Pterosaurier waren fliegende Reptilien, die zur gleichen Zeit wie die Dinosaurier im Mesozoikum lebten. Die meisten Pterosaurier waren recht klein, aber in der Oberkreide wurden einige größer als alle anderen fliegenden Tiere. Der Flugsaurier Quetzalcoatlus hatte eine Flügelspannweite von bis zu 12 Metern (~40 Fuß). Pterosaurier besetzten eine große Bandbreite ökologischer Nischen: von kleinen Insektenfressern über fischfangende Arten bis zu großen Aas- oder Kleintier‑Jägern. Viele Arten entwickelten auffällige Knochenkämme oder Hautwülste am Schädel, vermutlich zur Art‑ und Geschlechts­erkennung oder zur Balz.

Die ersten Fossilien kommen in der Obertrias vor, und die Gruppe setzt sich bis zum K/T-Aussterbeereignis am Ende der Kreidezeit (vor etwa 228 bis 66 Millionen Jahren) fort. Pterosaurier sind die frühesten Wirbeltiere, von denen bekannt ist, dass sie den Motorflug entwickelt haben. Ihre Flügel bestanden aus einem Hautlappen zwischen ihren Körpern und einem großen vierten Finger (manchmal "Flügelfinger" genannt). Die Flügelmembran war durch feine Faserzüge (sogenannte Aktinofibrillen) versteift und enthielt oft Pigmente und Gefäßstrukturen. Die Pterosaurier lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die früheren Rhamphorhynchoiden (z.B. Rhamphorhynchus) hatten lange Schwänze und gezahnte Kiefer; die Pterodactyloiden (z.B. Pterodactylus) hatten kurze Schwänze, und viele hatten Schnäbel ohne Zähne. Moderne phylogenetische Untersuchungen sehen die "Rhamphorhynchoidea" als paraphyletische Gruppe von basalen Pterosauriern, während die Pterodactyloidea eine relativ einheitliche, spätere Strahlgruppe bilden.

Das erste Pterosaurier-Fossil wurde 1784 im spätjurassischen Solnhofener Kalkstein in Deutschland entdeckt. Dies war genau derselbe Ort, an dem Jahre später der Archaeopteryx gefunden wurde. Georges Cuvier schlug 1801 erstmals vor, dass Pterosaurier fliegende Wesen seien. Seit das erste Pterosaurierfossil gefunden wurde, wurden allein in diesen Ablagerungen neunundzwanzig Pterosaurierarten gefunden. Ein berühmter frühbritischer Fund war ein Beispiel von Dimorphodon von Mary Anning im Jahre 1828 in Lyme Regis, Dorset, England. Der Name Pterosauria wurde 1834 geprägt. Weitere wichtige Fundstellen mit sehr gut erhaltenen Exemplaren sind die Jehol‑Gruppe in China (die viele jungpaläontologische Details zeigt), die Santana‑Formationen in Brasilien und zahlreiche lokalitäten in Nordamerika und Argentinien.

Anatomie und Anpassungen an den Flug

Pterosaurier waren echte Flieger, fähig zu flattern oder zu gleiten. Ihre Körper waren mit feinen Haaren bedeckt, so dass sie in der Lage waren, ihre Temperatur zu regulieren (sie waren warmblütig). Diese haarähnlichen Strukturen werden als Pycnofibren bezeichnet und deuten auf eine gute Wärmeregulation hin. Die Skelettstruktur zeigt starke Pneumatisation (Lufthöhlen in den Knochen), dünnwandige, aber feste Knochen und oft sehr große Brustbeine oder andere Ansatzstellen für kräftige Flugmuskulatur.

Der Flügelaufbau unterschied sich deutlich von dem moderner Vögel: das Flügelmembran spannte sich vom verlängerten vierten Finger zum Rumpf und in vielen Formen weiter zu den Hinterbeinen oder zum Schwanz. Manche Arten besaßen außerdem eine hintere Membran (Uropatagium). Die Flugfähigkeiten reichten vom wendigen Flattern über ausdauerndes Segeln bis hin zu schnellen, stoßartigen Flugmanövern. Neuere Studien legen nahe, dass viele große Pterosaurier einen quadrupedalen Startmechanismus verwendeten: mithilfe kräftiger Vordergliedmaßen und Brustmuskulatur stießen sie sich kraftvoll ab, um in den Flug zu kommen.

