Die Erste Flotte ist die Bezeichnung für die 11 Schiffe, die am 13. Mai 1787 von Großbritannien aus in See stachen, um die erste europäische Kolonie in Neusüdwales zu gründen. Es war der Beginn eines Plans, Tausende von Gefangenen nach Australien zu schicken, um dort Sträflingssiedlungen zu errichten. Die Flotte wurde von Kapitän Arthur Phillip geführt. Diese Reise dauerte acht Monate und benutzte eine Route über die Weltmeere, die nur dreimal benutzt worden war: einmal von Abel Tasman und zweimal von James Cook.
Die 11 Schiffe setzten sich zusammen aus Versorgungsschiffen, Transportschiffen für die Sträflinge und zwei Kriegsschiffen als Eskorte — insgesamt handelte es sich um drei Versorgungsschiffe, sechs Transportschiffe und zwei Kriegsschiffe. An Bord befanden sich neben den Gefangenen auch Besatzungsmitglieder, Soldaten der Marineinfanterie (Marines) sowie einige Familienangehörige. Insgesamt waren es rund 1.400 Personen, darunter schätzungsweise mehrere hundert Sträflinge.
Hintergrund der Unternehmung war in erster Linie die Notwendigkeit Großbritanniens, nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien (amerikanischer Unabhängigkeitskrieg) eine neue Lösung für überfüllte Gefängnisse zu finden. Die Regierung entschied, eine entlegene Strafkolonie in der südlichen Hemisphäre zu errichten. Die Erforschung der australischen Ostküste durch James Cook 1770 und seine Beschreibung von Botany Bay machten diesen Raum zu einem bevorzugten Ziel für die Gründung einer Kolonie.
Die Reise führte die Flotte über bekannte Zwischenstationen wie Teneriffa, Rio de Janeiro und das Kap der Guten Hoffnung; diese Stopps dienten der Auffrischung von Proviant, Wasser und dem Austausch kranker Besatzungsmitglieder. Trotz der langen Fahrt von etwa acht Monaten blieben die Verluste vergleichsweise gering, da an Bord medizinische Versorgung organisiert und Quarantänemaßnahmen angewandt wurden.
Die Flotte erreichte zunächst Botany Bay im Januar 1788, stellte jedoch bald fest, dass der Ort für eine dauerhafte Siedlung ungeeignet war (Mangel an Süßwasser und schlechter Boden). Kapitän Arthur Phillip erkundete deshalb die näheren Buchten und wählte schließlich den natürlicheren, besser geschützten Hafen von Port Jackson. Am 26. Januar 1788 landeten die Siedler in der heutigen Sydney Cove und begründeten damit formell die Kolonie New South Wales — ein Datum, das heute als Australia Day bekannt ist.
Die Gründung der Kolonie hatte weitreichende Folgen: für Großbritannien bedeutete sie einen neuen Außenposten und ein Mittel zur Bestrafung und Arbeitsnutzung verurteilter Personen; für die indigene Bevölkerung Australiens bedeutete sie jedoch die Besetzung ihres Landes, massive Veränderungen in Lebensweise, Krankheitseinträge durch eingeschleppte Krankheiten, Verlust von Ressourcen und langfristige Konflikte. Arthur Phillip wurde der erste Gouverneur von New South Wales und trug die Verantwortung für Aufbau, Verwaltung und Verteidigung der jungen Siedlung.
Die Erste Flotte ist bis heute ein wichtiges Thema der australischen und britischen Geschichte: sie markiert den Beginn der europäischen Besiedlung an der Ostküste Australiens, den Start der Strafkolonialepoche und den Anfang einer komplexen, oft schmerzlichen Wechselwirkung zwischen den europäischen Siedlern und den indigenen Völkern Australiens.

