Napalm bezeichnet eine Gruppe von brennbaren Flüssigkeiten, die durch Verdickungsmittel zu einem klebrigen Brandgel verarbeitet werden. In der Praxis handelt es sich meist um geliertes Benzin. Das Wort Napalm leitet sich von den Zutaten der ersten Rezepturen ab: kopräzipitierte Aluminiumsalze von Naphthen- und Palmitinsäuren — diese Verdickungsmittel wurden dem brennbaren Trägerstoff beigemischt, um ein Gel zu bilden. Entwickelt wurde Napalm während des Zweiten Weltkriegs von einem Team von Harvard-Chemikern unter der Leitung von Louis Fieser.
Zusammensetzung und Varianten
Frühere Napalm-Rezepturen verwendeten Naturkautschuk als Verdickungsmittel; spätere, wirtschaftlichere Varianten bestehen überwiegend aus synthetischen Polymeren. Heutzutage wird Napalm hauptsächlich aus Benzol und Polystyrol hergestellt; diese Mischung ist unter der Bezeichnung Napalm-B bekannt. Je nach Mischung und Zusatzstoffen lassen sich Brenndauer, Viskosität und Haftfähigkeit steuern.
Wirkungsweise und Eigenschaften
Napalm wurde so entwickelt, dass es an Oberflächen haftet und mit kontrollierter Geschwindigkeit brennt. Das Gel verhindert, dass die brennende Substanz einfach abfließt oder verfliegt, wodurch Hitze- und Brandwirkung lokal stark erhöht werden. Beim Verbrennen werden große Mengen von Wärme freigesetzt; zusätzlich kann das Brandensemble die lokale Sauerstoffverfügbarkeit stark reduzieren und giftige Gase wie Kohlenmonoxid erzeugen, was zusätzlich zu Verbrennungen auch Erstickungs‑ und Vergiftungsgefahren mit sich bringt.
Militärischer Einsatz und historische Bedeutung
Napalm wurde in mehreren Konflikten eingesetzt. Die USA und alliierte Streitkräfte nutzten es in Flammenwerfern, Brandbomben und anderen Waffensystemen. Schon bei frühen Flammenwerfern zeigte sich das Problem, dass flüssige Brennstoffe leicht herabflossen; Napalm löste dies durch seine Haftwirkung und erhöhte Reichweite und Wirksamkeit solcher Waffen. Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Flammenwerfer (ein infanteriebasiertes System mit flüssigem Brennstoff) in größerem Maßstab eingesetzt, die von deutschen Streitkräften entwickelt wurden; Napalm selbst entstand jedoch erst im 20. Jahrhundert und wurde ab dem Zweiten Weltkrieg weiterverbreitet.
Besonders bekannt wurde der Napalm-Einsatz im Vietnamkrieg, wo Napalmbomben unter anderem eingesetzt wurden, um Landezonen für Hubschrauber zu räumen. Der öffentliche Protest gegen den großflächigen Einsatz von Napalm in den 1960er Jahren — verstärkt durch drastische Mediendarstellungen wie Fotos von Opfern — trug wesentlich zur internationalen Debatte über den Einsatz von Brandwaffen bei.
Gesundheitliche Folgen und Erstversorgung
Die Einwirkung von Napalm auf Menschen ist extrem gefährlich: Die klebrige Masse haftet an Haut, Kleidung und Ausrüstung, verbrennt mit sehr hohen Temperaturen und verursacht oft großflächige, tiefgehende Verbrennungen (auch Vollhautverbrennungen). Darüber hinaus können Rauchinhalation, Vergiftung durch Verbrennungsprodukte und sekundäre Komplikationen (Schock, Infektionen, Nierenversagen) auftreten.
Erste-Hilfe-Maßnahmen unterscheiden sich je nach Situation, sind aber allgemein:
- Sicherheit zuerst: Nur helfen, wenn die Umgebung nicht mehr gefährlich ist.
- Brandloch kühlen: Sofort mit viel Wasser kühlen (mindestens 10–20 Minuten), um die Brandtemperatur zu senken.
- Keine gewaltsame Entfernung: Anhaftendes Material nicht gewaltsam abziehen; dies kann zusätzliche Verletzungen verursachen. Kleidung, die nicht fest an der Haut haftet, vorsichtig entfernen.
- Abdecken: Wundflächen mit sterilen, feuchten Tüchern abdecken, um Infektionen zu vermindern.
- Notfallmedizin: Schnellstmöglich ärztliche Versorgung suchen (Brandzentrum/Klinik); Verbrennungen dieser Schwere erfordern häufig spezialisierte Behandlung.
Diese Hinweise ersetzen keine professionelle medizinische Betreuung.
Rechtliche und ethische Aspekte
Der Einsatz von Brandwaffen ist heute durch das Völkerrecht eingeschränkt. Internationales Humanitäres Recht verbietet Angriffe, die unverhältnismäßiges Leid verursachen, und schützt Zivilpersonen und zivile Objekte. Spezifisch regeln Übereinkünfte wie das Protokoll III des Abkommens über bestimmte konventionelle Waffen (PROT. III der CCW) den Gebrauch von Brandwaffen: Dieses Protokoll schränkt insbesondere den Einsatz gegen zivile Ziele und Luftangriffe in Gebieten mit Konzentrationen von Zivilpersonen ein. Dennoch bleibt die politische und ethische Debatte über den Einsatz von Napalm und ähnlichen Stoffen lebhaft, da ihre Wirkung oft grausame Langzeitschäden bei Zivilisten hinterlässt.
Historische Einordnung
Napalm ist Teil einer langeren Geschichte von Brandsätzen in der Kriegsführung. Schon in der Antike wurden brennbare Flüssigkeiten verwendet (vgl. Griechisches Feuer), und die Entwicklung von Flammenwerfern und Brandbomben setzte sich über die Jahrhunderte fort. Napalm unterscheidet sich durch seine moderne chemische Zusammensetzung und die industrielle Produktion, die ihm eine besonders starke, anhaftende Brandwirkung verleiht.
In der öffentlichen Wahrnehmung steht Napalm heute häufig als Symbol für die humanitären und rechtlichen Probleme von Brandwaffen im Krieg — ein Grund, warum seine Anwendung international kontrovers und rechtlich besonders sensibel ist.