Lebensweise und Ernährung

Pterosaurier waren ökologisch sehr vielfältig. Zu den Ernährungsweisen gehören:

  • Fischfang (z. B. lange Schnäbel mit Zähnen wie bei manchen Pteranodontiden),
  • Insektenfresser (kleine, wendige Formen),
  • Filtrierer (z. B. Pterodaustro mit spezialisierten Zähnen zum Filtrieren von Kleinstlebewesen),
  • Fruchtfresser und Sammler (einige Tapejaridae dürften Früchte und Samen aufgenommen haben),
  • Aasfresser oder räuberische Formen (große Arten wie Quetzalcoatlus könnten auch an der Küste oder an Land nach Beute gesucht haben).

Viele Pterosaurier zeigen Kamm‑ und Scheitelbildungen am Kopf, die wahrscheinlich visuelle Signale für sozial‑ sexuelle Interaktionen darstellten. Bei einigen Arten besteht zudem der Verdacht auf Geschlechtsdimorphismus, d. h. unterschiedliche Schädelformen zwischen Männchen und Weibchen.

Fortpflanzung und Ontogenie

Fossile Eier und Embryonen belegen, dass Pterosaurier Eier legten. Einige entdeckte Eier hatten flexible, dünne Schalen und zeigen, dass die Jungtiere vergleichsweise gut entwickelt aus den Eiern schlüpften (einige waren vermutlich flugfähig kurz nach dem Schlupf). Hinweise auf Nestbau und elterliche Fürsorge sind noch begrenzt, aber einige Funde deuten auf komplexe Fortpflanzungsstrategien hin.

Fossilbericht und Forschungsgeschichte

Pterosaurierfossilien sind empfindlich, weil ihre Knochen dünnwandig sind; daher entstehen besonders an bestimmten Lagerstätten (wie dem Solnhofener Kalkstein oder der Jehol‑Gruppe) außergewöhnlich komplette Erhaltungssituationen. Solche Funde haben Einblicke in Weichteile, Flügelmembranen und Integument geliefert. Die Erforschung der Pterosaurier hat sich stetig weiterentwickelt: frühe Beschreibungen im 19. Jahrhundert haben sich mit neuen Fossilien und modernen Analysemethoden (z. B. Computertomographie, biomechanische Modelle, Phylogenetik) zu einem detaillierteren Bild ergänzt.

Systematik und Verwandtschaft

Pterosaurier gehören zur Gruppe der Archosauria und sind eine enge Schwestergruppe der Dinosaurier. Innerhalb der Pterosaurier unterscheidet man üblicherweise basalere Linien (traditionell als "Rhamphorhynchoidea" bezeichnet) und die später dominierenden Pterodactyloidea. Die genaue interne Systematik wird weiterhin diskutiert, doch sind fossile Funde mit vollständigen Schädeln, Flügeln und Weichteilabweichungen zentral für die Aufklärung ihrer Evolutionsgeschichte.

Aussterben

Pterosaurier starben am Ende der Kreidezeit beim großen Massenaussterben (K/T‑Ereignis, vor etwa 66 Millionen Jahren) aus. Bis dahin hatten sie viele ökologische Lücken besetzt; nach dem Aussterben entwickelten sich die noch lebenden fliegenden Wirbeltiere (Vögel und später Fledermäuse) unabhängig weiter. Gründe für ihr Aussterben sind mit den allgemeinen Folgen des Asteroideneinschlags und den sich ändernden Lebensräumen verbunden: Nahrungsverluste, Klimawandel und ökologische Umwälzungen scheinen zusammengewirkt zu haben.

Bekannte Gattungen (Auswahl)

  • Rhamphorhynchus – langer Schwanz, fischfressend;
  • Dimorphodon – frühe Form mit kräftigem Schädel;
  • Pterodactylus – typischer kleiner Pterodactyloid;
  • Quetzalcoatlus – einer der größten bekannten Flugsaurier;
  • Pteranodon – großer, zahnloser Schnabel, Nordamerika;
  • Pterodaustro – Filterfütterer mit spezialisierten Zähnen;
  • Dsungaripterus – robuste Zähne für harte Nahrung.

Forschung an Pterosauriern bleibt ein besonders dynamisches Feld der Paläontologie: neue Funde, verbesserte Datierungsmethoden und biomechanische Studien liefern laufend neue Erkenntnisse über Flugleistung, Lebensweise und Evolutionsgeschichte dieser faszinierenden fliegenden Reptilien.