Hesperornis: Ausgestorbene flugunfähige Wasservögel der Oberkreide
Hesperornis – faszinierende ausgestorbene, flugunfähige Wasservögel der Oberkreide: Entdeckungen, Fossilienfunde in Kansas & Kanada und ihre Rolle in der Vogelpaläontologie.
Hesperornis ist eine ausgestorbene Gattung von flugunfähigen Wasservögeln, die während der Oberkreide (vor 89–65 Millionen Jahren) lebten.
Hesperornis war ein wichtiger früher Fund in der Geschichte der Vogelpaläontologie. Es wurde von dem Paläontologen O.C. Marsh in den Knochenkriegen des späten 19. Jahrhunderts entdeckt.
Beschreibung
Hesperornis war ein spezialisiertes, größtenteils flugunfähiges Meeresvogelwesen mit einem stromlinienförmigen Körper, langen Hals und kräftigen Hinterbeinen. Typische Merkmale sind:
- Zähne: Im Gegensatz zu allen heutigen Vögeln besaß Hesperornis echte Zähne im Ober- und Unterkiefer, die zum Ergreifen von Fischen dienten. Die Zähne standen in Kieferrinnen und sind ein deutliches Merkmal primitiver Vogelformen.
- Flügelreduktion: Die Flügel waren stark verkleinert und konnten offenbar keinen aktiven Flug erzeugen. Sie dienten vermutlich kaum zur Fortbewegung.
- Hinterbeine und Füße: Die Beine waren kräftig, nach hinten orientiert und für das Schwimmen und Tauchen angepasst. Die Fußanatomie deutet auf kraftvolles Beinrudern (fußgetriebene Taucher) hin — vergleichbar mit heutigen Tauchern wie Lappentauchern und Tauchern, jedoch nicht direkt verwandt.
- Größe: Je nach Art erreichte die Gattung eine Körperlänge von etwa 1,5 bis 1,8 Metern.
Lebensweise und Ernährung
Hesperornis war überwiegend piscivor (fischfressend). Die langgestreckten Zähne und der schlanke Schnabel erlaubten das schnelle Ergreifen von Fischen. Die Tiere verbrachten den Großteil ihres Lebens im Wasser, tauchten nach Beute und schwammen mit kräftigen Beinbewegungen. An Land waren sie vermutlich unbeholfen: durch die nach hinten verschobenen Beine konnten sie sich nur schlecht fortbewegen und suchten wahrscheinlich felsige Küsten, Inseln oder flache Strandzonen zum Ausruhen und Brüten auf.
Verbreitung und Fundorte
Berühmte Fundstellen sind die marinen Kalksteine der Oberkreide aus Kansas (z. B. der Niobrara Chalk) und die marinen Schiefer aus Kanada. Die Fossilfunde legen nahe, dass die Gattung eine holarktische bzw. weiter verbreitete Distribution in den nördlichen Meeren der Oberkreide hatte und in den Küstengewässern der großen seichten Meere jener Zeit häufig war.
Fundgeschichte und wissenschaftliche Bedeutung
Die Entdeckungen durch O.C. Marsh im späten 19. Jahrhundert machten Hesperornis zu einer Schlüsselform für das Verständnis der Evolution der Vögel. Die Kombination aus vogelähnlichen Merkmalen (z. B. Körperbau, Flügelstrukturen) und primitiven Eigenschaften (Zähne, spezielle Kieferstruktur) zeigte deutlich, dass frühe Vögel Merkmale teilten, die man sonst bei Reptilien findet. Hesperornis trug damit wesentlich zur Einsicht bei, dass Vögel graduell aus reptilähnlichen Vorfahren hervorgingen.
Systematik und Arten
Die Typusart ist Hesperornis regalis, es wurden aber im Laufe der Forschung mehrere weitere Arten und fragmentarische Funde beschrieben. Die genaue Artzahl und Systematik bleiben teilweise Gegenstand von Revisionen, da neue Funde und moderne Untersuchungsmethoden die Beziehungen innerhalb der Hesperornithiformes weiter klären.
Forschung und offene Fragen
Wichtige Forschungsfragen betreffen Details zur Fortpflanzungsbiologie, zur Häufigkeit von Jungtierfunden, zu Feinden und zur genauen Lebensweise an der Wasseroberfläche versus unter Wasser. Neue paläontologische Methoden wie CT-Scanning, histologische Analysen von Knochen und genauere stratigraphische Untersuchungen helfen, diese Aspekte zunehmend präziser zu beleuchten.
