Bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 1824 wurde John Quincy Adams zum sechsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Zu den prominenten Bewerbern zählten John Quincy Adams, William H. Crawford, Henry Clay und Andrew Jackson. Der Politiker John C. Calhoun trat zwar ebenfalls in Erscheinung, verfolgte aber vor allem eine Kandidatur und Unterstützung für das Amt des Vizepräsidenten; er erhielt bei der Wahl großen Zuspruch für dieses Amt und wurde schließlich Vizepräsident.

Wahlergebnis und verfassungsrechtliche Besonderheit

Bei dieser Wahl erhielt Andrew Jackson die meisten Stimmen im Electoral College (99 Stimmen) und auch die größte Zahl der Stimmen in der Volksabstimmung, hatte jedoch keine absolute Mehrheit. John Quincy Adams kam auf 84 Wahlmännerstimmen, William H. Crawford auf 41 und Henry Clay auf 37. Da kein Kandidat die für eine klare Mehrheit erforderliche Anzahl an Wahlmännerstimmen erreichte, trat der in der Verfassung verankerte Mechanismus des Zwölften Verfassungszusatzes (Twelfth Amendment) in Kraft: Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten musste die Entscheidung fällen und durfte dabei nur unter den drei Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen wählen – damit fiel Henry Clay als viertplatzierter aus der Entscheidung heraus.

Die Entscheidung im Repräsentantenhaus

Das Repräsentantenhaus trat Anfang 1825 zusammen, um die Präsidentschaft zu bestimmen. In der Abstimmung der Staatendelegationen erhielt John Quincy Adams die Stimmen von 13 Staatendelegationen, Andrew Jackson 7 und William H. Crawford 4. Damit erreichte Adams die knappe Mehrheit der staatlichen Stimmen und wurde zum Präsidenten gewählt. Die Tatsache, dass Adams – obwohl Jackson im Electoral College und in der Volksabstimmung vorne gelegen hatte – im Haus die Mehrheit erhielt, löste erhebliche Empörung bei Jacksons Anhängern aus.

Kontroverse: „Corrupt bargain“ und Folgen

Die Wahl 1824 gilt als stark umstritten, weil Henry Clay als Sprecher des Repräsentantenhauses erheblichen Einfluss hatte und nach Adams’ Wahl zum Außenminister ernannt wurde. Jackson und seine Unterstützer bezeichneten die Vorgänge als „corrupt bargain“ (vermeintliche Bestechung bzw. Hinterzimmerabrede) und warfen Adams und Clay eine übereilte Verständigung zum Nachteil Jacksons vor. Diese Anschuldigungen prägten die politische Debatte in den folgenden Jahren und stärkten die Mobilisierung für Jacksons Gegenkampagne bei der Wahl 1828, die Jackson schließlich gewann.

Politische Bedeutung

Die Wahl von 1824 markiert einen Wendepunkt in der US-Politik: Sie beendete weitgehend die kurz zuvor existierende Politik der einheitlichen „Era of Good Feelings“ und leitete die Herausbildung neuer politischer Gruppierungen ein. Aus den Konflikten entfalteten sich die späteren Parteienlinien – mit Anhängern Jacksons, die in der Folge die Demokratische Partei formierten, und Gegnern, die sich zu Nationalrepublikanern und später zu den Whigs sammelten. Die Debatten über Legitimität, Mandat und politische Legitimation, die aus der Wahl 1824 hervorgingen, prägten somit die Entwicklung des modernen amerikanischen Parteiensystems.

Kurzfassung: Andrew Jackson gewann die meisten Wahlmänner- und Volksstimmen, aber ohne absolute Mehrheit; nach dem Twelfth Amendment entschied das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten zwischen den drei führenden Kandidaten. John Quincy Adams wurde gewählt (13 Staaten), Andrew Jackson erhielt 7 Staaten und William H. Crawford 4. Die nachfolgende Ernennung Henry Clay zum Außenminister löste den Vorwurf eines „corrupt bargain“ aus und beeinflusste die politische Dynamik bis zur Wahl 1828.