Der Ammenhai (Ginglymostoma cirratum) ist ein bodenbewohnender, ruhiger Meeresräuber aus der Familie der Ammenhaie (Ginglymostomatidae). Früher galt die Gattung Ginglymostoma als monotypisch, doch neuere Untersuchungen haben populationsbezogene Unterschiede gezeigt. Erwachsene Tiere erreichen meist eine Länge von etwa 2,1–2,7 Metern (6 ft 11 in–8 ft 10 in) und ein Gewicht von rund 75–120 kg, einzelne Exemplare können jedoch größer werden. Am Ammenhai fallen der gedrungene Körper, die runde Schnauze mit zwei fühlbaren Barteln (Barbels) und die kleinen, weit hinten sitzenden, stachelosen Rückenflossen auf.

Beschreibung

Typische Merkmale des Ginglymostoma cirratum sind:

  • runde, abgeflachte Kopfform mit zwei Barteln an der Oberlippe, die zur Ortung von Beute dienen,
  • schlichte braunliche bis gelblich-braune Färbung, bei Jungtieren oft mit dunkleren Flecken,
  • kräftiger Körperbau mit rauer Haut durch Dermalzähne (Dermaldentikel),
  • kleine, hinten liegende Rückenflossen ohne Stacheln und eine breite Schwanzflosse.

Ammenhaie können Wasser aktiv über die Kiemen pumpen und liegen deshalb oft ruhig auf dem Meeresboden, ohne ständig schwimmen zu müssen.

Lebensraum und Verbreitung

Der Ammenhai kommt überwiegend in warmen, flachen Küstengewässern vor. Verbreitungsschwerpunkt ist der westliche Atlantische Ozean, von den südlichen US-Bundesstaaten und der Golfküste über die Karibik bis nach Südamerika. Historisch wurden ähnliche Populationen im östlichen Pazifik beschrieben; diese wurden jedoch von der Wissenschaft näher untersucht und teilweise als eigene Taxa abgegrenzt. Ammenhaie halten sich gern in Korallenriffen, Seegraswiesen, Felsufern und in der Nähe von Wracks auf und werden in Tiefen von der Brandungszone bis zu mehreren zehn Metern beobachtet.

Ernährung

Ammenhaie sind überwiegend nachtaktiv und ernähren sich bodenbewohnend. Ihre Nahrung umfasst unter anderem:

  • Krustentiere (z. B. Krabben, Hummer),
  • Weichtiere (Muscheln, Schnecken, Tintenfische),
  • kleinere Fische,
  • gelegentlich Seeschlangen und andere Wirbellose,
  • in seltenen Fällen werden auch Korallen oder Manteltiere bei der Nahrungssuche berührt oder verschluckt.

Sie saugen Beute mit starker Mund- und Rachenmuskulatur aus Felsspalten und unter Steinen hervor (Saugfutterung) und knacken harte Schalen mithilfe kräftiger Pharynxmuskeln.

Verhalten

Ammenhaie sind bekannt für ihr ruhiges, träge erscheinendes Verhalten. Tagsüber sammeln sich oft mehrere Tiere in Höhlen, unter Überhängen oder in sandigen Mulden; nachts werden sie aktiv und durchsuchen den Meeresboden nach Beute. Trotz ihrer Größe sind sie gegenüber Menschen in der Regel harmlos, können aber bei direkter Störung oder beim Festhalten zubeißen. Sie sind keine schnellen Schwimmer, können aber bei Bedarf kurze Beschleunigungen zeigen.

Fortpflanzung

Der Ammenhai ist ovovivipar (lebendgebärend): Die Eier entwickeln sich im Mutterleib und die Jungen werden lebend geboren. Die Wurfgröße kann variieren, oft werden mehrere Junge pro Gelege geboren. Jungtiere leben zunächst in geschützteren Küstenbereichen, bis sie größer und selbständiger sind. Die Geschlechtsreife erreichen Ammenhaie erst nach mehreren Jahren.

Gefährdung und Schutz

Weltweit sind Bestände von Ammenhaien durch Fischerei, Beifang, Zerstörung von Lebensräumen (z. B. Korallenriffe, Seegraswiesen) und Verschmutzung bedroht. Der genaue Schutzstatus kann regional variieren; international wird die Art aufgrund von Populationstrends und Bedrohungen beobachtet. Schutzmaßnahmen umfassen Fischereiregelungen, Schutz von Küstenhabitaten und Schutzgebiete sowie Aufklärung für Taucher und Küstenbewohner.

Interaktion mit Menschen

Ammenhaie sind bei Tauchern und in Aquarien beliebt, da sie relativ ruhig und an Menschen gewöhnt wirken. Beim Tauchen ist jedoch Vorsicht geboten: Tiere sollten nicht berührt oder gestört werden, um stressbedingte Reaktionen zu vermeiden. In einigen Regionen werden Ammenhaie kommerziell befischt; nachhaltige Fangmethoden und Schutzmaßnahmen sind wichtig, um Bestände zu erhalten.

Interessante Fakten

  • Die Barteln an der Schnauze helfen dem Ammenhai, Beute im Sand und zwischen Steinen zu finden.
  • Ammenhaie können lange Zeit auf dem Meeresboden ruhen, weil sie aktiv Wasser über die Kiemen pumpen und so Atmung ohne Bewegung ermöglichen.
  • Obwohl früher als eine einzige, weit verbreitete Art angesehen, haben taxonomische Untersuchungen gezeigt, dass Populationen in verschiedenen Ozeanbereichen nicht immer identisch sind.