Die Bestäubung ist Teil der sexuellen Fortpflanzung bei Pflanzen. Sie beschreibt, wie die Pollenkörner zu den weiblichen Teilen einer Pflanze gelangen. Die Pollenkörner, die die männlichen Geschlechtszellen enthalten, müssen dorthin gelangen, wo die weibliche(n) Keimzelle(n) sind.
Was geschieht, ist im Grunde dasselbe wie die sexuelle Fortpflanzung bei Tieren. Jedes Pollenkorn ist haploid: Es besitzt die Hälfte der DNA (genetische Information), die für die Herstellung einer neuen Pflanze benötigt wird. Bei der Befruchtung verbindet sich diese mit der DNA, die sich im Ei des weiblichen Teils befindet, und es entsteht eine Zygote. Bei Samenpflanzen wird ein Samen gestartet.
Wie funktioniert die Bestäubung genau?
Bestäubung bedeutet, dass Pollen von den männlichen Teilen einer Blüte (den Staubblättern mit den Pollensäcken) zur Narbe des weiblichen Fruchtblatts (Stempel) gelangt. Dort nimmt das Pollenkorn Wasser auf und bildet einen Pollenschlauch, der durch den Griffel zum Fruchtknoten wächst. Über diesen Schlauch gelangen die männlichen Keimzellen zur Eizelle, sodass die Befruchtung stattfinden kann.
Wichtige Arten der Bestäubung
- Fremdbestäubung (allogam): Pollen wandert zwischen verschiedenen Pflanzen derselben Art — fördert die genetische Vielfalt.
- Selbstbestäubung (autogam): Pollen gelangt innerhalb derselben Blüte oder zwischen Blüten derselben Pflanze — oft bei manchen Getreidearten oder in trockenen Regionen vorteilhaft.
- Cross- vs. Selfing: Viele Pflanzen können beides, manche haben Mechanismen (z. B. räumliche/zeitliche Trennung von Staubblatt und Narbe), um Fremdbestäubung zu begünstigen.
Wer sind die Bestäuber?
Bestäubung kann auf verschiedene Weise erfolgen:
- Tierische Bestäuber: Insekten (Bienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer), Vögel (z. B. Kolibris), Fledermäuse und sogar kleine Säugetiere. Diese suchen oft Nektar oder Pollen und tragen dabei Pollen zwischen Blüten.
- Wind: Viele Gräser, Nadelbäume und einige Laubbäume lassen Pollen vom Wind verteilen. Diese Pollen sind oft leicht und in großer Menge produziert.
- Wasser: Bei wenigen Wasserpflanzen erfolgt die Pollenverbreitung über Wasseroberflächen.
Anpassungen von Blüten
Blüten haben viele Eigenschaften entwickelt, um bestimmte Bestäuber anzulocken oder Windbestäubung zu ermöglichen:
- Farbe, Form und Duft für Insekten oder Vögel
- Nektar als Belohnung
- Pollenfallen, Landestellen und „Nektarrouten“ (Nektarguides)
- Bei Windbestäubern: unauffällige Blüten, große Pollenmengen, lange Staubblätter
Ablauf bis zur Befruchtung (vereinfacht)
- Pollen gelangt auf die Narbe.
- Ein Pollenkorn keimt und bildet den Pollenschlauch.
- Der Pollenschlauch wächst durch den Griffel zum Fruchtknoten.
- Männliche Keimzellen wandern durch den Schlauch zur Eizelle.
- Bei Blütenpflanzen (Angiospermen) kommt es häufig zur Doppelbefruchtung: eine männliche Zelle verschmilzt mit der Eizelle (Bildung der Zygote, Embryo), die andere verschmilzt mit zwei Zellkernen im Samenanlagen-Gewebe und bildet den Nährgewebe (Endosperm).
Bedeutung für Ökosysteme und Landwirtschaft
Bestäuber sichern die Fortpflanzung vieler wildlebender Pflanzen und tragen zur Artenvielfalt bei. Auch zahlreiche Nutzpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen oder profitieren stark von ihnen. Ein Rückgang der Bestäuber hat daher direkte Folgen für Erträge und die Vielfalt von Nutz- und Wildpflanzen.
Bedrohungen und Schutz
Bestäuber sind durch Lebensraumverlust, Pestizide, Krankheiten, invasive Arten und Klimawandel gefährdet. Maßnahmen zum Schutz sind unter anderem:
- Pestizidreduktion oder -vermeidung, besonders während der Blütezeit
- Erhalt und Anlage von blütenreichen Lebensräumen und Korridoren
- Förderung nativer Pflanzenarten
- Bereitstellung von Nistplätzen (z. B. Totholz, Sandflächen für Solitärbienen)
Tipps für den eigenen Garten
- Pflanzenvielfalt: verschiedene Arten, Blühzeiten und Strukturen
- Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel
- Wasserstellen und Unterschlupf anbieten
- Wildblumenwiesen oder Blühstreifen anlegen
Zusammenfassung: Bestäubung ist die Übertragung von Pollen zu den weiblichen Teilen einer Pflanze und damit ein zentraler Schritt der sexuellen Fortpflanzung. Sie kann durch Tiere, Wind oder Wasser erfolgen und ist für Ökosysteme und die menschliche Landwirtschaft von großer Bedeutung. Schutzmaßnahmen und ein bewusstes Verhalten können helfen, Bestäuber und damit die Pflanzenvielfalt zu erhalten.










