Sahelanthropus tchadensis (Toumaï) – 7 Mio. Jahre: Früher Hominide

Sahelanthropus tchadensis (Toumaï) – 7 Mio. Jahre: Rätselhaftes frühes Hominiden-Fossil aus dem Tschad, zentral für die Mensch‑Schimpanse‑Divergenz und menschliche Evolution.

Autor: Leandro Alegsa

Sahelanthropus tchadensis ist ein fossiler Hominide. Nach den Fossilienfundstellen im Tschad in der afrikanischen Sahelzone wird angenommen, dass er vor etwa 7 Millionen Jahren gelebt hat.

Die Aufspaltung der Linie in Mensch und Schimpanse (bekannt als Mensch-Schimpanse-Divergenz) geschah wahrscheinlich vor 6,3 bis 5,4 Millionen Jahren. Dies ist aus genetischen Daten ersichtlich. Da das Fossil älter ist als diese Spaltung, ist sein Status unklar. Das erste gefundene Fossil ist heute als Toumaï bekannt.

Entdeckung und Benennung

Das Typusexemplar von Sahelanthropus wurde Anfang der 2000er Jahre in der Toros-Menalla-Region der Djurab-Wüste im nördlichen Tschad gefunden. Die Funde stammen aus einer Expedition unter Leitung von Michel Brunet und internationaler Kooperation. Der Name Sahelanthropus setzt sich aus „Sahel“ (Fundregion) und dem griechischen Wort anthropos (Mensch) zusammen; die Artbezeichnung tchadensis verweist auf den Fundort, und Toumaï ist der populäre Beiname, der in der lokalen Goran-Sprache etwa „Hoffnung des Lebens“ bedeutet.

Wesentliche Merkmale

Die Fossilien umfassen vor allem einen stark fragmentierten, aber weitgehend erhaltenen Schädel sowie mehrere Kiefer- und Zahnfragmente. Wichtige anatomische Merkmale sind:

  • ein sehr kleiner Gehirnschädel (geschätzt etwa 320–380 cm³),
  • ausgeprägte Stirnwülste (Supraorbitaltori),
  • ein relativ flaches Gesicht und eine verkürzte Schnauzenregion,
  • reduzierte Eckzähne ohne großen diastema (Lücke),
  • dicke Zahnschmelzschichten bei Backenzähnen.

Besonders beachtet wurde die Stellung des Foramen magnum (die Öffnung, durch die das Rückenmark den Schädel verlässt): Einige Forschende interpretieren seine nach vorne verlagerten Lage als Hinweis auf einen aufrechten, zweibeinigen Gang.

Alter und Datierung

Die Datierung der Fundschichten stützt sich vor allem auf Faunenvergleich (Biochronologie) und geologische Zusammenhänge; deshalb wird ein Alter von rund 7 Millionen Jahren angegeben. Es gibt keine eindeutigen radiometrischen Altersbestimmungen für alle Fundschichten, weshalb das genaue Alter mit einer gewissen Unsicherheit behaftet bleibt.

Lebensraum

Die Fundschichten deuten auf eine mosaikartige Lebensumgebung hin: eine Mischung aus offenen Graslandschaften und bewaldeten Bereichen beziehungsweise Uferzonen. Solche Mosaiklandschaften können unterschiedliche Ernährungs- und Fortbewegungsstrategien begünstigen.

Bedeutung und wissenschaftliche Diskussion

Sahelanthropus tchadensis ist von großer Bedeutung, weil er zu den ältesten Kandidaten gehört, die mit der menschlichen Linienentwicklung in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig löste der Fund intensive Debatten aus:

  • Da das Fossil älter ist als viele molekulargenetische Schätzungen für die Mensch-Schimpanse-Aufspaltung, ist unklar, ob Sahelanthropus tatsächlich ein direkter Vorfahre der Menschenlinie oder eher ein naher Verwandter am Stammbaum vor dieser Trennung war.
  • Die Interpretation des Foramen magnum als Zeichen für aufrechten Gang wird von einigen Forschenden unterstützt, andere halten die Befunde für zu unsicher, weil Schädelverformungen, diagenetische Veränderungen (postmortale Verformungen) oder begrenzte Vergleichsdaten eine eindeutige Zuordnung erschweren.
  • Zusätzliche Fundstücke (Kiefer- und Zahnfragmente) unterstützen die Einordnung als eigene Art, doch insgesamt bleiben die Daten lückenhaft und Gegenstand laufender Forschung.

Kurz: Sahelanthropus bleibt ein plausibler früher Hominide-Kandidat, aber sein genauer Platz in der menschlichen Evolution ist nicht abschließend geklärt.

Forschung heute

Seit der Erstbeschreibung werden die Funde weiter untersucht, mit modernen bildgebenden Verfahren, morphometrischen Analysen und Vergleichen mit anderen frühen Pliozän-/Miozän-Fossilien. Neue Entdeckungen in Zentral- und Ostafrika sowie Fortschritte in Datierungsmethoden können helfen, die Stellung von Sahelanthropus in der Evolution besser zu beurteilen.

Fossilien

Einige Fossilien, ein Schädel (Schädel), fünf Kieferstücke und einige Zähne bilden einen Kopf, der Merkmale aufweist, die sowohl modernen als auch primitiven Menschen ähneln. Der Hirnschädel hat ein Volumen von nur 340 cm³ bis 360 cm³, was in etwa dem Volumen von Schimpansen entspricht. Es ist viel weniger als das menschliche Volumen von etwa 1350 cm³.

