Ein botanischer Name ist ein formaler wissenschaftlicher Name, der dem Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen (ICN) folgt. Handelt es sich um eine Züchtung, so muss der zusätzliche Sortenname dem Internationalen Nomenklaturkodex für Kulturpflanzen (ICNCP) folgen.

Was umfasst der Code der Nomenklatur?

Der Code der Nomenklatur gilt für "alle Organismen, die traditionell als Pflanzen behandelt werden, ob fossil oder nicht fossil, z. B. Blaualgen (Cyanobakterien); Pilze, einschließlich Chytriden, Oomyzeten und Schleimpilze; photosynthetische Protisten und taxonomisch verwandte nicht-photosynthetische Gruppen".

Zweck und Bedeutung botanischer Namen

Der Hauptzweck eines formellen botanischen Namens ist, weltweit einen eindeutigen, stabilen Bezeichner für eine bestimmte Pflanze oder Pflanzengruppe zu schaffen. So hat die Art Bellis perennis in den Herkunftsgebieten und global viele verschiedene gebräuchliche Namen; der botanische Name sorgt dafür, dass Wissenschaftler und Gärtner weltweit dieselbe Entität meinen.

Wichtige Regeln und Konventionen

  • Binominale Form: Der wissenschaftliche Name auf Art-Ebene besteht aus zwei Teilen: dem Gattungsnamen (Genus) und dem Artepitheton (Artname). Beispiel: Bellis perennis (Bellis perennis).
  • Schreibweise: Der Gattungsname wird großgeschrieben, das Artepitheton kleingeschrieben; beide Teile werden in der Regel kursiv gesetzt (z. B. Bellis perennis).
  • Autorenangabe: Hinter einem botanischen Namen kann die Autorennennung stehen (z. B. L. für Linnaeus) — diese steht gewöhnlich nicht kursiv und dient zur eindeutigen Zuordnung der Erstbeschreibung.
  • Priorität und gültige Veröffentlichung: Ein Name ist gültig, wenn er nach den Regeln des ICN korrekt veröffentlicht wurde; bei mehreren Namen für dieselbe Taxon hat in der Regel der zuerst gültig veröffentlichte Name Priorität.
  • Typisierung: Jede gültig beschriebene Art sollte ein Typusexemplar (Typus) besitzen, das die Anwendung des Namens objektiviert und die Stabilität der Nomenklatur unterstützt.
  • Infragattungsränge: Neben der Art gibt es untergeordnete Ränge wie Unterart (subsp.), Varietät (var.) und Form (f.), die als dreigliedrige Namen gebildet werden (Trinomina), z. B. Rosa canina subsp. lutetiana.
  • Keine Tautonyme bei Pflanzen: Im Gegensatz zu manchen Tiergruppen sind identische Gattungs- und Artnamen (Tautonyme) bei Pflanzen nicht zulässig.
  • Orthographie: Namen sind in der Regel latinisiert; diakritische Zeichen werden nach festen Regeln behandelt.

Sorten, Kulturpflanzen und Züchtungen

Bei kultivierten Pflanzen (Züchtungen) greift zusätzlich der Internationale Nomenklaturkodex für Kulturpflanzen. Der Sorten- oder Kultivarname wird nicht kursiv gesetzt und steht in einfachen Anführungszeichen, z. B. Bellis perennis 'Aucubifolia'. Die Herkunft oder gärtnerische Bedeutung einer Sorte kann in Katalogen und Sortenregistern dokumentiert werden; die Sorte Bellis perennis 'Aucubifolia' ist eine goldfarbige gärtnerische Selektion dieser Art.

Synonyme, akzeptierte Namen und Namensänderungen

Im Laufe taxonomischer Revisionen können Namen geändert, zusammengeführt oder aufgespalten werden. Synonyme sind frühere oder alternative Namen für dasselbe Taxon; der ICN hilft, Regeln für die Wahl des akzeptierten Namens anzuwenden. Datenbanken wie IPNI, Tropicos oder World Checklist of Selected Plant Families listen Namen, Autoren und Publikationsdetails und sind wichtige Referenzen.

Beispiel: Bellis perennis und gebräuchliche Namen

Bellis perennis ist eine gute Illustration, warum botanische Namen nützlich sind: die Art ist in weiten Teilen Europas und des Nahen Ostens heimisch und hat viele Volkstümliche Bezeichnungen. In ihrer Herkunftsregion und weltweit existieren zahlreiche Trivialnamen, z. B. englisch "daisy" oder "lawn daisy"; in anderen Sprachen:

Einige englische Namen für diese Pflanzenart sind: daisy, englisches Gänseblümchen, lawndaisy. In anderen Sprachen lauten einige Beispiele: Französisch: pâquerette, Spanisch: vellorita, Schwedisch: tusensköna, Deutsch: Gänseblümchen, Maßliebchen.

Praktische Hinweise für Anwender

  • Verwenden Sie wissenschaftliche Namen in wissenschaftlichen oder internationalen Zusammenhängen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Achten Sie auf korrekte Schreibweise (Kursivierung, Groß- und Kleinschreibung) und auf die richtige Darstellung von Sorten- bzw. Kultivarnamen (nicht kursiv, in einfachen Anführungszeichen).
  • Prüfen Sie Autorennamen und Publikationsangaben bei Unsicherheit in verlässlichen Nomenklaturdatenbanken.
  • Beachten Sie, dass Taxonomie dynamisch ist: Namen können sich ändern, wenn neue Forschungsergebnisse vorliegen.

Zusammenfassend: Ein botanischer Name ist ein international geregeltes, formales Etikett für eine Pflanze oder pflanzenähnliche Organismen. Er folgt festen Regeln des ICN (bzw. ergänzend des ICNCP bei Kulturpflanzen), sorgt für klare Kommunikation und bildet die Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit mit Pflanzen.