Meerrettich (Armoracia rusticana) ist eine mehrjährigePflanze aus der Familie der Brassicaceae. Die Pflanze ist wahrscheinlich in Südosteuropa und Westasien beheimatet. Er wird bis zu 1,5 Meter (5 Fuß) hoch und wird normalerweise wegen seiner großen, weißen, spitz zulaufenden Wurzel angebaut.

Die ungebrochene Meerrettichwurzel ist sehr geruchsarm. Wenn sie jedoch geschnitten oder gerieben wird, verursachen Enzyme aus den nun zerbrochenen Pflanzenzellen Veränderungen. Die Enzyme bauen Sinigrin ab und produzieren Allylisothiocyanat (Senföl). Dies reizt die Schleimhäute der Nasennebenhöhlen und der Augen. Sobald es der Luft (durch Reiben) oder Hitze ausgesetzt wird, muss es mit Essig gemischt werden. Andernfalls wird es unangenehm bitter schmeckend.

Beschreibung und Anbau

Meerrettich bildet eine kräftige, knotige Pfahlwurzel, die als Würz- und Heilmittel genutzt wird. Die oberirdischen Teile tragen große, grob gezahnte Blätter; die Blüten sind vierblättrig und weiß bis blassrosa – typisch für die Familie der Brassicaceae. Die Pflanze ist winterhart und breitet sich durch unterirdische Wurzelstücke (Rhizome) aus, weshalb sie als mehrjährige Kulturpflanze lange am selben Standort stehen kann.

Meerrettich bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und frische, tiefgründige, nährstoffreiche Böden. Vermehrt wird er meist durch Teilung der Wurzelstöcke im Frühjahr oder Herbst. Die Hauptwurzel wird oft im Herbst oder frühen Frühjahr geerntet; nach einem Frost wird die Schärfe häufig noch intensiver.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Wesentliche Inhaltsstoffe sind Glucosinolate (vor allem Sinigrin), die durch das Enzym Myrosinase beim Zellaufschluss in scharf riechende Isothiocyanate wie Allylisothiocyanat (AITC) übergehen. Daneben enthält Meerrettich Vitamin C, Ballaststoffe, geringe Mengen an Mineralstoffen und sekundäre Pflanzenstoffe.

Traditionell wird Meerrettich wegen folgender Eigenschaften geschätzt:

  • expektorierende und schleimlösende Wirkung bei Erkältungen (Durch die flüchtigen Isothiocyanate);
  • antibakterielle und antimikrobielle Effekte in vitro gegen bestimmte Keime (laborbefunde, keine pauschale Heilungswirkung beim Menschen);
  • anregende Wirkung auf die Verdauung und Appetitförderung.

Die reizende Wirkung auf Schleimhäute erklärt die bekannte tränenreiche Reaktion beim Reiben frischer Wurzel. Hitze zerstört die Myrosinase und reduziert somit die Schärfe; deshalb schmecken gekochte Meerrettichzubereitungen deutlich milder.

Kulinarische Verwendung

In der Küche ist frisch geriebener Meerrettich (regionale Bezeichnung z. B. „Kren“) ein klassisches Würzmittel. Typische Anwendungen:

  • als Begleiter zu Fleischgerichten, besonders Roastbeef, Tafelspitz und Braten;
  • zu Fisch (z. B. Lachs), zu Sülzen und zu gebratenen oder geräucherten Speisen;
  • als würzige Zutat in Saucen, Marinaden, Dressings und in der Hausmannskost;
  • in eingelegten Produkten und als Bestandteil von Senf- oder Remouladensaucen;
  • als preiswerte Wasabi-Alternative in einigen Fertigprodukten (echter Wasabi ist eine andere Art).

Praktischer Tipp: Frisch geriebenen Meerrettich sofort mit etwas Essig, Salz und eventuell einer Prise Zucker mischen, damit die Schärfe stabilisiert wird und nicht bitter wird. Wer eine mildere, cremigere Variante möchte, kann Sahne oder Joghurt zugeben.

Zubereitung und Lagerung

  • Beim Reiben Handschuhe tragen und in Richtung eines geöffneten Fensters arbeiten, um Tränen und starken Geruch zu reduzieren.
  • Die frische Wurzel im Gemüsefach des Kühlschranks, eingewickelt in ein feuchtes Tuch, mehrere Wochen haltbar.
  • Geriebener Meerrettich bleibt im Kühlschrank in einem luftdichten Gefäß etwa 1–2 Wochen frisch; länger haltbar ist er eingefroren oder als eingelegter Meerrettich in Essig.
  • Getrocknete oder pulverisierte Formen sind länger lagerfähig, verlieren aber an Intensität.

Medizinische Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Meerrettich wird traditionell bei Erkältungsbeschwerden und als unterstützendes Mittel zur Anregung der Verdauung verwendet. Wissenschaftliche Studien zeigen einige vielversprechende In-vitro-Effekte, doch ersetzen diese nicht die ärztliche Behandlung bei ernsthaften Erkrankungen.

Vorsicht ist geboten bei:

  • Reizungen der Haut oder Schleimhäute — frischer Meerrettich kann stark brennend wirken;
  • Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüren oder empfindlichem Magen — hier kann Meerrettich Beschwerden verschlimmern;
  • bei Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten oder bei Blutgerinnungsstörungen sollte vor regelmäßigem Gebrauch ärztlicher Rat eingeholt werden;
  • bei allergischen Reaktionen auf Brassicaceae-Gewächse (z. B. Senf, Kresse) mit Vorsicht verwenden.

Kurzprofil

  • Wissenschaftlicher Name: Armoracia rusticana
  • Familie: Brassicaceae
  • Herkunft: vermutlich Südosteuropa und Westasien
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzel
  • Wichtigste Wirkstoffe: Glucosinolate (Sinigrin) → Isothiocyanate (u. a. Allylisothiocyanat)

Meerrettich ist somit eine vielseitige Kulturpflanze mit langer kulinarischer und volksheilkundlicher Tradition. Wie bei allen kräftig wirkenden Gewürzen gilt: maßvoll einsetzen und bei gesundheitlichen Bedenken Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt halten.