Übersicht

Das Ordovizium ist die zweite Periode des Paläozoikums und erstreckt sich von etwa 485,4 bis 443,4 Millionen Jahren vor heute. Es folgt auf die kambrische und geht der silurischen Periode voraus. Charakteristisch sind ausgedehnte flache Schelfmeere, eine starke Diversifizierung des marinen Lebens und schlussendlich ein großes Aussterbeereignis am Ende der Periode. Die Bezeichnung "Ordovizium" geht auf die walisischen Ordovizen zurück; geprägt wurde der Name im 19. Jahrhundert, als geologische Schichten neu interpretiert und neu eingeordnet wurden.

Charakteristische Merkmale und Paläoumwelt

Während des Ordoviziums dominierten flache, warme Schelfmeere große Teile der Kontinente, sodass umfangreiche Ablagerungen von Kalk und Schiefer entstanden. Die globale Geographie war durch die Stellung der Großkontinente geprägt: Gondwana lag überwiegend über dem Südpol, andere Landmassen verteilten sich näher am Äquator. Klima und Meeresspiegel schwankten; längere Phasen hoher Meeresspiegel wurden gegen Ende durch eine bedeutende Abkühlung und Meeresrückgänge unterbrochen.

Leben und Biodiversifikation

Das Ordovizium gilt als Zeit intensiver evolutionärer Radiationen im Meer. Viele tierische Gruppierungen, die bereits im Kambrium vorhanden waren, etablierten sich weiter und bildeten neue ökologische Nischen: Trilobiten, Brachiopoden, Bryozoen, Graptolithen, Cephalopoden, Crinoiden und frühe Korallen traten in großer Vielfalt auf. Paläontologisch wichtig sind zahlreiche Fossillagerstätten mit gut erhaltenen Formen, etwa aus Wales oder dem sogenannten Cincinnatian-Gebiet in Nordamerika. Die Zunahme der Artenvielfalt wird oft als "Great Ordovician Biodiversification Event" bezeichnet.

Geschichte der Forschung

Die Einführung des Begriffs geht auf den britischen Geologen Charles Lapworth zurück, der im 19. Jahrhundert erkannte, dass bestimmte Gesteinseinheiten weder eindeutig dem Kambrium noch dem Silur zuzuordnen waren. Er benannte die neuen Schichten nach dem keltischen Stamm der Ordovizen und verwendete Fossilassemblagen, insbesondere Graptolithen, zur Korrelation. Die internationale Anerkennung der Periode erfolgte später; erste Kontroversen über stratigraphische Einteilungen wurden in der Folge auf internationalen Kongressen bereinigt.

Ende-Ordovizisches Aussterben

Das Ordovizium endete mit einem der größten Massensterben der Erdgeschichte. Dieses Ereignis wird heute mit einer raschen Abkühlung und einer erheblichen Senkung des Meeresspiegels in Verbindung gebracht, die vor allem durch die Vergletscherung von Gondwana verursacht wurde. Das Aussterben verlief wahrscheinlich in mehreren Pulses und traf besonders stark sessile und planktonische Meeresorganismen. Die genauen Auslöser und Wechselwirkungen zwischen tektonischen, klimatischen und biologischen Faktoren bleiben Gegenstand der Forschung.

Bedeutung und Fundstellen

  • Wirtschaftlich: Ordovizische Kalk- und Schieferschichten liefern Gesteine, Fossilien und gelegentlich Rohstoffe.
  • Paläontologisch: Die Periode liefert umfangreiche Belege für frühe Ökosysteme und für Evolutionsschübe in marinen Lebensgemeinschaften.
  • Lehrreich: Die Geschichte der Begriffsbildung und der stratigraphischen Arbeit im Ordovizium ist ein Beispiel für die Entwicklung moderner geologischer Methoden.

Für vertiefende Informationen zur Stratigraphie, zu typischen Fossilien und zur Forschungsgeschichte verweisen Standardwerke und Fachartikel. Weiterführende Einträge behandeln die Einordnung des Ordoviziums innerhalb des Paläozoikums, seine Abgrenzung gegen die kambrische und die silurische Periode sowie Details zur Namensgebung nach den Ordovizen. Historische Aspekte und frühe Debatten um Schichten und Fossilien sind in Übersichtsarbeiten dokumentiert (Stratigraphie, britische Forschung), ebenso wie die Einordnung des End-Ordovizischen Aussterbens in die große Skala der phanerozoischen Ereignisse (Phanerozoikum, End-Ordovizisches Aussterben).

Zusammengefasst bietet das Ordovizium ein Bild einer dynamischen Erdphase: geografische Umgestaltungen, florierende Meeresgemeinschaften und dramatische klimatische Wendungen, die bis heute wichtige Einsichten in Evolution, Paläoklima und Stratigraphie liefern.