfgröße, Wachstumsrate und Lebensdauer sind jedoch unvollständig und basieren meist auf wenigen Funden.
Beziehung zum Menschen und Schutz
Der Koboldhai stellt für Menschen keine nennbare Gefahr dar, Begegnungen sind wegen seiner Tiefseelebensweise sehr selten. Hauptbedrohungen sind Beifang in Tiefseefischereien und die Auswirkungen menschlicher Tiefseeaktivitäten. Wegen der geringen Datenlage gilt die Art als wenig erforscht; dies erschwert eine zuverlässige Einschätzung des Populationsstatus.
Besonderheiten und Namensgebung
Der Koboldhai wird aufgrund seines ungewöhnlichen Aussehens und seiner stammesgeschichtlichen Stellung oft als „lebendes Fossil“ beschrieben. Der wissenschaftliche Name ehrt die Personen, die an seiner Entdeckung und Beschreibung beteiligt waren: die Gattungsbezeichnung verweist auf den japanischen Zoologen Kakichi Mitsukuri, die Artbezeichnung erinnert an den Sammler Alan Owston.
Zusammenfassend bleibt der Koboldhai eine geheimnisvolle Tiefseespezies: auffällig im Aussehen, faszinierend in seiner Anpassung an das Leben in der Tiefsee und bislang nur bruchstückhaft verstanden.