Béla Bartók (geb. Nagyszentmiklós, Ungarn, 25. März 1881; gest. New York City, 26. September 1945) war ein bedeutender ungarischer Komponist und Pianist und zählt zu den originellsten Musikern des 20. Jahrhunderts. Er kombinierte klassische Kompositionstechniken mit Elementen der Volksmusik und entwickelte so eine sehr persönliche und kraftvolle Tonsprache.

Bartók interessierte sich früh für Volksmusik und unternahm umfangreiche Feldforschungen in Ungarn und benachbarten Regionen, darunter auch in Rumänien. Gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Zoltán Kodály sammelte und transkribierte er tausende Volkslieder, oft mit Hilfe von frühen Tonaufnahmen (Phonographen). Diese Sammlungen sind bis heute eine wichtige Quelle für die Forschung und beeinflussten Bartóks eigenes kompositorisches Schaffen nachhaltig: Melodische Formen, charakteristische Skalen und unregelmäßige Rhythmen aus der bäuerlichen Tradition wurden in seine Werke integriert.

Als Komponist ist Bartók besonders bekannt für seine Klavierwerke, seine sechs Streichquartette und zahlreiche Werke für Orchester. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Konzert für Orchester, die Music for Strings, Percussion and Celesta, die Oper Duke Bluebeard’s Castle und die pädagogische Sammlung Mikrokosmos. Auch kurze Stücke wie die Romanian Folk Dances oder die Klaviersuite Out of Doors zählen zum festen Repertoire vieler Interpreten.

Bartóks Harmonien und lebhafte Rhythmen waren für die damalige klassische Musik oft neuartig; manche Zuhörer empfanden seine Werke zunächst als schwer zugänglich. Charakteristisch sind der Einsatz von modalen Skalen, ungewöhnlichen Taktarten, Blockharmonien und ein dichtes, oft percussives Klavieridiom.

1936–1940 verschlechterte sich die politische Lage in Europa; Bartók emigrierte 1940 in die USA, wo er weiter komponierte, aber zunehmend mit gesundheitlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Er erhielt in den USA Anerkennung — das Konzert für Orchester wurde 1944 schnell zu einem seiner populärsten Werke — starb jedoch 1945 in New York.

Wichtige Werke (Auswahl):

  • Duke Bluebeard’s Castle (Oper, 1911)
  • String Quartets (sechs Quartette, wichtige Stationen seines Schaffens)
  • Music for Strings, Percussion and Celesta (1936)
  • Konzert für Orchester (1943; Konzert für Orchester)
  • Mikrokosmos (pädagogische Klavierstücke, 1926–1939)
  • Romanian Folk Dances (Klavier/Orchester, 1915)

Sein Beitrag zur Ethnomusikologie — das Sammeln, Transkribieren und wissenschaftliche Auswerten von Volksliedern — hat die Musikwissenschaft nachhaltig geprägt. Bartóks Musik beeinflusste zahlreiche Komponisten des 20. Jahrhunderts und ist heute fester Bestandteil des Konzertrepertoires weltweit. Zahlreiche Einspielungen und Forschungseditionen halten sein Werk lebendig und zugänglich für neue Generationen von Musikerinnen und Musizierenden.