Hesperornis bleibt ein eindrückliches Beispiel für die vielfältigen evolutionären Experimente bei frühen Vögeln und für die Anpassungen an ein lebenstüchtiges, aber flugunfähiges Dasein im Meer der Oberkreide.
Anatomie und Lebensweise
Hesperornis war ein großer Vogel, der bis zu 1,5 Meter (5 Fuß) lang wurde. Er hatte praktisch keine Flügel und schwamm mit seinen kräftigen Hinterbeinen.
Wie viele andere mesozoische Vögel wie der Ichthyornis hatte der Hesperornis Zähne im Schnabel, die zum Halten von Beute (höchstwahrscheinlich Fische) dienten.
Hesperornis jagten in den Gewässern so gegenwärtiger Schelfmeere wie der nordamerikanischen Binnensee, der Turgai-Straße und der prähistorischen Nordsee, die damals subtropische bis tropische Gewässer waren, viel wärmer als heute. Wahrscheinlich ernährten sie sich hauptsächlich von Fischen, vielleicht auch von Krebstieren, Kopffüßern und Muscheln, ebenso wie die tauchenden Seevögel von heute. Ihre Zähne waren hilfreich im Umgang mit schlüpfriger oder hartschaliger Beute.
An Land können die Hesperornis-Arten möglicherweise laufen oder auch nicht. Sie konnten mit Sicherheit nicht aufrecht stehen wie Pinguine, wie in den frühen Rekonstruktionen. Ihre Beine waren weit hinten und seitlich befestigt, wobei sogar der Unterschenkel fest mit dem Körper verbunden war (siehe Foto des Skeletts). So waren sie bestenfalls an Land auf ein unbeholfenes Hoppeln beschränkt und wären flinker gewesen, wenn sie sich durch Gleiten auf dem Bauch oder durch Galoppieren bewegt hätten. Das Beinskelett von Hesperornis war so gründlich an das Tauchen angepasst, dass ihr Verhalten an Land, ihre Eiablage und elterliche Pflege Spekulationssache ist.
Junge Hesperornis wuchsen ziemlich schnell und kontinuierlich bis zum Erwachsenenalter heran, wie es bei modernen Vögeln der Fall ist. Aus den fossilen Aufzeichnungen der nördlicheren Standorte sind mehr Jungvögel bekannt als aus den weiter südlich gelegenen. Dies deutet darauf hin, dass zumindest einige Arten Zugvögel waren, wie die heutigen Pinguine, die im Sommer polwärts schwimmen.
Hesperornis wurde von großen marinen Fleischfressern wie den Mosasauriern gejagt. Ein Tylosaurus-Exemplar enthält in seinem Darmbereich die Knochen eines Hesperornis.
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J.M. Gleesons Wiederherstellung des Hesperornis-Schwimmens, 1902
Fragen und Antworten
F: Was ist Hesperornis?
A: Hesperornis ist eine ausgestorbene Gattung von flugunfähigen Wasservögeln.
F: Wann hat Hesperornis gelebt?
A: Hesperornis lebte in der oberen Kreidezeit, vor etwa 89-65 Millionen Jahren.
F: Wer hat Hesperornis entdeckt?
A: Hesperornis wurde von dem Paläontologen O.C. Marsh entdeckt.
F: Was sind die Knochenkriege?
A: Die Knochenkriege waren eine Zeit im späten 19. Jahrhundert, als rivalisierende Paläontologen heftig um die Entdeckung neuer Fossilien konkurrierten.
F: An welchen berühmten Orten wurden Fossilien von Hesperornis gefunden?
A: Berühmte Fundorte von Hesperornis-Fossilien sind die Meereskalke der oberen Kreidezeit in Kansas und die Meeresschiefer in Kanada.
F: War Hesperornis über die ganze Welt verbreitet?
A: Ja, es wird angenommen, dass Hesperornis wahrscheinlich in der Holarktis verbreitet war.
F: Warum war Hesperornis ein wichtiger Fund in der Geschichte der Paläontologie der Vögel?
A: Hesperornis war ein wichtiger früher Fund in der Geschichte der Vogelpaläontologie, da er eines der ersten Beispiele für einen Wasservogel war und dazu beitrug, das Wissen über die Evolution der Vögel zu erweitern.
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