Kalkstein: Definition, Entstehung, Eigenschaften und Vorkommen
Kalkstein: Entstehung, Eigenschaften & Vorkommen – von organischen Ursprüngen über chemische Bildung bis zu typischen Fundorten, Merkmalen und praktischen Anwendungen.
Kalkstein ist ein Sedimentgestein, das hauptsächlich aus dem Mineral Calcit, einer Form von Kalziumkarbonat, CaCO3, besteht.
Das Kalziumkarbonat wird ursprünglich von lebenden Organismen produziert. Später geht ein Teil davon im Meerwasser in Lösung. Zu den Kalksteinfelsen gehören hauptsächlich organische Überreste und ausgefälltes Karbonat.
Kalkstein macht etwa 10% des Gesamtvolumens aller Sedimentgesteine aus.
Entstehung (Bildung von Kalkstein)
Kalkstein entsteht auf mehreren Wegen, die häufig nebeneinander auftreten:
- Biogene Bildung: Viele Kalksteine bestehen überwiegend aus den Schalen und Skeletten von Meerestieren (Foraminiferen, Korallen, Mollusken, Radiolarien). Diese Organismen produzieren Calciumcarbonat, das nach ihrem Absterben als Sediment auf den Meeresboden gelangt und nach Diagenese verfestigt wird.
- Chemische Ausfällung: In warmen, flachen Meeren oder in Süßwasser können Carbonate direkt aus dem Wasser ausfallen (z. B. in Form von Oolithen oder als travertinartige Bildungen an Quellen).
- Rekristallisation und Diagenese: Während der Verfestigung (Diagenese) können mikritische (feinkörnige) Carbonate rekristallisieren und größere Kristalle (sparit) bilden. Druck, Temperatur und chemische Prozesse verändern Porenraum, Porosität und Textur.
Typen und Gefüge
- Bioklastischer Kalkstein: Besteht aus sichtbaren Fragmenten biologischer Herkunft (Schalenbruchstücke, Korallenfragmente).
- Oolithischer Kalkstein: Enthält kugelige Oolithen (kleine konzentrische Kalziumkarbonat-Körnchen), typisch für flache, bewegte Wasserbereiche.
- Micritischer Kalkstein: Sehr feinkörnig (Micrit = mikrokristallines Calcit), oft homogen und dünkler.
- Sparitischer Kalkstein: Grobkristallines Calcit füllt oft Porenräume aus.
- Chalk und Mergel: Chalk ist ein feinkörniger, kalkiger Sedimentgestein; Mergel enthält zusätzlich tonige Anteile.
Physikalische und chemische Eigenschaften
- Zusammensetzung: Hauptbestandteil ist CaCO3 (Calcit oder Aragonit).
- Härte: Relativ weich (Mohs-Härte ~3), lässt sich mit einem Messer ritzen.
- Reaktion mit Säure: Kalkstein reagiert mit verdünnter Salz- oder Essigsäure unter Sprudeln (CO2-Freisetzung).
- Farbe: Weiß, grau bis cremefarben; durch Verunreinigungen (Ton, Eisenoxide, organische Stoffe) können auch gelbliche bis schwarze Töne auftreten.
- Porosität und Durchlässigkeit: Variiert stark — von sehr dichtem Gestein bis zu stark porösem Karstgestein.
- Verwitterung: Chemische Lösung durch sauren Regen oder Kohlensäurehaltiges Wasser führt zu Karstformen wie Höhlen, Dolinen und Versinkungstalungen.
- Metamorphose: Unter hohem Druck und Temperatur kann Kalkstein zu Marmor umkristallisieren (metamorphes Gestein).
Vorkommen und geographische Verbreitung
Kalkstein kommt weltweit vor und bildet oft mächtige Schichtfolgen in Meeresablagerungen. Typische Vorkommen sind:
- Flache Schelfmeere und tropische Riffe — dort entstehen extensive Kalksedimente.
- Kontinentale Karbonatplattformen — großräumige Kalksteinablagerungen über geologische Zeiträume.
- Inselketten und Küstenregionen — Riffbildungen und biogene Sedimente.
Bekannte Beispiele sind die Kreidefelsen (Chalk) in Europa, Karbonatplattformen wie die Alpenvorländer (unter anderem als Rohstoff für Bau und Industrie) und massive Kalksteinschichten, die Karstlandschaften erzeugen (z. B. im Jura, Dolomiten, Karstgebiet der Dinariden).
Nutzung und wirtschaftliche Bedeutung
- Baumaterial: Kalkstein wird als Baustoff (Naturstein, Mauerwerk, Fassaden) und als Zuschlagstoff für Beton verwendet.
- Zementherstellung: Calciumcarbonat ist ein Hauptrohstoff für Zement und Branntkalk (CaO).
- Industrielle Anwendungen: Verwendung in der Stahlindustrie, Papierherstellung, Glasproduktion und als Füllstoff in vielen Produkten.
- Landwirtschaft: Kalk zur Bodenpufferung (Boden-Kalkung).
- Rohstoff für chemische Industrie: Herstellung von Soda, Kalziumverbindungen und als CO2-Quelle oder -Senke in bestimmten Prozessen.
Ökologische Aspekte und Schutz
Abbau von Kalkstein (Steinbruch, Tagebau) kann Landschaftsveränderungen, Biodiversitätsverlust und Staub‑/Lärm‑Emissionen verursachen. Karstgebiete sind besonders empfindlich, da unterirdische Wasserläufe, Höhlensysteme und Trinkwasserressourcen direkt betroffen sein können. Schutzmaßnahmen umfassen kontrollierte Rekultivierung, Renaturierung, Schutz von Höhlen und strengere Auflagen für Bergbau und Zementindustrie.