Die Zähne und die Struktur des Gesichts unterscheiden sich stark vom Homo sapiens. Der gefundene Schädel ist beschädigt, er ist stark verzerrt, so dass keine 3D-Computerrekonstruktion durchgeführt wurde. Es gibt außer Teilen des Schädels keine Knochen. Es ist unbekannt, ob Sahelanthropus tchadensis zweibeinig (auf zwei Beinen gelaufen) war. Die Platzierung des Foramen magnum lässt jedoch vermuten, dass sie es waren. Seine hündische Abnutzung ähnelt der anderer miozäner Menschenaffen.

Beziehung zu modernen Menschen und Menschenaffen

Sahelanthropus könnte ein Vorfahre sowohl des Menschen als auch des Schimpansen sein; die wissenschaftliche Gemeinschaft hat bisher noch keinen Konsens erzielt. Die Schwierigkeit liegt in ihrem "Mosaik aus primitiven und abgeleiteten Merkmalen". Wahrscheinlich lebte er eher in halboffenen Wäldern und Savannen als im Regenwald der heutigen Menschenaffen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Toumaï sowohl mit Menschen als auch mit Schimpansen verwandt ist, aber der Vorfahre von keinem von beiden ist. Brigitte Senut und Martin Pickford, die Entdecker von Orrorin tugenensis, vermuteten, dass die Merkmale von S. tchadensis mit denen eines weiblichen Proto-Gorillas übereinstimmen. Selbst wenn diese Behauptung aufrechterhalten wird, wäre der Fund dennoch bedeutsam, denn gegenwärtig sind nur wenige Schimpansen- oder Gorilla-Vorfahren irgendwo in Afrika gefunden worden. Wenn S. tchadensis also ein Verwandter der Schimpansen (oder Gorillas) ist, stellt er das erste bekannte Mitglied ihrer Abstammungslinie dar.

Darüber hinaus deutet S. tchadensis darauf hin, dass der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse den Schimpansen wahrscheinlich nicht sehr ähnlich ist, wie einige Paläontologen zuvor vermutet hatten.

Die vor Ort gefundene Fauna lässt auf ein Alter von mehr als 6 Millionen Jahren schließen, da diese Arten zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits ausgestorben waren.

Möglichkeit einer viel früheren Spaltung

Eine Studie hat eine viel frühere Spaltung zwischen der Linie, die zu den modernen Menschenaffen führte, und der Linie, die zum modernen Menschen führte, vorgeschlagen. Das vollständige mitochondriale DNA-Molekül (mtDNA) des Pavian Papio hamadryas wurde sequenziert und in eine molekulare Analyse von 24 vollständigen mtDNAs von Säugetieren einbezogen. Ziel der Studie war es, die Divergenz zwischen den Altweltaffen (Cercopithidae) und den Hominoidea zeitlich zu bestimmen. Diese Divergenz vor 30 Millionen Jahren (mya) war ein Referenzpunkt für die Spaltung zwischen Schimpanse und Homo mit 5 mya.

In der späteren Studie von Arnason und Kollegen wurden zwei unabhängige, nicht von Primaten stammende molekulare Referenzen verwendet. Diese beiden Referenzen legten nahe, dass die Divergenz zwischen Cercopithecoidea/Hominoidea >50 mya war. Auch alle Hominoiddivergenzen erhalten eine viel frühere Datierung. So beträgt das geschätzte Datum der Divergenz zwischen Pan (Schimpanse) und Homo 10-13 mya und das der Divergenz zwischen Gorilla und der Pan/Homo-Linie etwa 17 mya. Die gleichen Datierungen wurden in einer Analyse der sich uhrartig entwickelnden Gene erhalten.

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Fragen und Antworten

F: Was ist der Hominin-Zeitstrahl?


A: Der Hominin timelineview ist ein Diagramm, das die geschätzten Daten der verschiedenen Hominidenarten und ihre evolutionäre Abspaltung vom Affen zeigt.

F: Wann hat Sahelanthropus tchadensis gelebt?


A: Sahelanthropus tchadensis lebte vor etwa 7 Millionen Jahren.

F: Wann kam es zur Divergenz zwischen Mensch und Schimpanse?


A: Die Divergenz zwischen Mensch und Schimpanse fand wahrscheinlich vor 6,3 bis 5,4 Millionen Jahren statt, wie die genetischen Daten nahelegen.

F: Was ist Toumaï?


A: Toumaï ist der Name des ersten gefundenen Fossils von Sahelanthropus tchadensis.

F: Auf wie alt werden die Hominiden geschätzt?


A: Man schätzt, dass Hominiden bereits vor Millionen von Jahren existierten, wobei einige Schätzungen für bestimmte Arten wie Sahelanthropus tchadensis bis zu 7 Millionen Jahre zurückreichen.

F: Was deutet darauf hin, dass sich Menschen und Schimpansen zu einem bestimmten Zeitpunkt voneinander unterschieden haben?


A: Genetische Daten deuten darauf hin, dass sich Menschen und Schimpansen irgendwann getrennt haben, wobei die Schätzungen für dieses Ereignis von 6,3 bis 5,4 Millionen Jahren reichen.

F: Wie hat uns die moderne Technologie geholfen, mehr über Hominiden zu erfahren?


A: Die moderne Technologie hat es uns ermöglicht, genetische Daten zu analysieren, die uns helfen können, mehr darüber zu erfahren, wann sich die verschiedenen Arten voneinander getrennt haben. Dies gibt uns Einblick in unsere Evolutionsgeschichte und hilft uns, mehr über Hominiden zu erfahren, die vor Millionen von Jahren gelebt haben.


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