Besonderheiten
- Fossilienlagerstätte: Kalksteine sind oft reich an Fossilien und liefern wichtige Informationen zur Erdgeschichte und Paläoumwelt.
- Karstlandschaften: Lösliche Carbonatgesteine führen zu charakteristischen Formationen (Höhlen, Dolinen, Wasserschwundstellen).
- Klimatische Bedeutung: Bildung und Verwitterung von Carbonaten sind Teil des globalen Kohlenstoffkreislaufs und beeinflussen langfristig CO2-Speicherung.
Zusammenfassend ist Kalkstein ein vielseitiges, weit verbreitetes Sedimentgestein mit großer geologischer, ökologischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Je nach Entstehungsbedingungen und nachfolgender Umwandlung entstehen sehr unterschiedliche Gesteinsbildungen — von feinkörnigem Chalk bis zu massiven, grobkristallinen Marmoren nach Metamorphose.

Kalksteinfelsen in Form eines Karstes

Cotswold-Steinhäuser in Bibury, England. Sie wurden 1380 als klösterliches Wolllager erbaut und im 17. Jahrhundert zu Weberhäuschen umgebaut.
Formation
Kalksteine werden meist aus Kalziumkarbonat hergestellt. Er wird ursprünglich von kleinen photosynthetischen Protisten wie bestimmten Bakterien, Coccolithophoren und Algen hergestellt. Dann wird das Karbonat von verschiedenen Tieren, wie Muscheln und den Polypen, die Korallenriffe bilden, verwendet. Sie bauen ihre Schalen oder ihr Gerüst aus CaCO3-Kristallen.
"[Coccolithophores] waren die ersten Organismen, die einen stetigen Regen von Kalziumkarbonat aus der oberen, beleuchteten Zone des Ozeans zur Tiefsee hin bewirkten". p144
Karbonate sind Gesteine, die aus diesen Quellen gebildet werden, sowie jegliches CaCO3, das aus der Lösung ausgefällt wird. Ein Teil des Karbonats löst sich im Wasser auf. Es wird ausgefällt, wenn sich der physikalische Zustand des Wassers ändert. Wenn beispielsweise die CaCO3-Konzentration hoch ist, kann ein Temperaturabfall oder eine pH-Änderung (Säuregehalt) zu Ausfällungen führen.
Florida-Bucht
Die Florida Bay, die flache Lagune hinter den Florida Keys, ist ein Modell für die Bedingungen, unter denen Kalksteine auf dem Festlandsockel entstanden sind. Natürlich waren alle Arten damals etwas anders, aber als Ökosystem ist es ähnlich.
In der Florida Bay ist eine Art blühende Pflanze namens Seegras im Überfluss vorhanden. Ebenfalls im Überfluss vorhanden ist weißes, milchiges Wasser voller Kalziumkarbonat. Dieses wird hauptsächlich von Melobesia gebildet, einer kleinen Rotalge, die auf dem Seegras lebt. p151 Schließlich produzieren die Organismen große Mengen an Schleim, der ein Polysaccharid ist. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass der Schleim von Mikroorganismen produziert wird, um die Art und Weise zu kontrollieren, wie ihre Karbonatskelette gebildet werden. p139 Als Nebeneffekt begrenzt der Schleim die Menge des Karbonats, die in Lösung geht. p155
Die Florida Bay ist eine flache Plattform, die eine große Menge Karbonatgestein abgelagert hat.
"Man muss mehr als 3000 Fuß bohren, bevor man eine andere Gesteinsart erreicht, und das ist die Kreidezeit - vor etwa 70 Millionen Jahren". p158
Fossile Kalksteine
Viele Kalksteine enthalten Fossilien, und einige bestehen fast ausschließlich aus Skelettmaterial. Kreide besteht zu ~99% aus Coccolithen; der SolnhofenerKalkstein ist berühmt für seine Tierfossilien; und es gibt viele Muschelkalke aus verschiedenen Perioden. Vor dem Kambrium wird Kalkstein nicht viel gefunden, da sich die Schalentiere noch nicht entwickelt hatten.
Kalkstein als Baustoff
Marmor
Wenn Kalkstein auf eine hohe Temperatur erhitzt und am Fuße eines Berges gepresst wird, rekristallisiert er in den metamorphen Felsmarmor. Marmore sind ziemlich dicht, lassen sich relativ leicht schneiden oder zu Blöcken formen, und einige Formen sind weiß.
Verwendet
Kalkstein ist hart genug, um der Verwitterung zu widerstehen, aber normalerweise weich genug, um von Steinmetzen bearbeitet (geschnitten und geschnitzt) zu werden. Er wird als Baumaterial verwendet. Kalkstein, insbesondere Portlandkalkstein, wurde im 19. und 20. Jahrhundert für den Bau von Dingen wie Kirchen, Banken und Häusern beliebt. Saurer Regen erodiert Kalkstein jedoch langsam.
Kalkstein wird zur Herstellung von Glas und Zement verwendet. Er wird auch zur Herstellung von Eisen in einem Hochofen verwendet, um Verunreinigungen aus dem Eisenerz zu entfernen.
Verwandte Seiten
- Portlandkalkstein
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